Gesundheit kompakt

Mastzellaktivierungssyndrom: Eine noch wenig erforschte Krankheit

Das Mastzellaktivierungssyndrom, kurz auch MCAS genannt, ist eine relativ neue Diagnose (2007), die jedoch immer häufiger gestellt wird. Das Krankheitsbild ist durch unterschiedliche, oftmals chronische Symptome ohne einheitliches Beschwerdebild gekennzeichnet. Diese zeigen sich auch bei anderen Krankheitsverläufen und erschweren somit eine genaue Diagnose. Bislang wurden MCAS-Patienten rein symptomatisch behandelt – ohne die Ursache zu kennen.  

Was ist das Mastzellaktivierungssyndrom?
Was sind die Ursachen des Mastzellaktivierungssyndroms?
Was sind die Symptome?
Wie erkennt der Arzt das Mastzellaktivierungssyndrom?
Wie wird das Mastzellaktivierungssyndrom behandelt?
Wie kann ich vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen?

Was ist das Mastzellaktivierungssyndrom?

Beim Mastzellaktivierungssyndrom ist die Funktion der Mastzellen im Körper gestört. Mastzellen sind Zelltypen des Immunsystems, die Botenstoffe (Mediatoren) wie etwa Histamin, Zytokine und Heparin in sich speichern. Bei einer Erkrankung mit dem Mastzellaktivierungssyndrom produzieren die krankhaften, hyperaktiven Mastzellen einen Überschuss an Mediatoren.

In der Regel werden diese Mediatoren als Schutz vor Bakterien, Parasiten und Giftstoffen vom Körper ausgeschüttet. Die Überproduktion an Botenstoffen führt jedoch zu einer Reihe chronischer Symptome.

Das Krankheitsbild äußert sich in einer Vielzahl unterschiedlicher Symptomatiken und Schweregrade ohne einheitliches Krankheitsbild. Zu den Symptomen zählen Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems und des Verdauungstrakts sowie dermatologische, neurologische und respiratorische Beschwerden. Experten erforschen die Krankheit aktuell noch weiter.

Was sind die Ursachen des Mastzellaktivierungssyndroms?

Die Ursachen sind noch nicht ganzheitlich erforscht und geklärt. Experten konnten noch keine genaue Entstehungsursache erkennen. Jedoch scheint bei manchen Patienten eine vererbte genetische Mutation der Auslöser für MCAS zu sein. In den meisten Fällen sind die Ursachen der Erkrankung jedoch noch nicht geklärt.

Wie die Symptome des Mastzellaktivierungssyndroms entstehen ist jedoch bekannt: durch die übermäßige Ausschüttung von Mediatoren aus Mastzellen. Diese Überproduktion kann durch bestimmte Trigger weiter aktiviert werden. So kann die Erkrankung relativ symptomlos verlaufen und sich dann durch gravierende Lebensereignisse wie etwa Unfälle, Operationen, Traumata oder psychische Belastungen rapide verschlechtern.

Als weitere Ursachen für das Mastzellaktivierungssyndrom bzw. die übermäßige Stimulation von Mediatoren im Körper stehen folgende Faktoren im Verdacht: Lebensmittelunverträglichkeit, falsche Ernährungsweise, Impfungen, hormonelle Veränderungen, Wetterumschwünge, Umwelteinflüsse und Schadstoffe sowie bestimmte Medikamente (z.B. Aspirin) und Drogen.

Was sind die Symptome?

Das Mastzellaktivierungssyndrom kann mehrere Organsysteme betreffen und somit zu unterschiedlichen Symptomen führen. Auch die Dauer und Schweregrade der Krankheitssymptome unterscheiden sich von Fall zu Fall. Im ersten Moment ähneln die Anzeichen einer Allergie, einer schweren Erkältung, Lebensmittelvergiftung, Hautausschlägen und können sich als Erschöpfungszustände bis hin zu Lähmungserscheinungen zeigen.

Zu den weiteren Symptomen des Mastzellaktivierungssyndroms zählen: Rötungen auf der Haut mit Blutergüssen, Benommenheit und Schwindel, Krämpfe, Durchfall oder Verstopfung sowie Übelkeit und Erbrechen, Gedächtnisstörungen und Lebensmittelintoleranzen.

Das Syndrom zeigt auch im Bereich der Neuropathie Symptome wie Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen und Nervenschmerzen. Ebenso zu den typischen Symptomen von MCAS zählen Husten, Keuchen und Augenbeschwerden sowie psychologische Symptome wie Angst, Depression und Stimmungsschwankungen als Folge der Überproduktion von Mastzellmediatoren im Gehirn.

Wie erkennt der Arzt das Mastzellaktivierungssyndrom?

Das Mastzellaktivierungssyndrom ist anhand seiner heterogenen Symptomatik nicht sehr leicht zu diagnostizieren. Oftmals tritt das Syndrom als Multisystemerkrankung auf, die einzelne Fachspezialisten nur für das jeweilige Beschwerdebild und nicht ganzheitlich erkennen. Die Experten betrachten die verschiedenen Symptome nicht zusammenhängend und somit kommt es in vielen Fällen zu keiner eindeutigen Diagnose. Oft schließen Ärzte im Vorfeld erst eine Reihe anderer Krankheiten mit ähnlichem Erscheinungsbild aus, bevor sie das Mastzellaktivierungssyndrom in Erwägung ziehen.

Für die Diagnose des Mastzellaktivierungssyndrom wurde ein Fragebogen von Fachärzten und Spezialisten entwickelt, der die Bestimmung der Krankheit erleichtern soll. Auch eine Reihe an Untersuchungen helfen bei der sicheren Diagnose, die jedoch teilweise recht aufwendig sind.

So etwa kann der Arzt mit einer Biopsie aus dem Knochenmark die Menge und Form der Mastzellen analysieren. Krankhafte Mastzellen können Ärzte unter dem Mikroskop in ihrer veränderten Form erkennen. Durch die Überproduktion an Botenstoffen lassen sich diese auch durch laborchemische Verfahren im Blut und/oder im Urin nachweisen. In manchen Fällen bringen aber sogar diese Untersuchungen kein valides Ergebnis.

Mastzellaktivierungssyndrom

Das Mastzellaktivierungssyndrom ist unangenehm. (c) Jürgen Fälchle / Adobe Stock

Wie wird das Mastzellaktivierungssyndrom behandelt?

Auch wenn der laboranalytische Nachweis für das Mastzellaktivierungssyndrom fehlt, beginnt man oftmals eine Therapie. Anhand der Erfolge oder Misserfolge kann man auch auf diesem Weg die Krankheit diagnostizieren.

Meistens therapiert der Experte das Syndrom mit Medikamenten. Die Medikation zielt darauf ab, die Mastzellen zu stabilisieren. Dabei werden Mastzellstabilisatoren, wie etwa Dinatriumchromoglycat und Chromoglycinsäure oder natürliche Mastzellstabilisatoren wie Quercetin eingesetzt. Weitere Basistherapien beinhalten folgende Wirkstoffe: Vitamin C, Antihistaminika, Anti-Leukotriene sowie natürliche Produkte wie Kurkuma oder Echtes Johanniskraut. Verbleibende Beschwerden müssen symptomatisch behandelt werden.

Wichtig ist auch, dass Betroffene auf bestimmte Trigger verzichten, die einen Schub auslösen können. Je nachdem welche Stoffe dazu führen, müssen bestimmte Nahrungsmittel, Getränke, Medikamente, Mikroben oder auch Zigarettenrauch vermieden werden. Dabei unterstützt auch eine histaminarme Diät. Mit Therapiemöglichkeiten aus dem Bereich der Homöopathie gibt es keine relevanten Erkenntnisse.

Wie kann ich vorbeugen?

Da die initiale Ursache des Mastzellaktivierungssyndroms noch nicht gänzlich erforscht ist, kann man der Erkrankung nicht per se vorbeugen. Jedoch kann man durch einen gesunden Lebensstil bestimmte Trigger vermeiden, die die Mastzellen weiter aktivieren.

Dabei gibt es eine Vielzahl an möglichen Auslösern, die es für jeden Patienten individuell zu definieren gilt. Das können chemische, physikalische oder sogar körpereigene Stoffe sein. Viele Lebensmittel und Zusatzstoffe sind Histaminliberatoren oder histaminhaltig. Diese muss man auf jeden Fall vermeiden. Falls das Mastzellaktivierungssyndrom mit der Ernährung zusammenhängt, müssen bestimmte Lebensmittel dauerhaft gemieden werden.

Wie sind die Heilungschancen?

Das Mastzellaktivierungssyndrom gilt nach dem aktuellen Forschungsstand als nicht ursächlich heilbar. Lediglich die Symptome lassen sich therapieren und in vielen Fällen auch kontrollieren, aber eine Heilung ist bis dato ausgeschlossen. Ärzte erzielen die besten Ergebnisse bei Patienten, wenn Stoffe und Auslöser, die bestimmte Beschwerden triggern, ferngehalten werden.

Leider verschlimmern sich auch in einigen Fällen im Krankheitsverlauf die Symptome. Wenn Medikamente nicht anschlagen, verschlechtert sich die Prognose der Betroffenen. Auch wenn es zur Lebenserwartung von MCAS-Patienten keine gesicherten Daten gibt, leidet laut Erfahrungsberichten die Lebensqualität der erkrankten Menschen erheblich.

Dabei reicht die Bandbreite von Konsequenzen und Komplikationen von leichten Beschwerden bis hin zu schwersten Beeinträchtigungen wie Behinderungen und Lähmungen. Einige Patienten sind derart schwer betroffen, dass sie einen Grad der Behinderung erreichen, der sie sogar arbeitsunfähig macht.