Gesundheit kompakt

Mastoiditis

Eigentlich waren die Ohrenschmerzen schon vorbei, doch plötzlich kamen sie wieder: Wer nach einer abklingenden Mittelohrentzündung einen erneuten Schub der Symptome erleidet, sollte aufpassen. Denn dann könnte sich bereits eine Mastoiditis ausbreiten.

Was ist Mastoiditis?
Was sind die Ursachen von Mastoiditis?
Was sind die Symptome?
Wie erkennt der Arzt Mastoiditis?
Wie wird Mastoiditis behandelt?
Wie kann ich vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen?

Was ist Mastoiditis?

Mastoiditis ist eine eitrige Erkrankung des Mittelohrs. Dabei entzündet sich der Knochen, der sich hinter dem Ohr befindet. Dieser Knochen heißt medizinisch Os mastoideum, von dem sich der Name ableitet. Optisch erinnert die Form des spitzzulaufenden Knochens an eine Warze, weshalb eine weitere gängige Bezeichnung Warzenfortsatzentzündung ist. Ebenfalls geläufig ist der Begriff Felsenbein-Entzündung. Da dieser Knochen nicht komplett ausgefüllt ist, befinden sich im Inneren Hohlräume mit Schleimhautzellen, die bei einer Mastoiditis entzündet sind und Eiter bilden.

Die Entzündung kann akut, vereinzelt, aber auch chronisch verlaufen. In den meisten Fällen ist eine Mastoiditis eine der Komplikationen einer Mittelohrentzündung. Deshalb sind besonders Kinder und Jugendliche davon betroffen. Generell tritt die Erkrankung mit einer Häufigkeit von etwa 1 bis 2 von 100.000 Erkrankten nach einer Entzündung des Mittelohrs sehr selten auf.

Mastoiditis ist nicht ansteckend

Ansteckend ist die Krankheit nicht. Obwohl Bakterien zu den Erregern zählen, befindet sich die Entzündung innerhalb des Ohres und kann deshalb nicht übertragen werden. Hat sich die Mastoiditis jedoch aus einer hartnäckigen Erkältung entwickelt, kann der Erreger des Infekts weiter verbreitet werden.

Was sind die Ursachen von Mastoiditis?

In der Regel entsteht eine Mastoiditis nach einer nicht ausgeheilten Mittelohrentzündung (Otitis media). Wurde die Entzündung nicht oder zu kurz behandelt, können sich die Erreger weiter ausbreiten. Typische Bakterien, die eine Mittelohrentzündung auslösen, sind Pneumokokken, Streptokokken, Haemophilus influenzae Typ b und Staphylokokken. Durch die Nähe zum Mittelohr kann die Entzündung auch auf den Warzenfortsatz übergehen. Eher selten ist die Form, die sich durch Pilze entwickelt.

In Einzelfällen entwickelt sich eine Mastoiditis ohne Mittelohrentzündung. Eine chronische Mastoiditis bleibt beispielsweise oft lange Zeit unerkannt, da sich keine Symptome zeigen und auch keine akute Erkrankung vorausgegangen ist.

Stress und ein ungesunder Lebensstil können bei Erwachsenen zur Ursache für verschiedene Erkrankungen werden – unter anderem auch für eine Erkältung inklusive Mittelohrentzündung. Ist das Immunsystem geschwächt, kann sich daraus wiederum eine Mastoiditis entwickeln.

Was sind die Symptome?

Eine akute Mastoiditis macht sich durch typische Symptome bemerkbar, die etwa zwei bis vier Wochen nach dem Beginn einer Mittelohrentzündung auftreten:

  • Fieber
  • Ohrenschmerzen, pochender Schmerz im Ohr
  • Kopfschmerzen
  • Verschlechterung des Hörvermögens, Tinnitus
  • Schlafstörungen
  • Abgeschlagenheit
  • milchiger Ausfluss aus dem Ohr
  • rötliche Schwellung am Knochen hinter dem Ohr
  • Druckempfindlichkeit der Schwellung
  • abstehende Ohrmuschel
  • Zahnschmerzen

Generell ähneln die Symptome denen einer Mittelohrentzündung. Kommen die Beschwerden noch einmal zurück, obwohl die Symptome eigentlich schon am Abklingen waren, könnte sich bereits eine Mastoiditis ankündigen. Babys fassen sich bei einer Entzündung häufig ans Ohr, ein Hinweis, dass sie dort Schmerzen haben. Kleinkinder leiden oft auch an Durchfall und Erbrechen.

Chronische Mastoiditis oft ohne Symptome

Anders ist es jedoch beim chronischen Verlauf: Hier kommt es vor, dass die Erkrankung ohne Beschwerden verläuft. Über Wochen und Monate vermehren sich die Bakterien im Warzenfortsatz und sogar im ganzen Körper, ohne eine Schwellung, eitrigen Ausfluss oder Schmerzen zu verursachen. Diese Form ist besonders gefährlich, weil eine Behandlung meist zu spät erfolgt. Die chronische Form wird deshalb auch als maskierte oder verschleierte Mastoiditis bezeichnet.

Wie erkennt der Arzt Mastoiditis?

Oft stellt sich die Frage: Welcher Arzt ist für eine Mastoiditis zuständig? Da es sich dabei um eine Entzündung des Ohres handelt, ist die Anlaufstelle der Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Doch auch der Hausarzt kann für eine erste Diagnose aufgesucht werden. Im Gespräch wird er die Beschwerden und die Krankheitsgeschichte erfragen.

Anschließend wird das Ohr auf Schwellungen und Rötungen untersucht. Auch das Trommelfell und die Gehörgänge werden bei einer Ohrenspiegelung, einer sogenannten Otoskopie, genau angeschaut. Durch eine Blutuntersuchung lassen sich erhöhte Entzündungswerte feststellen. Außerdem wird ein Abstrich aus dem Ohr entnommen, um die Erreger zu bestimmen. Denn danach richtet sich die weitere Therapie.

Mastoiditis-Behandlung im Krankenhaus

Besteht der Verdacht auf eine Mastoiditis, erfolgt die weitere Untersuchung im Krankenhaus, um die Diagnostik schnell abschließen und mit der Behandlung anfangen zu können. Denn je länger die Bakterien Zeit haben, sich im Körper auszubreiten, umso mehr kann es zu Komplikationen kommen.

Um die Ausprägung der Erkrankung und mögliche Abszesse in anderen Regionen zu erkennen, sind folgende bildgebende Verfahren sinnvoll:

  • CT (Computertomographie)
  • Röntgen
  • MRT (Magnetresonanztomographie)

Wie wird Mastoiditis behandelt?

Die herkömmliche Therapie erfolgt durch die Gabe von Antibiotika gegen die Bakterien. Welches Antibiotikum dabei zum Einsatz kommt, richtet sich nach der Art der Erreger. Bei Säuglingen und Kindern verabreicht der Arzt die Medikamente meist über eine Infusion. Erwachsene hingegen können Tabletten einnehmen. Sind die Schmerzen unerträglich, werden zusätzlich Schmerzmittel eingesetzt. Um den Heilungserfolg zu unterstützen, können zusätzlich homöopathische Mittel wie Chamomilla, Aconitum und Belladonna eingenommen werden.

Obwohl die Erkrankung in etwa 50 bis 70 Prozent der Fälle ohne Operation behandelt werden kann, ist oft zusätzlich ein operativer Eingriff notwendig. Klingen die Beschwerden auch nach einigen Tagen nicht ab, beseitigt der Arzt die Schwellung am Ohr bei einer OP. Dieser Eingriff wird als Mastoidektomie bezeichnet. Die Dauer des Krankenhausaufenthalts liegt etwa bei einer Woche. In der Regel haben Patienten und Mediziner mit der Mastoiditis-Operation gute Erfahrungen, denn dadurch lassen sich die akuten Beschwerden in den Griff kriegen.

Wie kann ich vorbeugen?

Einer Mastoiditis lässt sich nur schwer vorbeugen. Die beste Möglichkeit ist jedoch, eine Mittelohrentzündung richtig auszukurieren. Nur so kann die weitere Ausbreitung der Bakterien verhindert werden.

Noch besser ist es, generell die Anfälligkeit für Infektionen zu senken. Ein gesunder Lebensstil ist die beste Empfehlung: Gesunde Ernährung, Bewegung an der frischen Luft, ausreichend Schlaf und eine ausgewogene Work-Life-Balance stärken das Immunsystem und können Krankheiten vorbeugen.

Wie sind die Heilungschancen?

Die Heilungschancen sind sehr gut, vorausgesetzt, die Behandlung beginnt frühzeitig und wird bis zur kompletten Ausheilung der Entzündung fortgesetzt. Dann klingen die Beschwerden meist nach wenigen Tagen oder Wochen wieder ab.

Doch Vorsicht: Wer die Symptome einer Mastoiditis ignoriert, riskiert damit schwere gesundheitliche Folgen, die sogar lebensbedrohlich werden können. Haben die Bakterien ausreichend Zeit, sich auszubreiten, kann die Erkrankung Folgen für die gesamte Gesundheit haben. Entzündungen der Hirnhaut (Meningitis), dauerhafte Taubheit oder Lähmungen des Gesichts können entstehen, wenn die Mastoiditis unbehandelt bleibt. Deshalb sollte bei den ersten Anzeichen unbedingt ein Arzt aufgesucht werden, um den Heilungserfolg nicht zu gefährden.