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Magengeschwür

“Stress dich nicht so, du bekommst noch ein Magengeschwür!” Diesen gut gemeinten Ratschlag hört man immer wieder. Aber kann Stress wirklich ein Magengeschwür verursachen? Lesen Sie hier, wie diese Schädigung der Magenschleimhaut entsteht, wie sie behandelt wird und wie die Heilungschancen aussehen.

Was ist ein Magengeschwür?
Was sind die Ursachen eines Magengeschwürs?
Was sind die Symptome eines Magengeschwürs?
Wie erkennt der Arzt ein Magengeschwür?
Wie wird ein Magengeschwür behandelt?
Wie kann ich einem Magengeschwür vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei einem Magengeschwür?

Was ist ein Magengeschwür?

Bei einem Magengeschwür wird die Magenschleimhaut an einer bestimmten Stelle durch eine Entzündung nach und nach zerstört. Es entsteht eine Wunde, die auch in tiefere Gewebeschichten der Magenwand bis hin zum Muskel vordringen kann. Meist ist die Innenkrümmung des Magens beziehungsweise der Bereich vor dem Magenausgang betroffen.

Die medizinische Bezeichnung für das Magengeschwür lautet “Ulcus ventriculi”, häufig sprechen Ärzte verkürzt von einem Ulkus. Patienten mit Magengeschwür klagen oft über Schmerzen im Oberbauch, Erbrechen und Gewichtsabnahme. Zwölffingerdarmgeschwüre äußern sich ähnlich. Beide, Magengeschwür und Zwölffingerdarmgeschwür, gehören zu den häufigsten Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts: Jedes Jahr erkranken in Deutschland 300.000 bis 400.000 Menschen daran.

Betrachtet man nur das Magengeschwür, beobachtet man Neuerkrankungen bei 50 von 100.000 Menschen. Etwa 10 Prozent aller Deutschen leiden im Laufe ihres Lebens mindestens einmal an einem Magengeschwür. Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen. Und: Wer einmal ein Magengeschwür hatte, hat ein erhöhtes Risiko, erneut eines zu entwickeln. Dies gilt insbesondere für Männer, die über 50 Jahre alt sind. Insgesamt tritt das Zwölffingerdarmgeschwür aber häufiger auf als das Magengeschwür.

Was sind die Ursachen eines Magengeschwürs?

Ein Magengeschwür entsteht, wenn ein Ungleichgewicht zwischen den aggressiven und den schützenden Mechanismen der Magenschleimhaut vorliegt. Dann ist zum Beispiel die Magensäure, die für die Zersetzung der Nahrung zuständig ist, zu stark beziehungsweise in zu großer Menge vorhanden. Oder der alkalische Schleim, der die Magenschleimhaut vor der Salzsäure des Magensafts schützt, ist zu schwach. Es kommt zu einer Magenschleimhautentzündung, einer sogenannten Gastritis, aus der sich früher oder später ein Magengeschwür entwickeln kann.

Darüber hinaus können gestörte Magenbewegungen, die sogenannten Peristaltik-Störungen, die Entstehung eines Magengeschwürs begünstigen. Bei drei Viertel aller Patienten lässt sich das Bakterium Helicobacter pylori im Magen nachweisen. Der Keim scheint also einer der Hauptauslöser zu sein, auch wenn er nicht allein für die Entwicklung eines Magengeschwürs verantwortlich ist – denn es gibt auch Menschen, die diese Bakterien in sich tragen, ohne ein Magengeschwür zu bekommen.

Es muss also weitere Faktoren geben, die zu einer Magengeschwür-Entwicklung beitragen. Dazu zählt beispielsweise die Einnahme verschiedener schmerz- und entzündungshemmender Medikamente, etwa der Wirkstoffe Acetylsalicylsäure, Ibuprofen und Diclofenac. Auch der Konsum von Zigaretten, Alkohol und Kaffee sowie eine genetische Vorbelastung können eine Rolle spielen. Immer wieder wird auch Stress als Auslöser diskutiert. Da beruflicher und privater Stress häufig einen ungesunden Lebensstil mit sich bringen, kann diese Belastung tatsächlich die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung eines Magengeschwürs erhöhen – insbesondere in Kombination mit anderen Risikofaktoren.

müder Mann

Langanhaltender Stress kann ein Magengeschwür begünstigen. (c) thodonal / Fotolia


Was sind die Symptome eines Magengeschwürs?

Die ersten Anzeichen können denen eines Reizmagens ähneln und sich langsam verschlimmern. Als Warnzeichen können beispielsweise Völlegefühl, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Blähungen, Durchfall, Sodbrennen und Kreislaufprobleme auftreten. Typisch für ein Magengeschwür ist ein dumpfer Schmerz im Oberbauch, der bis in den Rücken oder in die Brust ausstrahlen kann. Im Gegensatz zur Magenentzündung ist der Schmerz bei einem Geschwür punktuell und kann vom Patienten genau aufgezeigt werden.

Meist treten die Probleme während oder nach dem Essen auf. Schmerzen bei leerem Magen, der sogenannte Nüchternschmerz, deutet eher auf ein Zwölffingerdarmgeschwür hin. Viele Patienten vertragen auf einmal bestimmte Nahrungsmittel nicht mehr, zum Beispiel stark gewürzte oder sehr heiße Speisen, Kaffee oder Alkohol. Es kann außerdem zu Blutungen aus dem Geschwür kommen, was sich in pechschwarzem Stuhl oder Bluterbrechen äußern kann.

> Magenschmerzen nach dem Essen

Als weitere Komplikationen können ein Magendurchbruch oder ein Darmdurchbruch auftreten, erkennbar an einem angespannten, brettharten Bauch. Mitunter erleiden die Patienten auch einen Schock. Auch ein verengter Magenausgang kann die Folge eines Magengeschwürs sein. Dann kommt es zu vermehrtem Erbrechen und starkem Gewichtsverlust. Gut zu wissen: Etwa ein Drittel aller Patienten ist trotz Magengeschwür beschwerdefrei. Das Geschwür wird dann meist zufällig im Rahmen einer anderen Untersuchung entdeckt.

Wie erkennt der Arzt ein Magengeschwür?

Haben Sie den Verdacht, an einem Magengeschwür zu leiden, sollten Sie Ihren Hausarzt, einen Internisten oder Gastroenterologen aufsuchen. Um seine Diagnose zu stellen, wird der Arzt Sie zunächst zu Ihren Beschwerden befragen. Aufschluss gibt dem Fachmann vor allem die Beschaffenheit des Stuhls und/oder des Erbrochenen. Im Anschluss an das Patientengespräch wird er Ihren Bauch abtasten, was für Menschen mit Magengeschwür schmerzhaft sein kann.

Es folgen verschiedene Untersuchungen wie ein Ultraschall des Bauchraums oder eine Röntgenuntersuchung: Dadurch kann festgestellt werden, ob es bereits zu einem gefährlichen Magen- oder Darmdurchbruch gekommen ist. Mithilfe einer Blutuntersuchung werden Entzündungen der Bauchorgane diagnostiziert. Außerdem geben die Blutwerte Auskunft darüber, ob Blutungen in Magen oder Darm vorliegen.

Um die Diagnose zu sichern, wird eine Magenspiegelung, eine sogenannte Gastroskopie, vorgenommen. Dabei führt der Arzt einen Schlauch durch Mund und Speiseröhre in den Magen ein. Dies ermöglicht eine direkte Untersuchung der Magenschleimhaut sowie eine Gewebeentnahme. Die Probe wird anschließend feingeweblich untersucht, wodurch eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori festgestellt werden kann. Gleichzeitig kann durch die Biopsie Magenkrebs als Ursache für die Beschwerden ausgeschlossen werden.

Magenspiegelung

Eine Magenspiegelung ist bei weitem nicht so schmerzhaft, wie sich vermuten lässt. (c) Colourbox

Wie wird ein Magengeschwür behandelt?

Nicht selten heilen Magengeschwüre innerhalb von zwei bis drei Monaten ohne Behandlung ab. Allerdings können durch eine geeignete Therapie der Heilungsprozess beschleunigt und die Rückfallquote gesenkt werden. Bei leichten Beschwerden kann es ausreichen, vorrübergehend auf eine magenschonende Ernährung zu setzen und scharfe beziehungsweise fettige Speisen zu meiden. Außerdem sollten die Patienten auf Alkohol und Nikotin verzichten.

Wurde bei der Untersuchung der Magenkeim Helicobacter pylori festgestellt, wird der Arzt dem Betroffenen Antibiotika verschreiben. Außerdem können säurereduzierende Medikamente als Magenschutz gegeben werden, beispielsweise Protonenpumpenhemmer, H2-Antihistaminika und Antazida. Dadurch wird die schädigende Wirkung der Magensäure gemildert, sodass das Magengeschwür abheilen kann. Als Ergänzung zur schulmedizinischen Therapie können Hausmittel für Linderung sorgen, etwa die Einnahme von Honig und Kohlsaft.

Um den Erfolg der Behandlung zu kontrollieren, wird sechs bis acht Wochen nach Therapiebeginn eine (erneute) Magenspiegelung durchgeführt. Auch bei Komplikationen wie Magenblutungen kann eine weitere Gastroskopie sinnvoll sein. Operationen werden bei Magengeschwüren heute nur noch selten durchgeführt. Dies kann der Fall sein, wenn das Geschwür trotz Behandlung nicht verschwindet oder sich immer wieder neu bildet. Kommt es zu Komplikationen oder besteht der Verdacht auf Magenkrebs, kann ebenfalls operiert werden. Es stehen dabei zwei Verfahren zur Wahl: Die Entfernung eines Magenteils und die Durchtrennung des Nervus vagus.

Wie kann ich einem Magengeschwür vorbeugen?

Um einem Magengeschwür vorzubeugen, sollten Sie auf alles verzichten, was den Magen reizt. Dazu zählen scharfe Gerichte, hochprozentiger Alkohol sowie größere Mengen Kaffee und Nikotin. Die Verträglichkeit von Speisen und Getränken ist individuell sehr verschieden, deshalb sollten Sie selbst austesten, was Ihnen bekommt und was nicht.

Da auch Stress zur Entwicklung eines Magengeschwürs beiträgt, sollten Sie für Entspannung sorgen – etwa durch Yoga, Meditationen oder autogenes Training.

Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, die den Magen schädigen können, zum Beispiel nicht-steroidale Antirheumatika wie Acetylsalicylsäure, sollte nach Absprache mit dem Arzt auf einen anderen Wirkstoff ausweichen. Ist dies nicht möglich, sollte der Patient vorbeugend zusätzlich einen Säureblocker einnehmen. In schweren Fällen, etwa bei wiederkehrenden, hartnäckigen Magengeschwüren, kann eine Teilentfernung des Magens angezeigt sein.

Wie sind die Heilungschancen bei einem Magengeschwür?

Die Heilungsaussichten sind gut: In etwa 95 Prozent der Fälle schlägt die medikamentöse Therapie an und das Magengeschwür verschwindet. Vor allem die Infektion mit Helicobacter pylori lässt sich gut behandeln.

Bleibt die Frage: Wie lange ist man krank? Die Dauer der Behandlung richtet sich nach der Ursache und beträgt etwa einen bis zwei Monate. Allerdings kann es nach Abschluss der Therapie erneut zu einem Magengeschwür kommen. Dann wird die Behandlung wiederholt.

Um Komplikationen wie einen potenziell tödlichen Magendurchbruch zu verhindern, sollten Sie in jedem Fall schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen, wenn Sie Symptome wie teerartigen Stuhl und Bluterbrechen feststellen.