Gesundheit kompakt

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)

In sehr stressigen Phasen kann es zu vermehrtem Haarausfall kommen: Das bemerken die meisten Menschen mindestens einmal an irgendeinem Punkt in ihrem Leben. Das Bevorstehen wichtiger Prüfungen, ein Umzug, eine Trennung, ein neuer Job – all das kann kurzzeitig dazu führen, dass sich mehr Haare von der Kopfhaut verabschieden als üblich.

Normalerweise reguliert sich der Körper jedoch von alleine wieder, der Haarausfall stoppt, die Haarpracht wächst nach und es gibt keinen Anlass zur Sorge. Doch was, wenn sich plötzlich büschelweise Haare von der Kopfhaut lösen und unschöne kahle Stellen hinterlassen? In diesem Fall spricht man von kreisrundem Haarausfall.

Was ist kreisrunder Haarausfall?
Was sind die Ursachen von kreisrundem Haarausfall?
Welche Symptome zeigt kreisrunder Haarausfall?
Wie erkennt der Arzt Kreisrunden Haarausfall?
Wie wird kreisrunder Haarausfall behandelt?
Wie kann man kreisrundem Haarausfall vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei kreisrundem Haarausfall?

Was ist kreisrunder Haarausfall?

Kreisrunder Haarausfall, auch Alopecia areata genannt, ist eine besondere Form des Haarausfalls. Im Gegensatz zum diffusen Haarausfall schwindet hier an vereinzelten Stellen die Behaarung und hinterlässt scharf begrenzte, ovale kahle Stellen. Diese Haarausfallerkrankung tritt häufig schubweise und sehr plötzlich auf und betrifft meistens das Kopfhaar. Sie kann aber auch an anderen Stellen des Körpers, wie dem Intimbereich, den Augenbrauen und bei Männern in der Bartbehaarung auftreten.

Etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung ist vom kreisrunden Haarausfall betroffen. Nicht selten tritt die Krankheit familiär gehäuft auf und betrifft mehr Männer als Frauen. Teilweise können auch schon Kinder kreisrunden Haarausfall bekommen. Weitere Symptome sind mit der Alopecia areata nicht verbunden, die betroffenen Stellen sind weder schuppig noch entzündet noch jucken sie.

Allerdings stellt der kreisrunde Haarausfall eine enorme psychische Belastung für die Betroffenen dar – vor allem, wenn sich die kahlen Stellen auf dem Haupt häufen und nicht mehr mit der restlichen Behaarung zu kaschieren sind. In diesem Fall greifen betroffene Personen häufig auf eine Perücke zurück, um sich vor fremden Blicken und Stigmatisierung zu schützen. Entgegen der Befürchtungen vieler Menschen ist kreisrunder Haarausfall nicht ansteckend.

Was sind die Ursachen von kreisrundem Haarausfall?

Die Ursachen des kreisrunden Haarausfalls sind nicht endgültig geklärt. Jedoch wird vermutet, dass es sich dabei um eine Autoimmunkrankheit handelt, bei der das fehlgeleitete Immunsystem die Haarfollikel angreift, welche sich daraufhin entzünden. Die Folge: Das Haar fällt aus. Wie bei vielen autoimmunen Erkrankungen könnte hier die Ursache erblich bedingt sein.

Es gibt jedoch auch andere Ansätze zur Erklärung der Krankheitsursache: So wird vermutet, dass Stress und enorme psychische Belastungen dazu führen, dass die Haare ausfallen. Viele Betroffene berichten, kurz vor Auftreten der Erkrankung hohen Belastungen (wie dem Verlust einer geliebten Person oder des Arbeitsplatzes) ausgesetzt gewesen zu sein. Auch Operationen oder eine langanhaltende Grippe können großen Stress für den Körper bedeuten.

Häufig sind es aber auch hormonelle Veränderungen, die zu vermehrtem Haarausfall führen. So können eine Schwangerschaft, medikamentöse Verhütungsmittel (Pille oder Spirale) oder das Einsetzen der Wechseljahre der Grund für dünner werdendes Haar sein. Allerdings handelt es sich in diesen Fällen meist um diffusen Haarausfall, der gleichmäßig verteilt am Haupthaar auftritt und keine kahlen Stellen hinterlässt.

Über Vitamin- und Nährstoffmängel, Übersäuerung und Nebenwirkungen von Medikamenten als Ursache der Alopecia areata wird spekuliert, jedoch konnte keine dieser Annahmen bewiesen werden. Somit bleiben die Ursachen des kreisrunden Haarausfalls noch ungeklärt.

Für die Theorie der Autoimmunreaktion spricht allerdings, dass kreisrunder Haarausfall gehäuft im Zusammenhang mit bestehenden Autoimmunerkrankungen wie Neurodermitis, chronisch entzündliche Schilddrüsenerkrankungen (Hashimoto), Vitiligo, Lupus erythematodes, Morbus Addison, Atopie und Heuschnupfen auftritt.

Welche Symptome zeigt kreisrunder Haarausfall?

Die Symptome des kreisrunden Haarausfalls sind sehr charakteristisch: An vereinzelten Stellen des Haupthaares treten ovale oder runde kahle Stellen auf. In 20 Prozent der Fälle sind auch andere Körperregionen betroffen.

An den Rändern der kahlen Stellen finden sich sogenannte „Ausrufezeichenhaare“. Dabei handelt es sich um abgebrochene Haare mit dünnen Spitzen, die sich leicht ausreißen lassen. Die kahlen Stellen sind weder juckend noch schuppig, stattdessen ist die Haut ganz glatt und wird als elfenbeinfarben beschrieben.

Schreitet der Haarausfall fort, kann es in seltenen Fällen auch zum Verlust des kompletten Haares und somit zum Entstehen einer Glatze kommen. In Folge des Haarausfalles leidet häufig die Psyche der Betroffenen. Es kann zu Depressionen, Ängsten, dem Verlust des Selbstwertgefühles bis hin zu sozialer Isolation kommen.

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Wie erkennt der Arzt Kreisrunden Haarausfall?

Die Diagnose von Alopecia areata ist relativ einfach und lässt sich durch die Begutachtung der kahlen Stellen leicht erkennen. Dabei achtet der Haut- oder Hausarzt auf das charakteristische Aussehen der haarlosen Stellen und erfragt im Gespräch mit dem Patienten den Beginn des Haarausfalls sowie mögliche psychisch belastende Faktoren und eventuell bestehende Autoimmunkrankheiten, die den Patienten selbst oder dessen Familie betreffen.

Zudem ist es Aufgabe des Arztes, andere Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Symptome hervorbringen können: beispielsweise Pilzerkrankungen der Kopfhaut, aber auch das zwanghafte (bewusste oder unbewusste) Ausreißen von Haaren (Trichotillomanie).

> Trichotillomanie: Zwanghaftes Haareausreißen

Wie wird kreisrunder Haarausfall behandelt?

Da die Ursachen der Erkrankung noch nicht geklärt sind, erfolgt klassischerweise eine Symptombehandlung, die das Ziel hat, die kahlen Stellen wieder zu behaaren. Häufig ist jedoch eine Therapie des Haarausfalles gar nicht notwendig. Besonders bei milden Fällen stoppt der Haarausfall von alleine wieder und die kahlen Stellen wachsen wieder zu.

Wenn eine Therapie notwendig ist, gibt es verschiedene Behandlungsmethoden, die kontrovers diskutiert werden.

Cortison-Therapie:

Da die Ursache des Haarverlustes in einer autoimmunen Reaktion vermutet wird, gibt es die Möglichkeit das Immunsystem mit sogenannten Immunsuppressiva zu schwächen, sodass dieses die Haarwurzeln nicht mehr angreift. Hierfür verschreibt der Arzt meist Glukokortikoide (Kortison) in Form einer Creme oder Lösung, die äußerlich auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden. Dadurch kann der Haarausfall in circa. 50% der Fälle gestoppt werden. Die Haare wachsen wieder nach. Häufig wird jedoch nach dem Absetzen der Kortison-Therapie von einem erneuten Auftreten des kreisrunden Haarausfalls berichtet.

In manchen Fällen entscheidet sich der Arzt auch, das Kortison-Präparat in die betroffenen Hautstellen zu injizieren oder in Tablettenform zu verabreichen. Hier ist allerdings zu beachten, dass das Kortison so in die Blutbahn gelangt und erhebliche Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Wassereinlagerungen in Form von Ödemen, erhöhte Infektanfälligkeit durch das geschwächte Immunsystem, Menstruationsstörungen oder das Cushing-Syndrom auslösen kann. Die Tablettentherapie wird nur in schweren Fällen mit langanhaltender Krankheitsdauer verwendet und ist in vielen Fällen auch erfolgreich, doch setzt der Haarausfall auch hier nach Absetzten des Medikaments häufig wieder ein.

Kreisrunder haarausfall am Hinterkopf.

Es gibt verschiedenste Möglichkeiten um Haarausfall zu behandeln. (c) JPC-PROD / Fotolia

Zink:

In schwach ausgeprägten Krankheitsverläufen kann die mehrwöchige Substitution von Zink in Tablettenform der Entzündung der Haarwurzel entgegenwirken. Die Erfolge dieser Herangehensweise sind umstritten, jedoch müssen die Betroffen hier keine Nebenwirkungen in Kauf nehmen.

Reiztherapie:

Die Reiztherapie ist sozusagen eine Ablenktaktik für das Immunsystem. Hierzu werden verschiedene Tinkturen verwendet, die äußerlich auf die Kopfhaut der betroffenen Person aufgetragen werden, um dort lokale Reizungen auszulösen.  Der verwendete Wirkstoff bei der Reiztherapie heißt Diphenylcyclopropenon (DCP) und muss wöchentlich vom Arzt aufgetragen werden.

Es handelt sich dabei um eine potentiell gefährliche Chemikalie, die eine intendierte Kontaktallergie an der Kopfhaut auslöst, was zu lokalen Rötungen und Juckreiz, sowie Schwellungen der Lymphdrüsen führt. Während die Antikörper nun damit beschäftigt sind, die Haut an den gereizten Stellen zu reparieren, können sich die Haarwurzeln erholen und nachwachsen, da sie nun nicht mehr vom Immunsystem attackiert werden.

Diese Therapiemethode wurde schon häufig erfolgreich eingesetzt, ist aber in Deutschland nicht zugelassen und aufgrund der damit verbunden Risiken (beispielsweise von überschießenden Ekzemen) nicht unumstritten. Aus diesem Grund sollte diese Behandlung nur in Zusammenarbeit mit einem darauf geschulten Arzt erfolgen. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten dafür nicht.

PUVA (Psoralen plus UV-A):

Eine weitere Therapiemethode ist die Behandlung des Haarausfalls mit UV-A-Strahlung, was normalerweise bei den Hauterkrankungen Psoriasis (Schuppenflechte) und Neurodermitis erfolgreich angewendet wird. Hierfür wird auf die betroffenen Hautpartien phototoxisch wirksames Psoralen (wie Methoxalen) aufgetragen und anschließend 15 Minuten mit UV-A-Licht bestrahlt.

Dieses Vorgehen soll die Schädigung den Haarwurzeln durch das Immunsystem hemmen. Die Wirkstoffe kann der Patient in manchen Fällen auch oral einnehmen, jedoch steigt dadurch nur das Risiko für Hautkrebs – der Therapieerfolg erhöht sich nicht. Demnach ist auch diese Methode in Expertenkreisen umstritten.

Thymuspeptide:

Für die Behandlung von kreisrundem Haarausfall können auch Thymuspeptide eingesetzt werden. Dabei handelt es sich um Peptide, die von der Thymusdrüse im Körper gebildet werden und die Aufgabe haben, das Immunsystem zu stimulieren und zu reparieren.

Diese werden in Form von Shampoos, Lotionen oder Tabletten entweder lokal aufgetragen, oder oral eingenommen. So soll das fehlgesteuerte Immunsystem wieder reguliert werden. Trotz vieler Erfolge bei diffusem Haarausfall wurde die Wirkung bei Alopecia areata nicht bewiesen.

Entspannungstherapie und sanfte Heilmethoden:

Besonders, wenn die Ursache des Haarausfalls stressbedingt ist, kann das Erlernen von Entspannungstechniken zum gezielten Stressabbau die Beschwerden lindern und zum Nachwachsen der Haare führen.

Je nach Ursache der psychischen Belastung können progressive Muskelentspannung, Yoga, Meditation oder neue Hobbies das Wohlbefinden verbessern und den Haarausfall stoppen. In manchen Fällen kann auch eine Psychotherapie dabei helfen, Traumata, Schock-Erlebnisse oder Trauer zu bewältigen.

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Auch naturheilkundliche Anwendungen, wie eine Therapie mit Schüssler-Salzen, eine basische Ernährung, Darmsanierung und das Verwenden von schonenden Pflegeprodukten können Abhilfe schaffen. Diese Methoden sind zwar frei von Nebenwirkungen, wurden in der Wirksamkeit gegen kreisrunden Haarausfall allerdings nicht bestätigt.

Zeit:

Eine sehr erfreuliche Nachricht für Betroffene ist, dass die Spontanheilungsrate bei kreisrundem Haarausfall bei 75-80 Prozent liegt, wohingegen die meisten Therapien nur in 70-75 Prozent der Fälle erfolgreich sind. Aus diesem Grund raten viele Ärzte ihren Patienten zunächst abzuwarten, was den meisten betroffenen Personen jedoch schwerfällt.

Fazit:

In den meisten Fällen stoppt der kreisrunde Haarausfall nach einer gewissen Zeit ohne den Einsatz von Medikamenten von alleine. Die aktuell gängigen Behandlungsmethoden zur der Erkrankung sind symptomatisch, in ihrer Wirksamkeit teilweise sehr umstritten und zudem risikoreich. Der frühzeitige Einsatz von Medikamenten kann die Selbstheilungskräfte des Körpers blockieren und langfristig trotzdem erfolglos bleiben. In schweren Fällen der Erkrankung sollte deshalb in Zusammenarbeit mit einem qualifizierten Arzt nach den individuellen Ursachen (beispielsweise stille Entzündungen im Körper) geforscht werden, bevor riskante Therapieversuche unternommen werden.

Wie kann man kreisrundem Haarausfall vorbeugen?

Da die Ursachen der Alopecia areata nicht eindeutig geklärt sind und diese oft sehr plötzlich und unvorhersehbar auftritt, kann dem auch nicht vorgebeugt werden. Da psychische Faktoren im Verdacht stehen, den kreisrunden Haarausfall zu begünstigen, ist ein stressfreier Alltag mit genügend Schlaf empfehlenswert.

Genauso wie eine ausgewogene Ernährung und das Vermeiden von aggressiven Haarpflegeprodukten. Nach offiziellen Angaben hat weder Haarefärben noch eine chemische Umstrukturierung der Haare (Dauerwelle oder chemische Glättung) einen Einfluss auf den Verlauf der Alopecia areata.

Wie sind die Heilungschancen bei kreisrundem Haarausfall?

Die Heilungschancen bei kreisrundem Haarausfall stehen sehr gut. Bei bis zu 80 Prozent der Fälle kommt es zu einer sogenannten Spontanheilung, bei der die Haare ohne jegliches Zutun ganz von alleine wieder nachwachsen.
Dies geschieht frühestens drei Monate nach dem Auftreten der kahlen Stellen und macht sich durch das Nachwachsen von weißem, flaumigem Haar in den entsprechenden Stellen bemerkbar. Nach welcher Dauer es zum Nachwachsen kommt, kann jedoch nicht vorhergesagt werden: Die Zeitspanne variiert individuell zwischen einigen Wochen bis hin zu mehreren Monaten oder sogar Jahren.