Krankheiten & Therapien

Korsakow-Syndrom

Jahrelanger Alkoholmissbrauch führt zu Spätfolgen am Gehirn: Das Korsakow-Syndrom ist eine der Erkrankungen, die einen Gedächtnisschwund auslösen. Nur wer rechtzeitig seine Sucht bekämpft, kann die irreparablen Schäden verhindern. Hier erfahren Sie mehr über Ursachen und Therapie.

Was ist das Korsakow-Syndrom?
Was sind die Ursachen des Korsakow-Syndrom?
Was sind die Symptome?
Wie erkennt der Arzt das Korsakow-Syndrom?
Wie wird das Korsakow-Syndrom behandelt?
Wie kann ich vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen?

Was ist das Korsakow-Syndrom?

Das Korsakow-Syndrom – auch als Morbus Korsakow bezeichnet – ist eine Schädigung des Gehirns, die durch einen Vitamin-B1-Mangel ausgelöst wird. Dabei kommt es zu Gedächtnisstörungen und einem mangelhaften Erinnerungsvermögen, weswegen die Krankheit auch als amnestisches Syndrom, abgeleitet vom Gedächtnisverlust Amnesie, bezeichnet wird. Betroffene können sich nichts mehr merken und haben massive Lücken, wenn es um die eigene Vergangenheit geht.

In der Regel geht der Krankheit ein jahrelanger Alkoholmissbrauch voraus. Zur Häufigkeit des Korsakow-Syndroms gibt es verschiedene Angaben, da die Krankheit schleichend verläuft und oft nicht eindeutig erkannt wird. Generell gilt sie jedoch als eher selten. Betroffen sind vor allem Menschen über 40 Jahre, Männer wesentlich häufiger als Frauen. Etwa 12 Prozent aller chronischen Alkoholiker entwickeln ein Korsakow-Syndrom. Den Namen verdankt die Gehirnstörung ihrem Entdeckter Sergei Korsakow, einem Neurologen und Psychiater des 19. Jahrhunderts.

Was sind die Ursachen des Korsakow-Syndrom?

Es gibt eine Hauptursache für das Korsakow-Syndrom: Alkohol. Der langfristige Missbrauch der Droge führt zu Schäden im Gehirn, da es jahrelang nicht ausreichend mit Vitamin B1 (Thiamin) versorgt wird. Bei chronischem Alkoholmissbrauch fehlen den Betroffenen wichtige Nährstoffe aus der Nahrung, da sie meist gesunde Mahlzeiten vernachlässigen und sich überwiegend durch Alkohol „ernähren“. Zusätzlich kann Vitamin B1 im Magen-Darm-Trakt nicht ausreichend verarbeitet werden, da der Alkohol die Aufnahme stört. Der Vitamin-B1-Mangel wirkt sich negativ auf die Gehirnregionen aus, die für das Gedächtnis zuständig sind, beispielsweise den Thalamus. Außerdem beeinflusst er im Stoffwechsel die Umsetzung von Kohlehydraten in Energie.

Korsakow-Syndrom und Wernicke-Enzephalopathie

Häufig entwickelt sich das Korsakow-Syndrom aus einer sogenannten Wernicke-Enzephalopathie, einer Entzündung des Gehirns, die eine Störung derselben Hirnregionen verursacht. Ärzte sprechen dann von einem Wernicke-Korsakow-Syndrom. Während die Wernicke-Enzephalopathie bei Früherkennung gut behandelt werden kann, stehen die Heilungschancen beim Korsakow-Syndrom eher schlecht.

Da jedoch nicht alle Menschen mit Vitamin-B1-Mangel ein Korsakow-Syndrom entwickeln, scheint eine genetische Veranlagung ebenfalls zu den Risikofaktoren zu gehören. Nur in den wenigsten Fällen liegt die Ursache für ein Korsakow-Syndrom in einer Entzündung des Gehirns, einer Verletzung am Kopf oder tritt als Folge eines Schlaganfalls auf. Selten führt auch eine Essstörung zu einem Vitamin-B1-Mangel, aus dem die Krankheit entstehen kann.

Was sind die Symptome?

Erste Anzeichen des Korsakow-Syndroms sind

  • Gedächtnisstörungen, schlechtes Kurzzeitgedächtnis: Betroffene können sich an viele Dinge nicht mehr erinnern. Sogar einschneidende Erlebnisse, wie der Tod eines Verwandten, sind nicht mehr im Gedächtnis abrufbar. Neu Gelerntes können sie sich ebenfalls schwer merken. Im Gespräch erinnern sie sich bereits nach wenigen Minuten nicht mehr an gerade Gesagtes.
  • Orientierungsprobleme: Betroffene wissen oft nicht, wo sie sich befinden oder wann gewisse Ereignisse stattgefunden haben. Zusammenhänge können oft nicht hergestellt werden. Das Zeitgefühl ist ebenfalls stark eingeschränkt.

Da die Intelligenz nicht beeinträchtigt ist, machen Betroffene im Gespräch oft einen völlig normalen Eindruck. Erst, wenn sie zu Vergangenem befragt werden, geraten sie ins Stocken. Um die Lücken im Gedächtnis zu verbergen, erfinden die Betroffenen ihre eigene Version der Dinge. In der Fachsprache heißt das Konfabulation. Ihre „Lügengeschichten“ erfinden sie jedoch nicht mit Absicht, da sie sich selbst gar nicht bewusst sind, keine Erinnerung mehr zu haben.

Auch die Persönlichkeit der Betroffenen kann sich im Verlauf der Krankheit verändern. Beispielsweise wirken sonst fröhliche Menschen plötzlich niedergeschlagen, aktive Menschen ziehen sich immer mehr zurück. Zusätzlich treten weitere Symptome auf, die als Folgeschäden des chronischen Alkoholmissbrauchs gelten:

  • Antriebslosigkeit
  • Müdigkeit
  • Depression
  • Euphorie
  • unsicheres Gangbild
  • Zittern der Augen
  • Sprachstörungen

Ausschnitt Hand mit Schnapsglas.

Alkoholkonsum ist Hauptursache für das Korsakow Syndrom. (c) Rainer Fuhrmann / Fotolia


Wie erkennt der Arzt das Korsakow-Syndrom?

In der Regel sind Neurologen und Psychiater die Anlaufstelle, um die Schädigung des Gehirns zu untersuchen. Für die Diagnose Korsakow-Syndrom erfragt der Arzt ausführlich die Vorgeschichte des Patienten, seine Lebensumstände und bestehende Krankheiten. Vor allem die Frage nach dem Alkoholkonsum kann die Merkmale des Korsakow-Syndroms bestätigen. Wurde zuvor bereits eine Wernicke-Enzephalopathie festgestellt, liegt ein Korsakow-Syndrom sehr nahe.

Anschließend werden weitere Untersuchungen durchgeführt, die eine Schädigung des Gehirns abklären. Der Arzt kann das Korsakow-Syndrom durch folgende Möglichkeiten erkennen:

  • Gespräch mit dem Patienten, bei dem der Arzt gezielt Fragen zu Vergangenem stellt, um das Kurzzeitgedächtnis zu testen
  • Gespräch mit Angehörigen über das Verhalten des Patienten

Um andere Krankheiten auszuschließen, die ähnliche Symptome wie das Korsakow-Syndrom aufweisen, werden zusätzliche Tests durchgeführt. Dadurch lässt sich ein Korsakow-Syndrom beispielsweise von einer Demenz unterscheiden:

  • CT (Computertomographie)
  • MRT (Magnetresonanztomographie)

> Was passiert bei CT und MRT?

Da meist gleichzeitig eine Wernicke-Enzephalopathie besteht, forscht der Arzt auch diesbezüglich nach, beispielsweise durch

  • Blutuntersuchung
  • Messung der Hirnströme (EEG)
  • Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit

Wie wird das Korsakow-Syndrom behandelt?

Wenn der jahrelange Alkoholmissbrauch bereits zu Schäden am Gehirn geführt hat, lassen sich diese nicht mehr rückgängig machen. Die Korsakow-Syndrom-Behandlung beschränkt sich deshalb überwiegend auf die Linderung der Symptome. Für Betroffene gilt:

  • ein strikter Verzicht auf Alkohol
  • regelmäßige Einnahme von Vitamin B1

Dadurch lässt sich der Gedächtnisschwund leicht bessern, der Krankheitsverlauf des Korsakow-Syndroms kann jedoch nicht komplett aufgehalten werden. Je früher der Arzt die Krankheit erkennt, umso höher liegen die Chancen, den Verlauf positiv zu beeinflussen. Ist das Korsakow-Syndrom bereits im Endstadium, kann der Arzt die Gedächtnisschäden nicht mehr behandeln.

Weitere Therapiemöglichkeiten werden unterstützend eingesetzt, um den Betroffenen das alltägliche Leben zu erleichtern:

  • Psychotherapie
  • psychiatrische Behandlung
  • soziale Betreuung
  • Gedächtnistraining

Allgemein ist die Prognose bei Korsakow-Syndrom eher schlecht, da die Schäden im Gehirn nicht behoben werden können. Viele Betroffene können ihren Alltag nicht mehr eigenständig bewältigen und brauchen intensive Betreuung. Der letzte Ausweg ist meist nur noch das Pflegeheim.

Wie kann ich vorbeugen?

Die wichtigste Vorbeugungsmaßnahme gegen das Korsakow-Syndrom ist ganz einfach der Verzicht auf Alkohol. Denn ist der Gedächtnisverlust noch nicht fortgeschritten, kann die Krankheit dadurch verhindert werden. Sind die ersten Symptome bereits aufgetreten, nimmt das Korsakow-Syndrom einen chronischen Verlauf, der durch eine Therapie zwar verlangsamt, aber nicht aufgehalten werden kann.

Durch einen einfachen Alkohol-Test kann jeder seinen eigenen Alkoholkonsum anhand einiger Fragen beurteilen lassen. Wer laut Ergebnis ein erhöhtes Risiko einer Alkoholabhängigkeit aufweist, sollte den Konsum möglichst umgehend reduzieren. Alkoholiker finden in speziellen Zentren Hilfe, die Betroffene durch gezielte Psychotherapie beim Entzug unterstützen.

Bei Wernicke-Enzephalopathie ist es noch nicht zu spät!

Wer bereits unter einer Wernicke-Enzephalopathie leidet, kann durch den Verzicht auf Alkohol und die Einnahme von Vitamin B1 die Entstehung des Korsakow-Syndroms verhindern. Alkoholiker sollten ebenfalls vorbeugend auf ihre Vitamin-B1-Versorgung achten, um schwerwiegende Schäden am Gehirn zu vermeiden.

> Vitamin-B12-Mangel: Zu wenig macht müde

Wie sind die Heilungschancen?

Das Korsakow-Syndrom ist bisher nicht heilbar. Die Auswirkungen des langjährigen übermäßigen Alkoholkonsums lassen sich nicht mehr rückgängig machen. Die Gedächtnisschäden bleiben also weiterhin bestehen und machen viele Betroffene zum Pflegefall. Sie können den normalen Alltag nicht mehr ohne fremde Hilfe bestreiten und sind am besten in einem Pflegeheim aufgehoben. Deshalb sollten Alkoholiker rechtzeitig ihre Sucht bekämpfen, um es gar nicht erst soweit kommen zu lassen.