Gesundheit kompakt

Hodenkrebs

Die Diagnose Hodenkrebs trifft viele wie ein Schlag, denn betroffen sind vor allem junge Männer. Doch so schockierend die Nachricht auch sein mag: Die Tumorerkrankung der Hoden hat eine sehr hohe Heilungschance. Hier erfahren Sie, wie sich die Erkrankung bemerkbar macht und was Sie dagegen tun können.

Was ist Hodenkrebs?
Was sind die Ursachen von Hodenkrebs?
Was sind die Symptome?
Wie erkennt der Arzt Hodenkrebs?
Wie wird Hodenkrebs behandelt?
Wie kann ich Hodenkrebs vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen?

Was ist Hodenkrebs?

Hodenkrebs, auch als Hodenkarzinom bezeichnet, ist eine bösartige Tumorerkrankung der Hoden. Er tritt insgesamt eher selten auf und macht etwa 1,6 Prozent aller Krebsneuerkrankungen aus. Allerdings ist es die häufigste Krebsform bei jungen Männern. Denn an Hodenkrebs erkranken überwiegend Männer zwischen 20 und 45 Jahren. Das junge Alter der Patienten macht die Krankheit so tückisch, denn viele trifft die Diagnose völlig unvorbereitet. Im hohen Alter tritt dieser Krebs hingegen äußerst selten auf.

Meist bildet sich der Tumor in einem Hoden und breitet sich dann auf Nebenhoden und Samenleiter aus. Allgemein wird Hodenkrebs unterschieden in

  • Tumore, die aus den Keimzellen bestehen, aus denen Spermien gebildet werden. Diese Form weist eine Häufigkeit von 90 Prozent der Fälle auf und wird wiederum unterschieden in
    • Seminome: Seminome entwickeln sich aus Vorläufern der männlichen Keimzellen und bestehen nur aus einer Gewebeart.
    • Nicht-Seminome: Im Gegensatz zu den Seminomen bestehen Nicht-Seminome aus verschiedenen Gewebetypen. Beispiele sind Embryonalzellkarzinome, Teratome, Dottersacktumoren und Chorionkarzinome.
  • Tumore, die aus Bindegewebe oder dem Stützgewebe des Hodens bestehen. Diese Form tritt jedoch äußerst selten auf.

Nicht-Seminome treten vor allem bei Männern um die 25 Jahre auf, Seminome hingegen überwiegend bei Männern um die 40. Die Entstehung beider Arten verläuft ähnlich, doch die jeweilige Behandlung ist unterschiedlich.

Was sind die Ursachen von Hodenkrebs?

Die Ursachen von Hodenkrebs sind bisher nicht bekannt. Es gibt jedoch einige Risiko-Faktoren, die eine Erkrankung begünstigen:

  • genetische Veranlagung: Sind in der Familie Vater oder Bruder erkrankt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, auch selbst einen Tumor zu bekommen.
  • Hodenhochstand: Selbst wenn der Hodenhochstand im Kindesalter durch eine OP behoben wurde, besteht ein erhöhtes Risiko.
  • Unfruchtbarkeit: Unfruchtbare Männer gehören ebenfalls zur Risikogruppe für Hodenkrebs. Grund dafür sind das Fehlen von Spermien oder eine Unterentwicklung der Hoden.
  • Klinefelter-Syndrom: Männer, die neben dem Y-Chromosom noch zwei statt nur einem X-Chromosom im Erbgut haben, sind ebenfalls häufiger von einem Hodentumor betroffen.
  • Krebsvorläuferzellen: Die Vorstufe von Krebszellen entsteht bereits beim Embryo. Die Vorläuferzellen werden als TIN-Zellen (Abkürzung für Testikuläre Intraepitheliale Neoplasie) bezeichnet. Sie können sich während der Pubertät in bösartige Krebszellen verwandeln.
  • vorausgegangene Hodenkrebs-Erkrankung: Männer, die bereits Hodenkrebs hatten, haben ein 30 Mal höheres Risiko, erneut zu erkranken.
  • Volksabstammung: Auch die Volksabstammung scheint eine Rolle zu spielen. Weiße Männer erkranken häufiger an Hodenkrebs als Schwarzafrikaner oder Asiaten.

Was sind die Symptome?

In den meisten Fällen verläuft die Erkrankung recht unauffällig, denn Betroffene haben weder Schmerzen noch andere Symptome. Der Tumor wird in erster Linie durch die sichtbare oder fühlbare Veränderung der Hoden festgestellt:

  • Verhärtung: Die Oberfläche des Hodens fühlt sich uneben an, kleine Knötchen sind tastbar.
  • Vergrößerung oder Schwellung: Ist ein Hoden größer als der andere oder fühlt sich schwerer an, könnte das ein Hinweis auf einen Tumor sein. Auch wenn sich beide Hoden verändern, sollte der Arzt einen Blick darauf werfen.
  • Brustwachstum: Manchmal kommt es zu einer Vergrößerung der Brust. Das liegt daran, dass einige Tumorarten mehr Östrogen produzieren.

Schmerzen im Hoden treten nur bei etwa 10 Prozent der Betroffenen auf. In seltenen Fällen fühlt sich Hodenkrebs wie ein Ziehen in einem Hoden an. Erst in fortgeschrittenem Stadium machen sich bei Symptome wie Rückenschmerzen bemerkbar.

Wie bei fast allen Krebsarten können sich auch beim Hodenkrebs Metastasen bilden. Das heißt, dass sich Krebszellen ablösen und über das Blut oder die Lymphbahnen in andere Körperregionen wandern, beispielsweise in die Niere oder Lunge. Dort kann es zu Symptomen wie Rückenschmerzen oder Husten kommen, die auf den ersten Blick nicht sofort mit Hodenkrebs in Verbindung gebracht werden.

Wie erkennt der Arzt Hodenkrebs?

Für die Diagnose wird der Arzt die gesamte Krankheitsgeschichte erfragen, um Vorerkrankungen, genetische Veranlagung oder einen Hodenhochstand im Kinderalter zu erfahren. Anschließend tastet er beide Hoden ab. Um den Verdacht auf Hodenkrebs abzusichern, gibt es eine Reihe zusätzlicher Untersuchungsmöglichkeiten, wie

  • Ultraschall
  • Kernspintomographie, auch Magnetresonanztomographie (MRT) genannt
  • Computertomographie (CT)
  • Blutuntersuchung
  • Gewebeprobe

Beim MRT und CT wird untersucht, ob sich bereits Metastasen in anderen Körperregionen gebildet haben und ob die Lymphknoten vergrößert sind. Die Gewebeentnahme am Hoden erfolgt bei einem operativen Eingriff. Noch während der OP wird das Gewebe untersucht. Weist es bösartige Veränderungen auf, wird der Hoden meist direkt entfernt.

Überweisungsschein Urologie

Den Anfangsverdacht auf Hodenkrebs stellt meist ein Urologe. (c) Zerbor / Fotolia

Wie wird Hodenkrebs behandelt?

In den meisten Fällen wird Hodenkrebs mit einem operativen Eingriff behandelt. Dabei wird der erkrankte Hoden durch einen Schnitt in der Leistengegend entfernt, ebenfalls sein Nebenhoden und der Samenstrang. Dieses Verfahren wird als Orchiektomie bezeichnet. In Sonderfällen, beispielsweise wenn nur noch ein Hoden vorhanden ist, wird nur das Tumorgewebe entfernt. Dann folgt meist eine Bestrahlung, die zur Zeugungsunfähigkeit führen kann. Im Normalfall bleiben Betroffene jedoch nach der Entfernung des Hodens weiterhin fruchtbar, da der gesunde Hoden ausreichend Samenzellen herstellt. Als optischer Ersatz können bei einer weiteren OP Silikon-Implantate in den Hodensack gesetzt werden.

In etwa 5 Prozent der Fälle weist auch der zweite Hoden Tumorzellen auf. Deshalb wird während der OP meist auch eine Gewebeprobe des anderen Hoden entnommen. Müssen beide Hoden entfernt werden, wird der Testosteronspiegel durch Hormonpräparate aufrechterhalten. Denn das männliche Geschlechtshormon wird überwiegend in den Hoden gebildet. Manchmal müssen zusätzlich die Lymphknoten entfernt oder Veränderungen an weiteren Organen operiert werden.

Hodenkrebs: Chemo oder Bestrahlung

Je nach Art und Stadium des Karzinoms folgt nach der OP oft eine weitere Hodenkrebs-Behandlung:

  • Frühzeitig erkannte Formen werden nach der OP einfach bei regelmäßigen Kontrolluntersuchungen beobachtet. Ärzte sprechen dabei von der Surveillance-Strategie.
  • Seminome werden meist zusätzlich mit Strahlentherapie behandelt.
  • Bei Nicht-Seminomen soll hingegen durch eine Chemotherapie die Bildung von Metastasen eingedämmt werden.

Die Behandlungsdauer von Hodenkrebs richtet sich immer nach dem Stadium, in dem der Tumor erkannt wurde. Bei einer Früherkennung dauert es einige Wochen bis zur kompletten Genesung. Haben sich bereits Metastasen gebildet, kann sich die Therapie über mehrere Monate ziehen. Auf jeden Fall sind auch nach Ende der Hodenkrebs-Therapie regelmäßige Kontrolluntersuchungen nötig, um eine Folge-Erkrankung möglichst früh zu erkennen.

Folgen für Sexualleben und Fruchtbarkeit

Patienten beschäftigt oft die Frage, ob sie nach der Therapie noch ein normales Sexualleben führen können. Auch das Thema Fruchtbarkeit nach der Hodenkrebs-Behandlung bereitet vielen Männern Sorgen. Wird nur ein Hoden entfernt, gibt es keine Einschränkungen. Ein gesunder Hoden reicht aus, um sexuell aktiv zu sein und Kinder zu zeugen.

Die Fälle, in denen beide Hoden entfernt werden müssen, sind äußerst selten. Dann jedoch kann der Betroffene keine Kinder mehr zeugen. Auch das sexuelle Verlangen ist eingeschränkt, da zu wenig Testosteron produziert wird. Erektionsprobleme können ebenfalls auftreten. Vor Beginn der Hodenkrebs-Therapie können Samenzellen für eine spätere künstliche Befruchtung eingefroren werden. Über Möglichkeiten und anfallende Kosten berät der behandelnde Arzt.

Wie kann ich Hodenkrebs vorbeugen?

Am besten lässt sich vorbeugen, indem die jährliche Vorsorge-Untersuchung beim Urologen wahrgenommen wird. Außerdem wird eine regelmäßige Selbstuntersuchung empfohlen. Nur so kann die Erkrankung rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Beim Abtasten der Hoden machen sich erste Veränderungen des Gewebes bemerkbar, die vom Arzt genauer untersucht werden sollten. Junge Männer beginnen am besten ab dem Einsetzen der Pubertät damit und sollten auf Vergrößerung, Verhärtung oder anderweitige Veränderung der Hoden achten.

Sie können Hodenkrebs am besten selbst ertasten, deshalb hier ein paar Tipps für die Selbstuntersuchung:

  • Einmal im Monat sollten Männer zwischen 14 und 45 Jahren aufmerksam die Hoden abtasten. Am besten im Stehen unter der warmen Dusche oder in der Badewanne, dann sind die Hoden entspannt und Unregelmäßigkeiten im Gewebe fallen besser auf.
  • Fassen Sie mit der Handfläche von unten an den Hoden und lassen Sie ihn leicht auf- und abwippen. Dadurch erkennen Sie ob sich ein Hoden schwerer anfühlt als der andere.
  • Anschließend tasten Sie den Hoden mit Daumen und Zeigefinger ab. Gesunde Hoden haben eine glatte Oberfläche und geben bei leichtem Druck nach.
  • Mithilfe eines Spiegels können äußerliche Veränderungen entdeckt werden.

Gibt es Unregelmäßigkeiten, zögern Sie nicht und suchen Sie Ihren Urologen auf.

Wie sind die Heilungschancen?

Wie bei vielen Krebserkrankungen gilt auch hier: Wird der Hodenkrebs früh erkannt, sind die Heilungschancen recht gut und liegen fast bei 100 Prozent. Doch selbst im fortgeschrittenen Stadium kann die Krankheit noch bei 90 Prozent der Betroffenen geheilt werden. Seminome haben dabei allgemein bessere Heilungschancen als Nicht-Seminome. Die regelmäßige Hodenkrebs-Vorsorge durch Selbstuntersuchung ist äußerst wichtig, um bei ersten Anzeichen gleich mit der Behandlung anfangen zu können.

Generell ist die Hodenkrebs-Prognose sehr gut: Die Überlebensrate 5 Jahre nach der Hodenkrebs-Erkrankung liegt bei 96 Prozent. Bei Hodenkrebs mit Metastasen-Bildung liegt die Überlebensrate immerhin noch bei 80 Prozent. Ein Hodenkrebs-Rückfall kommt meist innerhalb der ersten zwei Jahre vor, deshalb sind regelmäßige Nachsorge-Untersuchungen so wichtig.