Krankheiten & Therapien

Hirsutismus

Wenn bei Frauen unerwünschte Körperbehaarung an Oberlippe, Kinn, Bauch und Rücken sprießt, spricht man von Hirsutismus. Wir verraten Ihnen, was die Ursachen von Damenbart und Co. sind und was dagegen hilft.

Was ist Hirsutismus?
Was sind die Ursachen von Hirsutismus?
Was sind die Symptome von Hirsutismus?
Wie erkennt der Arzt Hirsutismus?
Wie wird Hirsutismus behandelt?
Wie kann ich Hirsutismus vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei Hirsutismus?

Was ist Hirsutismus?

Der Fachbegriff Hirsutismus bezeichnet eine übermäßige Körperbehaarung bei Frauen und Kindern. Betroffen sind dabei in der Regel Bereiche, die eher dem männlichen Behaarungsmuster entsprechen, also beispielsweise Oberlippe und Kinn, Hals, Bauch, Rücken, Oberarme und Beine. Es gibt leichte Formen von Hirsutismus, bei denen lediglich an einigen Stellen verstärkt Haare sprießen, sowie Patientinnen mit krankhaft ausgeprägter Behaarung am gesamten Körper.

Der Übergang zwischen dem, was als „normal“ eingestuft wird und einem auffälligen Verteilungsmuster, das medizinisch abgeklärt werden sollte, ist fließend. Tritt das vermehrte Haarwachstum plötzlich auf, ist ein Besuch beim Arzt auf alle Fälle ratsam. Ob der Hirsutismus als problematisch eingeschätzt wird, hängt dabei in erster Linie von der persönlichen Wahrnehmung der Patientin ab. Insbesondere wenn das Gesicht vom verstärkten Haarwuchs betroffen ist, empfinden Betroffene dies als unästhetisch und störend.

Geht der Hirsutismus mit einer weiteren körperlichen Veränderung einher, etwa einem typisch männlichen Haarausfall auf dem Kopf, Zyklusstörungen und einer tiefer werdenden Stimme, spricht man von einer Androgenisierung bzw. einer Virilisierung, also einer Vermännlichung der Frau.

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Was sind die Ursachen von Hirsutismus?

Eine verstärkte Körperbehaarung bei Frauen kann harmlos sein – oder ein Anzeichen für eine Erkrankung. In etwa 90 Prozent der Fälle lassen sich keine Gründe für das übermäßige Haarwachstum feststellen, der Hirsutismus gilt dann als idiopathisch. Man geht davon aus, dass bei den betroffenen Frauen genetisch bedingte Ursachen eine Rolle spielen. Generell tritt Hirsutismus bei dunkelhaarigen Frauen häufiger auf als bei blonden.

Wahrscheinlich reagieren die Haarfollikel überempfindlich auf das männliche Sexualhormon Testosteron. Und das, obwohl diese Frauen normale Hormonwerte aufweisen. Diese Veranlagung dafür scheint vererbbar zu sein. In seltenen Fällen verursacht eine Grunderkrankung das unerwünschte Haarwachstum, beispielsweise das polyzystische Ovarialsyndrom, kurz PCO. Dabei handelt es sich um eine komplexe Funktionsstörung der Eierstöcke, die zu einer vermehrten Bildung männlicher Geschlechtshormone führt.

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Eine Beeinträchtigung der Nebenniere kann ebenfalls die Ursache sein, etwa bei Stoffwechselerkrankungen, die dem Adrenogenitalen Syndrom AGS zugeordnet werden. Auch andere Krankheiten wie das Cushing-Syndrom können der Auslöser sein. Des Weiteren kommen Tumoren an den Eierstöcken bzw. an der Nebenniere als Ursache infrage. Die Einnahme verschiedener Medikamente kann bei Frauen ebenfalls ein verstärktes Wachstum der Körperbehaarung zur Folge haben: Hirsutismus kann als unerwünschte Nebenwirkung bei langanhaltender oder hochdosierter Behandlung mit Gestagenen bzw. der Anti-Baby-Pille, Anabolika und Cortison vorkommen.

Eine Frau schaut erschrocken auf ihre Haarbürste, in der sich viele ausgefallene Haare befinden. Haarausfall ist ein Symptom von Hirsutismus.

Frauen mit Hirsutismus haben Probleme mit übermäßigem Haarausfall. (c) Leonid/Fotolia

Was sind die Symptome von Hirsutismus?

Frauen und Kinder weisen normalerweise eine geringere Körperbehaarung als Männer auf. Wangen, Kinn und Oberlippe sowie Brust, Bauch, Rücken und Oberschenkel sind bei ihnen haarlos bzw. von weichen, hellen Vellushaaren bedeckt. Bei Hirsutismus wachsen an den genannten Körperarealen dunklere, dickere Haare, die sogenannten Terminalhaare. Schätzungen zufolge haben in Deutschland fünf Prozent aller Frauen damit zu kämpfen.

Hirsutismus tritt vermehrt in Zeiten hormoneller Umstellung auf, also in der Pubertät, in der Schwangerschaft, in den Wechseljahren oder beim Absetzen der Pille. Schuld sind männliche Hormone, die Androgene. Diese produziert auch der weiblichen Körper – allerdings in geringerer Menge als bei Männern.

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Übersteigt die Hormonkonzentration ein bestimmtes Maß oder reagieren die Haarfollikel besonders empfindlich darauf, kann sich ein Hirsutismus entwickeln. Das übermäßige Körperhaarwachstum lässt sich mitunter in Kombination mit anderen gesundheitlichen Beeinträchtigungen beobachten, darunter Akne, Haarausfall auf dem Kopf, Zyklusstörungen, Erschlaffen der Brust oder eine Vergrößerung der Klitoris.

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Wie erkennt der Arzt Hirsutismus?

Vor allem wenn der verstärkte Haarwuchs plötzlich einsetzt oder immer schlimmer wird, sollten Sie dies medizinisch abklären lassen. Welcher Arzt ist zuständig? Sie können zunächst Ihren Hausarzt aufsuchen, dieser wird Sie gegebenenfalls an einen Endokrinologen überweisen, also an einen Facharzt für hormonell bedingte Erkrankungen. Dieser wird Ihre Krankengeschichte in Erfahrung bringen und Ihnen Fragen zu Fällen von starker Behaarung in Ihrer Familie sowie zu bekannten Grunderkrankungen und zur Einnahme von Medikamenten stellen.

Im Rahmen der Diagnostik wird er Ihre Körperbehaarung betrachten. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Oberlippe, dem Kinn, den Oberarmen, der Brust, dem Oberbauch, dem Unterbauch, den Oberschenkeln, dem oberen Rücken und dem unteren Rücken. Sind mindestens sechs dieser Areale von vermehrtem Haarwuchs betroffen, wird die Diagnose Hirsutismus gestellt.

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Für die individuelle Einteilung je nach Schweregrad gibt es mehrere Tabellen und Schemata. Um die Ursache des Hirsutismus zu ermitteln, wird eine Blutanalyse durchgeführt. Zeigen die Laborwerte eine erhöhte Konzentration an bestimmten Hormonen wie Hirnanhangsdrüsen- oder Nebennierenrinden-Hormonen, kann eine Erkrankung der Auslöser sein. Dann schließen sich weitere Tests und Untersuchungen an, beispielsweise ein Ultraschall oder eine Computertomographie.

Wie wird Hirsutismus behandelt?

Was hilft gegen das störende Körperhaarwachstum? Wird eine Erkrankung als Ursache festgestellt, muss diese entsprechend behandelt werden. Einen hormonproduzierenden Tumor entfernt der Arzt zum Beispiel durch eine Operation. Andere hormonelle Ursachen, etwa eine Unterfunktion der Schilddrüse oder das PCO-Syndrom, bedürfen ebenfalls einer geeigneten Therapie.

Um die unerwünschte Körperbehaarung zu bekämpfen, können in einigen Fällen Antiandrogene eingesetzt werden. Das sind Medikamente, die die übermäßige Bildung und Wirkung männlicher Geschlechtshormone hemmen. Dies kann zum Beispiel durch ein hormonelles Verhütungsmittel geschehen. Ob eine solche Hormontherapie durchgeführt wird oder ob ohne Hormone behandelt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Entscheidend sind die Art und die Lokalisation der Behaarung, das Alter der Patientin und ihr etwaiger Kinderwunsch. Eine zugrundeliegende Zuckerstoffwechselstörung kann durch eine Diabetes-Therapie bekämpft werden, etwa durch den Arzneistoff Metformin.

Löst ein bestimmtes Medikament die vermehrte Behaarung aus, wird dieses in Absprache mit dem Arzt abgesetzt und gegebenenfalls durch einen anderen Wirkstoff ohne diese Nebenwirkung ersetzt. Um unerwünschte Haare im Gesicht loszuwerden, kann der Arzt eine spezielle Creme verschreiben, die zweimal täglich aufgetragen wird. Sind die Haare ein rein optisches Problem, kommen auch kosmetische Behandlungen wie eine Epilation oder Bleichen infrage. Eine elektrische Haarwurzel-Verödung oder eine Behandlung mit dem Laser helfen ebenfalls dabei, die lästigen Haare loszuwerden. Ergänzt werden kann die Therapie durch Mittel aus der Naturheilkunde, beispielsweise durch die natürliche Heilpflanze Mönchspfeffer.

Eine Hautärztin entfernt störenden Haarwuchs im Gesicht einer Patientin. Diese leidet an Hirsutismus.

Störende Haare können leicht entfernt werden, allerdings sollte auch ihrer Ursache auf den Grund gegangen werden. (c) Colourbox

Wie kann ich Hirsutismus vorbeugen?

Da die Ursache für das übermäßige Haarwachstum in vielen Fällen ungeklärt bleibt, kann man dem Hirsutismus nicht gezielt vorbeugen. Weil aber auch eine Erkrankung wie das Polyzystische Ovarialsyndrom hinter dem Problem stecken kann, ist es wichtig, den Körper genau zu beobachten und bei weiteren Auffälligkeiten wie Zyklusstörungen, Übergewicht, hohem Blutdruck und erhöhten Blutzuckerwerten einen Arzt aufzusuchen.

Denn je eher der Arzt die Diagnose stellt, desto besser lässt sich diese Erkrankung der Eierstöcke behandeln: Die Symptome bessern sich oder verschwinden ganz – auch der Hirsutismus. Natürlich können auch Frauen ohne PCO an Übergewicht und Hirsutismus leiden. Was also tun? Eine erste Maßnahme könnte sein, durch eine Umstellung auf eine gesunde Ernährung abzunehmen. Denn nicht nur die Nebennieren und Eierstöcke produzieren haarwuchsfördernde Androgene, auch das Fettgewebe.

Zur Vorbeugung von Hirsutismus kann es also sinnvoll sein, auf ein gesundes Normalgewicht zu achten, Stress zu reduzieren und das Rauchen aufzugeben. Außerdem sollten Frauen von der Einnahme anaboler Steroide absehen, um die Entstehung von Hirsutismus zu vermeiden.

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Wie sind die Heilungschancen bei Hirsutismus?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um die lästigen Körperhaare loszuwerden. Zunächst muss der Arzt untersuchen, ob das übermäßige Haarwachstum eine körperliche Ursache hat, die erfolgreich therapierbar ist.

Ist dies nicht der Fall, kann eine kosmetische Behandlung wie eine Wachsepilation oder das Auftragen einer Enthaarungscreme kurzzeitig Abhilfe schaffen. Die Haare wachsen dann nach einigen Tagen wieder nach. Darüber hinaus bieten viele Hautärzte Behandlungen mit dem Laser bzw. einer Blitzlampe an, welche die Haarfollikel schwächen.

Allerdings sind für ein zufriedenstellendes Ergebnis mehrere Sitzungen erforderlich, welche häufig nach mehreren Monaten wiederholt werden müssen. Die Kosten hierfür übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht.

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