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Hämolyse: Anämie durch die Auflösung von roten Blutkörperchen

Als Hämolyse bezeichnet man in der Medizin die Auflösung beziehungsweise Zerstörung von Erythrozyten, also roten Blutkörperchen. Dabei wird die Zellmembran der Blutkörperchen zerstört. Das ist an sich ein normaler Vorgang im Körper, jedoch haben Erythrozyten in der Regel eine Lebensdauer von 120 Tagen. Bei einer Hämolyse überdauern die roten Blutkörperchen aber weniger als 100 Tage. Wenn mehr Blutkörperchen zerstört als wieder aufgebaut werden, ist die Folge eine hämolytische Anämie.

Was ist eine Hämolyse?
Was sind die Ursachen einer Hämolyse?
Was sind die Symptome einer Hämolyse?
Wie erkennt der Arzt eine Hämolyse?
Wie wird eine Hämolyse behandelt?
Wie kann ich vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei einer Hämolyse?

Eine schnelle Reduktion an roten Blutkörperchen kann schwere Folgen haben. (c) Colourbox

In manchen Fällen verläuft die Krankheit völlig symptomlos. Die meisten Betroffenen leiden jedoch unter den Beschwerden, die auch bei anderen Arten von Anämien auftreten: Erschöpfung, Schwäche und blasses Erscheinungsbild. Bei einer raschen Zerstörung der roten Blutkörperchen können weitere Anzeichen hinzukommen wie etwa Gelbsucht, Fieber, Schmerzen im Brustbereich und Ohnmacht. Im schlimmsten Fall kann es zu einem tödlichen Herzversagen kommen.

Was ist eine Hämolyse?

Bei einer Hämolyse im menschlichen Körper werden rote Blutkörperchen zerstört und der Blutfarbstoff Hämoglobin sowie zytoplasmatische Bestandteile wie etwa Kalium und Lactatdehydrogenase werden freigesetzt. Erythrozyten werden vermehrt abgebaut und haben eine verkürzte Lebensdauer von unter 100 Tagen. Dabei kommt es zu einem Sauerstoffmangel im Organismus.

Hämolysen können durch unterschiedliche Krankheiten, mechanische Prozesse oder genetische Veränderungen entstehen. Je nach Ursache werden mehrere Formen unterschieden. So gibt es etwa die autoimmunhämolytische Anämie, die durch eine ungewöhnliche Gruppe von Krankheiten verursacht wird. Dabei produziert das Immunsystem Antikörper, die die roten Blutkörperchen für Fremdkörper halten und sie angreifen. Weitere Ursachen einer Hämolyse können unter anderem angeborene Krankheiten, Infekte, Bakterien oder Lymphomerkrankungen sein.

Auch Hunde können erkranken. Zu den Erkennungsmerkmalen einer Hämolyse bei Hunden zählen: farbliche Veränderungen an den Schleimhäuten, Schwäche, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Durchfall, Leber- und Milzschwellung. Eine Blutarmut bei Hunden wird mit Kortison und in schweren Fällen mit Chemotherapeutika behandelt. In manchen Fällen wird auch bei Hunden eine Bluttransfusion nötig. Viele Hunde überleben die akute Phase der Erkrankung in den ersten Tagen nicht.

Was sind die Ursachen einer Hämolyse?

Es gibt mehrere unterschiedliche Ursachen für eine Hämolyse. Direkt nach der Geburt findet ein natürlicher gesteigerter Abbau von Erythrozyten statt, da die fetalen roten Blutkörperchen abgebaut werden müssen und neue, “normale” Erythrozyten für die selbstständige Atmung des Neugeborenen mit Luftsauerstoff ersetzt werden.

Ursachen für eine Hämolyse bei Erwachsenen sind Erkrankungen wie Morbus Waldenström, mechanische Störungen wie Gefäßveränderungen oder Herzklappenprothesen. Auslöser können auch angeborene oder vererbte Membrandefekte der Erythrozyten sein, wie sie etwa bei der Erbkrankheit Sichelzellenanämie vorkommt. Auch durch Infekte wie Malaria, immunologische Störungen sowie Gifte (wie etwa durch die Bakterien Streptokokken) kann eine Hämolyse verursacht werden. Ebenfalls ist ein Eisenmangel, wie etwa während einer Schwangerschaft oder nach Blutverlust, eine mögliche Ursache. Selbst bei einer Blutabnahme kann eine Hämolyse als späte Komplikation auftreten.

Auch Dialysepatienten leiden manchmal unter einer Hämolyse, zum Beispiel als Nebenwirkung einer zu kurzen Dialyse. Patienten mit Niereninsuffizienz erhalten oft auch eine Hämodialyse. Dieser Prozess wird als “Blutwäsche” bezeichnet, wobei das Blut der Patienten außerhalb des Körpers gereinigt wird.

Was sind die Symptome einer Hämolyse?

Beim vermehrten Zerfall der Erythrozyten entsteht auch vermehrt Bilirubin, sodass eine Gelbsucht (Ikterus) entstehen kann. In manchen Fällen können sich durch eine Bilirubin-Überladung Gallensteine bilden.

Die Symptome bei Hämolyse treten abhängig von der Entwicklung der Erkrankung auf. Je schneller sich die Krankheit entwickelt, desto ausgeprägter sind die Symptome. Tritt die Hämolyse sehr plötzlich auf, spricht man sogar von einer hämolytischen Krise, die vor allem bei Erkrankungen wie bei Favismus, bei Transfusionszwischenfällen oder der Sichelzellenanämie auftreten kann. Hier kommt es zu weiteren typischen Symptomen wie Schmerzen in den Bereichen von Kopf, Rücken und Bauch, Fieber und Schüttelfrost, Kreislaufstörungen bis hin zu Ohnmacht, dunkel gefärbter Urin und eine Gelbfärbung der Haut.

Bei einer langsamen Entwicklung der Krankheit sind die Symptome kaum ausgeprägt. Allgemeine Symptome sind dann Blutarmut (Anämie), Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Konzentrationsstörungen, erhöhter Puls, Blässe oder gelbliche Färbung der Haut.

Symptome sind Müdigkeit, Konzentrationsstörungen oder erhöhter Puls. (c) fizkes / Fotolia

Wie erkennt der Arzt eine Hämolyse?

Eine gründliche Anamnese durch den Arzt gibt erste Hinweise, ob sich die Hämolyse aus erblich bedingten Erkrankungen heraus entwickelt hat. Auch ist die Gelbfärbung der Haut ein erstes Anzeichen, das der Arzt erkennt.

Zusätzlich geben Bluttests weitere Auskunft über den Zustand des Patienten. Dabei untersucht der Experte im Labor das Blutbild. Im Falle einer Hämolyse sind die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), der rote Blutfarbstoff (Hämoglobin), Hämatokrit und Haptoglobin vermindert. Im Gegensatz dazu sind die Retikulozyten und das Bilirubin als Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes in erhöhter Konzentration nachweisbar. Das Enzym Laktatdehydrogenase (LDH) ist als Folge des gesteigerten Zellzerfalls ebenfalls erhöht.

Zu den weiteren möglichen Tests zählt ein Blutausstrich, um Formveränderungen der Zellmembran festzustellen, die auf angeborene Störungen hindeuten können (Elliptozytose, Kugelzellen, Fragmentozyten). Der sogenannte Coombs-Test weist Antikörper gegen Erythrozyten nach, um eine autoimmunhämolytische Anämie zu diagnostizieren.

Wie wird eine Hämolyse behandelt?

Die Therapie der Hämolyse richtet sich nach der Ursache der Erkrankung. Bei schwerwiegenden und akuten Fällen müssen Mediziner Transfusionen durch Blutkonserven verabreichen. Dafür muss der Arzt vorab den Hämoglobinwert testen. Jedoch muss der Arzt für einen Behandlungserfolg unbedingt die Ursache erkennen und behandeln. So kann im Fall einer Kugelzellanämie oder Pyruvatkinasemangel, die (teilweise) Entfernung der Milz notwendig sein.

Bei einer Erkrankung mit Favismus muss eine spezielle Diät eingehalten werden, ohne bestimmte Lebensmittel wie etwa Bohnen.

Bei einer Autoimmunhämolyse werden Glucocorticoide, Kortikosteroide oder andere Medikamente verordnet, die das Immunsystem unterdrücken. In manchen Fällen muss der Arzt die Milz operativ entfernen (Splenektomie).

Akute Fälle werden mit Transfusionen durch Blutkonserven behandelt. (c) Henrik Dolle

Wie kann ich vorbeugen?

Da die Ursachen der Erkrankung so breit gefächert sind, kann man keine pauschalen Vorsorgemaßnahmen einhalten.

Spätfolgen und Komplikationen einer Hämolyse kann man jedoch entgegenwirken, wenn man die Symptome schnell erkennt und sofort zum Arzt geht.

Wie sind die Heilungschancen bei einer Hämolyse?

Bei schnellem Therapiebeginn sind die Heilungschancen relativ gut. Häufig sind die Ursachen der Krankheit schwerer zu therapieren und führen zu möglichen Spätfolgen oder Komplikationen bis hin zum Tod.

Der Verlauf und die Heilungschancen sind sehr individuell und immer abhängig von der Ursache der Erkrankung.