Krankheiten & Therapien

Gallenblasenentzündung

Unerträgliche, krampfartige Schmerzen im rechten Oberbauch, dazu noch Übelkeit – eine Gallenblasenentzündung äußert sich oft plötzlich und heftig. Dahinter stecken meist Gallensteine, die behandelt werden sollten. Wann Sie damit zum Arzt müssen und was dagegen hilft, lesen Sie hier.

Viele Menschen haben Gallensteine, die eines Tages plötzlich eine Entzündung der Gallenblase auslösen können. Dann hilft meist nur noch eine OP. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Sie können eine Gallenblasenentzündung verhindern.

Was ist eine Gallenblasenentzündung?
Was sind die Ursachen einer Gallenblasenentzündung?
Was sind die Symptome?
Wie erkennt der Arzt eine Gallenblasenentzündung?
Wie wird eine Gallenblasenentzündung behandelt?
Wie kann ich vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen?

Was ist eine Gallenblasenentzündung?

Eine Gallenblasenentzündung ist eine Entzündung der Wand der Gallenblase. Der Fachbegriff dafür lautet Cholezystitis. Ihr Verlauf kann akut oder chronisch sein. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Auslöser der Entzündung sind in 90 Prozent der Fälle Gallensteine. Sie sind sehr weit verbreitet, jedoch nicht jedem bewusst: Etwa jede fünfte Frau und jeder zehnte Mann über 40 Jahre hat solche Steine in der Gallenblase, doch nicht alle verursachen auch eine Entzündung. Das Risiko, an einer Gallenblasenentzündung zu erkranken, steigt jedoch mit zunehmendem Alter.

Wie funktioniert die Gallenblase?

Die Gallenblase liegt unterhalb der Leber und ist etwa acht bis zwölf Zentimeter lang. Über die Gallengänge ist die Leber mit der Gallenblase, der Bauchspeicheldrüse und dem Zwölffingerdarm verbunden. Täglich produziert die Leber etwa 500 bis 600 Milliliter gelbe Lebergalle, die in der Gallenblase zwischengespeichert wird. Kommt es nun in einem dieser Gänge zu einer Verstopfung, funktioniert das Zusammenspiel der Organe nicht mehr richtig. Die Gallenflüssigkeit kann nicht richtig abfließen und Fette aus der Nahrung können nicht mehr ausreichend zersetzt werden. Bleibt dieses Ungleichgewicht länger bestehen, entsteht eine Entzündung.

Was sind die Ursachen einer Gallenblasenentzündung?

Die Gallenblase ist ein wichtiger Teil des Verdauungstraktes. Oft ist zu fettes Essen die Ursache für Beschwerden des Organs. Denn bei dauerhaft zu üppigen Mahlzeiten kann die Verdauung überlastet sein und Cholesterin und Eiweiß werden durch die Gallenflüssigkeit nicht mehr ausreichend verarbeitet. Dadurch entstehen Ablagerungen in der Gallenblase und den Gallengängen, die allgemein als Gallensteine bekannt sind.

Diese Gallensteine sind die häufigste Ursache einer Gallenblasenentzündung. Denn wenn sie sich in den Gallengängen festsetzen, verursachen sie einen Stau der Gallenflüssigkeit. Durch die übermäßige Gallenansammlung beginnen Entzündungsprozesse, die schließlich zur Entzündung der Wände der Gallenblase führen. Es kommt zu schmerzhaften Gallenkoliken, den typischen krampfartigen Schmerzen im Oberbauch. In etwa 90 Prozent aller Fälle ist ein Gallenstein der Auslöser, nur selten tritt eine Gallenblasenentzündung auch ohne Gallensteine auf.

Was sind Gallensteine?

Wie der Name schon sagt, sind Gallensteine kleine Steinchen. Sie bilden sich in der Gallenblase oder in den Gallengängen aus kristallinen Ablagerungen und können winzig klein sein, aber manchmal auch zentimetergroß. Ursache ist ein Ungleichgewicht an Cholesterin und Eiweiß in der Gallenflüssigkeit. Nicht immer muss es zu Beschwerden kommen: Viele Betroffene wissen gar nicht, dass sie Gallensteine haben. Ab dem 40. Lebensjahr bilden sich die Steinchen jedoch vermehrt. Etwa jede fünfte Frau und jeder zehnte Mann hat solche Steine in der Gallenblase.

Für die Entstehung von Gallensteinen gibt es verschiedene Ursachen. Das Risiko, an einer Gallenblasenentzündung zu erkranken, erhöht sich beispielsweise bei

  • Fastenkuren oder künstlicher Ernährung
  • einer Schwangerschaft
  • Fettleibigkeit (Adipositas)
  • der Einnahme von Hormonpräparaten
  • Gallenblasenentzündung ohne Steine

Eher selten entsteht eine Gallenblasenentzündung durch andere Ursachen. Dann wird sie als akalkulöse Cholezystitis bezeichnet. Ein möglicher Auslöser ist eine Operation am Bauch, beispielsweise eine Darm-OP, oder auch ein Tumor an der Gallenblase. Infektionen, beispielsweise mit Salmonellen, oder eine Wunde durch einen Unfall sind ebenfalls mögliche Risikofaktoren. Männer sind von einer Entzündung ohne Gallensteine häufiger betroffen als Frauen.

Risikofaktor Übergewicht und Gewichtsverlust

Übergewichtige Menschen haben ein erhöhtes Risiko, Gallensteine zu bilden und als Folge an einer Gallenblasenentzündung zu erkranken. Das Gewicht sollte also reduziert werden, allerdings nicht durch eine schnelle Fastenkur. Denn ein schneller Gewichtsverlust kann Gallensteine sogar begünstigen. Die Gewichtsabnahme sollte lieber langsam und durch eine dauerhafte Ernährungsumstellung erfolgen.

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Was sind die Symptome?

Eine Gallenblasenentzündung macht sich oft durch plötzliche starke Bauchschmerzen im Oberbauch bemerkbar. Diese krampfartigen Anfälle, die in Schüben kommen und zwischendurch etwas nachlassen, werden als Gallenkoliken bezeichnet und treten vor allem bei einer akuten Cholezystitis auf. Dann kommt es zu

  • Schmerzen im Oberbauch, meist rechts. Die Schmerzen können jedoch auch in die rechte Schulter und den Brustbereich ausstrahlen. Manche Betroffenen haben auch Rückenschmerzen.
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Fieber
  • Anzeichen für eine chronische Gallenblasenentzündung können hingegen wesentlich leichter ausfallen oder sogar ganz ausbleiben. Oft wird von dumpfen Schmerzen im Oberbauch berichtet, die von Übelkeit, Unwohlsein oder Blähungen begleitet werden.

Führt die Gallenblasenentzündung zu einer Bauchfellentzündung, kann der Bauch ganz hart werden und sich wie ein Brett anfühlen. Diese Reaktion des Körpers wird als Abwehrspannung des Bauchs bezeichnet. Manchmal ist der Gallengang verstopft, der in den Zwölffingerdarm mündet. In diesem Fall kann zusätzlich zur Gallenblasenentzündung eine Gelbsucht (Ikterus) entstehen, bei der sich erst die Augen, dann die Haut gelb färben.

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Senior, an dessem Bauch ein Ultraschall durchgeführt wird.

Eine verdickte Gallenblasenwand lässt sich im Ultraschall erkennen. (c) Andrey Popov / Fotolia


Wie erkennt der Arzt eine Gallenblasenentzündung?

Nach einem ausführlichen Gespräch über die Symptome und den Krankheitsverlauf wird der Arzt eine körperliche Untersuchung durchführen. Dabei tastet er den Bauch auf Verhärtungen ab und ermittelt die Schmerzempfindlichkeit. In manchen Fällen lässt sich eine Gallenblasenentzündung sogar durch die Bauchdecke fühlen. Das sogenannte Murphy-Zeichen ist typisch für eine Gallenblasenentzündung: Bei Druck auf die Gallenblase entstehen Schmerzen im rechten Oberbauch.

Weitere Tests können den Verdacht bestätigen:

  • Blutwerte: Bei einer Gallenblasenentzündung ist die Zahl der weißen Blutkörperchen erhöht. Außerdem steigt der CRP-Wert (C-reaktives Protein) an. Auch die Leberwerte können erhöht sein.
  • Urintest: Um Schäden an den Nieren auszuschließen, wird zusätzlich der Urin untersucht.
  • Ultraschall: Durch Ultraschall lassen sich eine verdickte Gallenblasenwand und Gallensteine deutlich erkennen.
  • CT (Computertomographie): Zusätzlich kann auch ein CT genauere Erkenntnisse über die Ursache der Gallenblasenentzündung liefern.

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In der Regel ist der Hausarzt die erste Anlaufstelle für die Beschwerden. Je nach Ergebnis der Laborwerte wird er an einen Internisten überweisen, der mehr Untersuchungsmöglichkeiten zur Verfügung hat. Sind die Schmerzen unerträglich und von Fieber und Erbrechen begleitet, sollte am besten direkt ein Krankenhaus aufgesucht oder der Notarzt gerufen werden.

Wie wird eine Gallenblasenentzündung behandelt?

Die Behandlung einer Gallenblasenentzündung hängt von der Ursache und deren Ausprägung ab. Kommt es in der Gallenblase zur Entzündung, obwohl die Gallengänge nicht durch einen Stein verstopft sind, reicht in der Regel eine Therapie durch entkrampfende und schmerzlindernde Medikamente aus. Befinden sich jedoch Gallensteine in den Gängen oder sind sehr große Gallensteine vorhanden, ist oft nur noch eine Gallenblasen-OP möglich, bei der das ganze Organ entfernt wird (Cholezystektomie).

Da die Gallenblase kein lebensnotwendiges Organ ist, funktioniert die Verdauung auch ohne sie. Nach der OP sollten sich Betroffene an eine gesunde Ernährung halten. Manchmal werden bestimmte Speisen nicht mehr so gut vertragen wie vorher. Doch allgemein kommen die Betroffenen auch ohne Gallenblase gut zurecht. In der Anfangsphase nach der OP kann vermehrt weicher Stuhl oder Durchfall auftreten, da die Galle nun direkt aus der Leber in die Verdauungsorgane fließt. Weniger Fett und mehr Ballaststoffe in der Nahrung ist die Empfehlung, um die Verdauung zu normalisieren.

Behandlung ohne OP

In wenigen Fällen können die Steine durch eine Endoskopie, eine ERC (endoskopisch retrograde Cholangiographie), entfernt werden. Nicht ganz frei von Risiken ist eine Stoßwellentherapie, mit der die Gallensteine zertrümmert werden. Dadurch können die umliegenden Organe in Mitleidenschaft gezogen werden, ein Grund, warum diese Behandlung nur in Sonderfällen durchgeführt wird. Sind Bakterien Auslöser der Gallenblasenentzündung, können Antibiotika helfen.

Nach einer Gallenkolik darf für die Dauer von 24 Stunden nichts gegessen werden, um die Gallenblase zu entlasten. Wichtig ist jedoch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, am besten durch stilles Wasser oder Tee.

Hausmittel gegen Gallenblasenentzündung

Ist die Gallenblase nicht akut entzündet und sind die Beschwerden erträglich, gibt es einige Hausmittel: Spezielle Tees mit Kräutern wie Löwenzahn oder Mariendistel können die Entzündung beispielsweise natürlich heilen. Auch in der Naturheilkunde und Homöopathie gibt es gewisse Heilmethoden, die die Beschwerden lindern können. Eine Behandlung sollte jedoch unter fachmännischer Anleitung erfolgen, um auf mögliche Komplikationen reagieren zu können.

Wie kann ich vorbeugen?

Eine 100-prozentige Schutzmaßnahme gibt es zwar nicht, doch eine gesunde und ausgewogene Ernährung kann einer Gallenblasenentzündung sehr gut vorbeugen. Viel frisches Obst und Gemüse, Vollkornprodukte und wenig Fleisch sorgen für viele Vitamine und Ballaststoffe, die das Verdauungssystem braucht. Damit lässt sich die Entstehung von Gallensteinen verhindern, die die Entzündung verursachen. Doch Vorsicht: Fastenkuren und ein Verzicht auf Fette können genau das Gegenteil bewirken und Gallensteine sogar begünstigen!

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Zusätzlich empfiehlt sich eine gesunde Lebensweise mit Sport und Bewegung an der frischen Luft, ausreichend Schlaf und wenig Stress. Der Verzicht auf Alkohol, Rauchen und Kaffee wirkt sich ebenfalls positiv auf eine gesunde Verdauung aus.

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Wurden bereits kleine Gallensteine festgestellt, können sie unter Umständen durch Medikamente aufgelöst werden. Damit kann einer späteren Entzündung der Gallenblase ebenfalls vorgebeugt werden.

Wie sind die Heilungschancen?

Eine Gallenblasenentzündung lässt sich in der Regel gut heilen. Wird sie rechtzeitig erkannt, ist der Verlauf meist ohne Komplikationen. Auch nach einer Gallenblasen-OP sind die Betroffenen meist nach wenigen Wochen wieder genesen.

Nur in sehr seltenen Fällen endet eine Gallenblasenentzündung tödlich. Das liegt oft an einer zusätzlichen Infektion während oder nach der OP. Eine Komplikation kann auch entstehen, wenn die entzündete Gallenblase durchbricht. Wird die Entzündung zu spät erkannt, kann sich Eiter in der Gallenblase bilden, der über einen Riss in den gesamten Bauchraum gelangen kann. Selten kann es passieren, dass ein sehr großer Gallenstein einen Darmverschluss auslöst. Um diese Komplikationen zu vermeiden, ist ein Besuch beim Arzt schon bei den ersten Anzeichen ratsam. Denn eine frühe Behandlung verspricht die größten Heilungschancen.

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