Gesundheit kompakt

Cholera

Die meisten kennen Cholera nur vom Hörensagen aus fernen Ländern wie Afrika oder Asien. Doch eine Infektion mit dem Erreger kann auf Reisen ganz schnell passieren. Hier erfahren Sie alles über die gefährliche Durchfallerkrankung und ihre Heilungschancen.

Was ist Cholera?
Was sind die Ursachen von Cholera?
Was sind die Cholera-Symptome?
Wie erkennt der Arzt Cholera?
Wie wird Cholera behandelt?
Wie kann ich Cholera vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei Cholera?

Viele kennen den Spruch, sich zwischen Pest und Cholera entscheiden zu müssen. Während die meisten aus dem Geschichtsunterricht wissen, dass es sich bei der Pest um eine tödliche Seuche handelte, ist die Cholera weit weniger bekannt. Dabei ist sie heutzutage die weitaus größere Bedrohung für die Gesundheit.

Was ist Cholera?

Cholera ist eine Durchfallerkrankung, die durch das Bakterium Vibrio cholerae ausgelöst wird. Sie ist sogar eine der ältesten bekannten Infektionskrankheiten der Menschheitsgeschichte. Die Krankheit verläuft in manchen Fällen sehr heftig und verursacht einen starken Flüssigkeitsmangel, der unbehandelt oft zum Tod führt. Da die Krankheit sehr ansteckend ist, breitet sie sich unter der Bevölkerung schnell aus.

Die Verbreitung von Cholera beschränkt sich überwiegend auf Afrika, Asien und Südamerika. Betroffen sind Länder mit einem schlechten Abwassersystem. Indien gilt in der Cholera-Geschichte als Ursprung der tödlichen Krankheit, weil die Entsorgung der Abwässer als auch  spirituelle Rituale seit Jahrtausenden im Ganges  stattfinden. Eine erhöhte Cholera-Gefahr besteht ebenfalls nach Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Überschwemmungen, wenn die Trinkwasserversorgung zusammenbricht und es zu einer Verunreinigung des Wassers kommt.

Cholera in Europa

Durch die Dampfschifffahrt gelangte der Erreger Anfang des 19. Jahrhunderts nach Europa, wo er sich schnell ausbreitete. 1854 entdeckte der italienische Arzt Filippo Pacini das gefährliche Bakterium, doch erst etwa 30 Jahre später konnte der bekannte Mediziner Robert Koch den Zusammenhang zwischen dem Erreger und der Krankheit feststellen. Weltweit gibt es pro Jahr drei bis fünf Millionen Cholera-Fälle, davon enden etwa 120.000 tödlich.

Was sind die Ursachen von Cholera?

Auslöser der Cholera ist das Bakterium Vibrio cholerae, das in erster Linie durch verunreinigtes Wasser in den Körper gelangt. In Gebieten, in denen es kein sauberes Trinkwasser gibt, tritt eine Infektion besonders häufig auf. Vor allem Fäkalien machen das Wasser zum Seuchenherd. Auch mit verunreinigtem Wasser zubereitete Lebensmittel können die Ursache einer Cholera-Infektion sein.

Allerdings ist eine geringe Anzahl an Cholera-Bakterien noch nicht gefährlich. Denn die Erreger, die in zwei Formen als Serogruppe O1 und O139 auftreten, neutralisieren sich durch die Magensäure und sind damit unschädlich. Erst eine Infektion mit einer großen Menge der Bakterienart führt zum Ausbruch der Krankheit.

Dann bilden die Erreger im Darm ein spezielles Gift, das sogenannte Cholera-Toxin, das dem Körper enorme Mengen an Flüssigkeit entzieht. Bis zu 20 Liter gehen bei schweren Fällen durch die Durchfallerkrankung verloren. Dadurch trocknet der Körper von innen aus, es kommt zum kompletten Zusammenbruch der Körperfunktionen – und das innerhalb kurzer Zeit.

Was sind die Cholera-Symptome?

Nach einer Inkubationszeit von wenigen Stunden bis zu fünf Tagen nach der Ansteckung kommt es plötzlich zum Ausbruch der typischen Symptome:

  • wässriger Durchfall (wegen seiner trüb-flüssigen Konsistenz auch „Reiswasserdurchfall“ genannt)
  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit

Fieber kommt bei der Erkrankung eher selten vor. Etwa 80 Prozent der Fälle verlaufen sogar mild, das heißt, die Krankheit ähnelt einer normalen Magen-Darm-Infektion.

Die restlichen 20 Prozent nehmen jedoch einen lebensbedrohlichen Verlauf, da innerhalb kurzer Zeit viel Flüssigkeit und damit auch lebensnotwendige Mineralsalze (Elektrolyte) wie Natrium und Kalium ausgeschieden werden. Dadurch kommt es zu Muskelkrämpfen, außerdem kann der komplette Stoffwechsel zusammenbrechen und zum Nierenversagen oder Kreislaufschock führen. Ohne frühzeitige Behandlung ist der Krankheitsverlauf dann meist tödlich.

Bauchschmerzen

Durchfall und Bauchschmerzen sind typische Symptome für eine Cholera-Erkrankung (c) colourbox.de

Stummer Überträger

Nicht jeder, der sich mit dem Cholera-Erreger infiziert hat, entwickelt auch die Krankheitssymptome. Dennoch werden die Bakterien noch Wochen oder sogar Monate nach der Ansteckung über den Stuhl ausgeschieden und können bei mangelnder Hygiene wiederum andere Menschen infizieren. Betroffenene werden deshalb als „stumme Überträger“ bezeichnet.

Wie erkennt der Arzt Cholera?

Äußert sich die Infektion durch den typischen Reiswasserdurchfall, kann der Arzt die Diagnose recht schnell stellen. Da die meisten Fälle jedoch einer normalen Durchfallerkrankung ähneln, sind weitere Untersuchungen nötig. Der Nachweis des Erregers erfolgt durch eine Stuhlprobe, eine Probe des Erbrochenen oder einen Abstrich aus dem Enddarmbereich. Da die Krankheit überwiegend in fernen Ländern vorkommt und von Reisenden eingeschleppt wird, wird der behandelnde Arzt beim Verdacht auf Cholera zur weiteren Behandlung an einen Tropenarzt überweisen.

Meldepflicht bei Cholera

In Deutschland besteht laut Infektionsschutzgesetz eine Meldepflicht für alle Cholera-Fälle. Das betrifft sowohl den Verdacht auf eine Infektion, als auch die Erkrankung und Todesfälle durch den Erreger.

Wie wird Cholera behandelt?

Die Behandlung der Cholera zielt in erster Linie darauf ab, den massiven Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Hierfür gibt es spezielle Trinklösungen, die mit den wichtigen Elektrolyten angereichert sind. Oft erfolgt die Therapie über Infusionen, damit die Mineralstoffe schneller ins Blut gelangen. In vielen Fällen reicht der Flüssigkeitsausgleich bereits, um der Erkrankung entgegenzuwirken. Manchmal kann die zusätzliche Einnahme von Antibiotika notwendig sein.

Sobald Vibrio cholerae als Ursache für die Durchfallerkrankung festgestellt wird, kommt der Betroffene in Quarantäne. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, muss der Patient bis zum Abklingen der Symptome von der Außenwelt isoliert bleiben. Tritt jedoch eine milde Form der Erkrankung auf, kann die Krankheit auch unbehandelt wieder abklingen. Etwa 70 bis 85 Prozent der Betroffenen überleben die Infektion, sind jedoch auch nach Abklingen der Symptome noch ansteckend.

Wie kann ich Cholera vorbeugen?

In Deutschland und Europa tritt die Krankheit äußerst selten auf. Ansteckungen geschehen meist auf Reisen in die Risikogebiete. Wer sich in Afrika, Asien oder Südamerika aufhält, sollte sich zur Vorbeugung an gewisse Verhaltensregeln halten:

  • kein verunreinigtes Wasser trinken, auch zum Zähneputzen nur keimfreies Wasser verwenden
  • Obst und Gemüse am besten nur gekocht verzehren
  • keine Getränke mit Eiswürfeln trinken
  • auf Meeresfrüchte lieber verzichten
  • Fleisch und Fisch nur gut durchgebraten verzehren
  • keine Eiscreme oder ungekochte Milchprodukte essen
  • in Risikogebieten nicht in Flüssen oder Seen baden
  • häufig Hände waschen, vor allem nach dem Benutzen der Toilette
Gasgrill

Rohes Fleisch ist ein Grund für eine Cholera-Erkrankung in Risikogebieten (c) Cmon / Fotolia

Wann sollte ich mich gegen Cholera impfen?

Tatsächlich gibt es eine Schutzimpfung gegen Cholera, die überwiegend Ärzten, Krankenhauspersonal und Menschen mit längerem Aufenthalt in den Risikogebieten empfohlen wird. Auch bei einer Arbeit in Flüchtlingslagern oder nach einer Naturkatastrophe kann eine Impfung sinnvoll sein. Vor einer Reise wird sie in Form einer Schluckimpfung durchgeführt. Eine Auffrischung erfolgt alle zwei Jahre.

Der Impfstoff enthält in Deutschland abgetötete Cholera-Bakterien, in anderen Ländern sind sogar Lebensimpfstoffe zugelassen. Das heißt, dass darin ein kleiner Anteil an aktiven Cholera-Erregern enthalten ist, jedoch in so kleiner Menge, dass die Krankheit nicht ausbricht. Nebenwirkungen wie Durchfall und Bauchschmerzen können auftreten.

Cholera trotz Impfung

Doch Vorsicht: Die Krankheit kann trotz einer Impfung ausbrechen, denn der Impfschutz gilt nur für den Erreger der Serogruppe O1. Da es jedoch ebenfalls den Erreger-Typ O139 gibt, besteht weiterhin das Risiko einer Ansteckung.

Wie sind die Heilungschancen bei Cholera?

In den Köpfen der meisten Menschen ist Cholera eine der tödlichsten Krankheiten. Doch es gibt eine gute Nachricht: Die Krankheit ist heilbar bei einer frühzeitig Einnahme eines Gegenmittels.

Genaugenommen verläuft nur ein geringer Anteil von unter 20 Prozent aller Fälle so schwer, dass eine Therapie überhaupt notwendig ist. Um eine Dehydrierung des Körpers zu verhindern, muss der Betroffene viel Flüssigkeit zu sich nehmen . Die meisten Erkrankungen nehmen einen milden Verlauf und haben sehr gute Heilungschancen. Bei rechtzeitiger Behandlung sinkt die Sterberate sogar auf unter ein Prozent.