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Cholangitis: Symptome und Behandlung der Gallengangsentzündung

Die Galle ist ein ganz besonderer Saft. Sie hilft uns, Giftstoffe aus dem Körper auszuscheiden, Fette zu verdauen und Vitamine aufzunehmen. Ist jedoch ihr Fluss durch unseren Körper gestört, kann es zu schwerwiegenden Problemen kommen. Was tun bei Cholangitis, einer Entzündung der Gallengänge?

Was ist Cholangitis?
Was sind die Ursachen von Cholangitis?
Was sind die Symptome von Cholangitis?
Wie erkennt der Arzt Cholangitis?
Wie wird Cholangitis behandelt?
Wie kann ich Cholangitis vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei Cholangitis?

Was ist Cholangitis?

Cholangitis ist eine Entzündung der Gallenwege, die in akuter oder, eher selten, in chronischer Form auftreten kann. Die Gallengänge transportieren die Gallenflüssigkeit, die in der Leber produziert und in der Gallenblase eingedickt und gespeichert wird, in den Zwölffingerdarm. Die Gallenflüssigkeit hilft dabei, Fette zu verdauen, Vitamine aufzunehmen und Giftstoffe aus dem Körper auszuscheiden. Bei einer akuten Cholangitis handelt es sich um eine Infektion der Gallengänge durch Bakterien, die sich dort ansiedeln konnten, meist in Folge einer Abflussstörung (vor allem verursacht durch Gallensteine). Sie ist in der Regel gut behandelbar.

Es gibt jedoch auch eher seltene chronische Formen der Cholangitis, denen mutmaßlich eine Autoimmunkrankheit zugrunde liegt. Bei der primär sklerosierenden Cholangitis (PSC) können sowohl die Gallenwege innerhalb als auch außerhalb der Leber (intrahepatisch und extrahepatisch) betroffen sein. Sie sind chronisch entzündet, wodurch Vernarbungen und Verengungen (Stenosen) entstehen, die den Gallefluss behindern. Dadurch kann es zu Gallenstau und letztendlich zu einer Leberzirrhose (Zerstörung des Lebergewebes) kommen. PSC tritt sehr oft zusammen mit einer chronischen Darmentzündung (vor allem Colitis ulcerosa) auf. Männer sind bis zu dreimal häufiger betroffen als Frauen, die Krankheit manifestiert sich zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr.

Eine andere Unterform der chronischen Ausprägungen ist die primär biliäre Cholangitis (PBC). Hier betrifft die chronische Entzündung nur die Gallenwege innerhalb der Leber, die durch eine Immunreaktion angegriffen und zerstört werden. Von dieser Form sind wiederum vorwiegend Frauen (90 Prozent) mittleren Alters betroffen. Auch hier wird von einer Autoimmunerkrankung ausgegangen. Die Gallenflüssigkeit gelangt durch die geschädigten Gallengänge in die Leber und zerstört sie langsam.

Gallensteine verursachen eine Infektion der Gallengänge durch Bakterien. (c) Danny S. / Fotolia

Was sind die Ursachen von Cholangitis?

Eine akute Cholangitis wird durch eine Infektion mit Bakterien verursacht, die in der Regel entsteht, weil der Abfluss der Gallenflüssigkeit behindert ist. Grund dafür sind meistens Gallensteine (Choledocholithiasis), in selteneren Fällen auch Tumore oder Ausstülpungen im Zwölffingerdarm. Bei der bakteriellen Form sind meist Darmbakterien die Übeltäter, die in Gallenwege und Gallenblase gelangt sind. Gallensteine entstehen meist durch einen zu hohen Cholesteringehalt in der Gallenflüssigkeit. Da vor allem übergewichtige Frauen ab 40 Jahren zu Gallensteinen neigen, tritt in dieser Gruppe die Erkrankung doppelt so häufig auf wie bei Männern.

Die Ursachen für die chronischen Formen der Cholangitis sind nicht eindeutig. Sowohl bei der PSC als auch bei der PBC wird von einer genetischen Disposition ausgegangen, die in Kombination mit bestimmten Umweltfaktoren eine Autoimmunreaktion auslöst. Was die Theorie im Fall der PSC stützt, ist die Tatsache, dass sie sehr häufig gemeinsam mit Autoimmunerkrankungen auftritt, die den Darm betreffen.

Bei der PSC ist durch den gestörten Abfluss der Galle das Risiko erhöht, zudem an einer akuten, bakteriell verursachten Cholangitis zu erkranken, die dann schubweise auftreten kann.

Was sind die Symptome von Cholangitis?

Eine akute Cholangitis löst typischerweise folgende drei Symptome aus, die als Charcot-Trias bezeichnet werden:

Zusätzlich können auftreten:

  • allgemeines Krankheitsgefühl
  • Müdigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Juckreiz (ausgelöst durch Gallenbestandteile, die sich in der Haut ablagern)
  • Verfärbung von Urin (dunkler) und Stuhl (heller)

Eine chronische Cholangitis verläuft auch häufig ohne eindeutige Symptome.

Bei einer PBC zeigen sich die Symptome schleichend:

  • Juckreiz (Pruritus)
  • Gelbfärbung der Haut
  • Abgeschlagenheit
  • Cholesterinablagerungen in der Haut um die Augen (Xanthelasmen)

Juckreiz und Gelbfärbung der Haut sind typische Symptome. (c) New Africa / Fotolia


Wie erkennt der Arzt Cholangitis?

Nach Abklärung von Symptomen und Vorerkrankungen wird der Arzt eine Untersuchung von Haut und Bauch durchführen. Um die Krankheit aber eindeutig zu diagnostizieren, sind in der Regel weitere Untersuchungen notwendig:

  • Blutuntersuchung im Labor: Cholestase-Parameter (Gallenbestandteile im Blut) zeigen, dass die Galle nicht richtig abfließt; Patienten mit PBC und PSC weisen oft charakteristische Antikörper im Blut auf
  • bei Verdacht auf PBC führt der Arzt eventuell eine Leberbiopsie durch (Untersuchung einer Gewebeprobe)
  • Ultraschalluntersuchung des Bauchraums auf Gallenstau und/oder Gallensteine
  • Endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP): Über ein Endoskop, das der Arzt durch die Speiseröhre, den Magen und den Zwölffingerdarm einführt, wird ein Röntgenkonrastmittel in die Gallengänge gespritzt. Anschließend können diese mit einem Röntgengerät untersucht werden. Vor allem bei der PSC sind auf diese Weise die Verengungen in den Gallengängen deutlich erkennbar. Sollten bei der ERCP Gallensteine gefunden werden, können sie während der gleichen Prozedur entfernt werden, zum Beispiel mit Hilfe eines speziellen Körbchens, das mit dem Endoskop eingführt werden und den Stein „einfangen“ kann.
  • Magnetresonanz-Cholangio-Pankreatikographie (MRCP): Dies ist eine andere Methode zur Darstellung des Gallengangssystems. Sie kann im Gegensatz zur ERCP ohne Eingriff und ohne Kontrastmittel verlaufen. Dafür bietet sie allerdings auch nicht die Möglichkeit einer Gewebeprobenentnahme oder der sofortigen Enternung von Gallensteinen. Bei beiden bildgebenden Verfahren zeigt sich eine PSC typischerweise in der perlenkettenartigen Struktur der Gallengänge, die entsteht, indem sich verengte und erweiterte Stellen abwechseln.

Wie wird Cholangitis behandelt?

Bei akuter Cholangitis

Die Behandlung einer Cholangitis richtet sich nach dem Auslöser der Entzündung der Gallengänge. Bei einer akuten Form mit einer bakteriellen Infektion behandelt der Arzt mit Antibiotika in hoher Dosierung. Außerdem muss die Behinderung des Gallenflusses behoben werden. Sind Gallensteine die Übeltäter, kann deren (operative) Entfernung Abhilfe schaffen. Außerdem kann der Mediziner die Gallenblase entfernen (Cholezystektomie), um der Entstehung neuer Gallensteine vorzubeugen. In manchen Fällen setzt der Arzt ein Stent (Röhrchen), um den Gallengang offen zu halten.

Warum ein Experte eine akute Cholangitis schnell behandeln sollte: Ein Mediziner sollte die bakterielle Cholangitis schnell behandeln, damit die Bakterien sich nicht weiter ausbreiten und möglicherweise eine Blutvergiftung (Cholangiosepsis) auslösen können. Wenn die Cholangitis länger besteht, kann sie sich auf die Leber ausbreiten und es kann zu eitrigen Abszessen kommen. Bei länger anhaltender Erkrankung können die Gallengänge vernarben.

Bei chronischer Cholangitis

Da man annimmt, dass es sich bei der chronischen Form um eine Autoimmunerkrankung handelt, kann sie nicht in ihren Ursachen behandelt werden. Bei einem damit verbundenen Schub von akuter Cholangie erfolgt eine antibiotische Therapie. Symptomatisch kann der Arzt den Juckreiz medikamentös mit Colestyramin behandeln. In der Regel verordnet der Experte Ursodesoxycholsäure, um den Cholesteringehalt in der Gallenflüssigkeit zu mindern und den Verlauf der Erkrankung zu verlangsamen. Bei PSC können Engstellen in den Gallengängen endoskopisch aufgedehnt werden.

Entscheidend bei Patienten mit PSC und PBC sind vor allem eine frühzeitige Diagnose und eine enge medizinische Überwachung. Tritt infolge einer chronischen Cholangitis letztendlich eine Leberzirrhose auf, ist eine Lebertransplantation notwendig.

Welcher Arzt ist zuständig für Cholangitis?

Experte für eine Cholangitis ist ein Facharzt für Innere Medizin oder ein Gastroenterologe.

Hohes Fieber mit Schüttelfrost können Anzeichen für eine Akute Cholangitis sein. (c) Syda Productions / Fotolia

Wie kann ich Cholangitis vorbeugen?

Man kann versuchen, zumindest der Entstehung von Gallensteinen, die eine akute Cholangitis auslösen können, vorzubeugen. Dabei hilft eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung: fettarm und vollwertig (Vollkornprodukte, Gemüse, Obst). Außerdem ist es empfehlenswert, ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Bei Übergewicht ist das Risiko für Gallensteine erhöht. Ärzte raten von radikalen Diäten jedoch ab.

Einer chronischen Cholangitis vorzubeugen, ist nicht möglich. Erkennt der Arzt sie frühzeitig und überwacht sie regelmäßig, kann ihr Verlauf jedoch positiv beeinflusst werden.

Wie sind die Heilungschancen bei Cholangitis?

Bei einer akuten Cholangitis sind die Heilungschancen in der Regel sehr gut, wenn die Infektion ausgeheilt wird und eventuelle Gallensteine entfernt werden.

Bei PSC kann es zu einer Leberzirrhose kommen, auch das Risiko für Gallengangskrebs und – in Kombination mit der Colitis ulcerosa – Darmkrebs ist erhöht. Deshalb wird Patienten mit PSC zu einer jährlichen Darmspiegelung geraten.

Eine gute enge medizinische Überwachung der Patienten mit chronischer Cholangitis kann die Prognose deutlich verbessern.