Gesundheit kompakt

Bradykardie

Schlägt das Herz in Ruhe weniger als 60 Mal in der Minute, spricht man von Bradykardie. Doch der langsame Puls ist nicht unbedingt gefährlich. Lesen Sie hier, wann Sie zum Arzt gehen sollten und was Sie gegen Herzrhythmusstörungen tun können.

Bradykardie – Was ist das?
Was sind die Ursachen einer Bradykardie?
Was sind die Symptome einer Bradykardie?
Wie erkennt der Arzt eine Bradykardie?
Wie wird eine Bradykardie behandelt?
Wie kann ich vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei Bradykardie?

Bradykardie – Was ist das?

Als Bradykardie bezeichnet man einen langsamen Puls: Die Herzfrequenz liegt dann bei einem Erwachsenen im Ruhezustand unter 60 Schlägen pro Minute. Dies kann völlig harmlos sein. So haben beispielsweise Leistungssportler meist einen relativ niedrigen Puls, da sich bei ihnen durch das Training der Herzmuskel vergrößert. Auch nachts beziehungsweise im Schlaf kann das Herz manchmal langsamer schlagen, ohne dass dies ein Grund zur Besorgnis wäre. Die Bradykardie verursacht dann in der Regel keinerlei Beschwerden und wird auch nicht als krankhaft angesehen.

Allerdings kann hinter dem langsamen Puls auch eine Erkrankung stecken. Tritt der niedrige Ruhepuls ohne sportliche Betätigung auf, sollte man dies von einem Arzt abklären lassen. Zeigen sich Symptome wie Schwindel, Kopfschmerzen und Atemnot, ist dies ebenfalls ein Grund, den Arzt aufzusuchen. Der Begriff Bradykardie kommt aus dem Griechischen, bedeutet übersetzt so viel wie “Langsamherzigkeit” und bezeichnet eine Form der Herzrhythmusstörung, fachsprachlich Arrhythmie genannt.

Das Gegenteil heißt Tachykardie und meint einen Ruhepuls beim Erwachsenen von über 100 Schlägen in der Minute. Kommt es zu einem schnellen Wechsel zwischen hohem und niedrigem Puls, spricht man von einem Bradykardie-Tachykardie-Syndrom. Nicht verwechselt werden sollte die Bradykardie mit der Hypotonie: Letztere bezeichnet einen niedrigen Blutdruck.

> Niedriger Blutdruck: Was dahintersteckt und was hilft

Was sind die Ursachen einer Bradykardie?

Um zu verstehen, was Auslöser sein können, muss man sich die Funktionsweise des menschlichen Herzens genauer ansehen. Der Sinusknoten ist der Taktgeber unseres Herzens: Er bildet die elektrischen Impulse für den Herzschlag. Vom Sinusknoten aus gelangen die Impulse in den AV-Knoten und in die Herzkammern, wo sich die Muskelzellen zusammenziehen – das Herz schlägt.

Werden im Sinusknoten zu wenige elektrische Impulse gebildet, spricht man von einer Sinusbradykardie. Aber auch wenn die Verbindung zwischen dem Sinusknoten und dem AV-Knoten beziehungsweise die Weiterleitung in die Herzkammern gestört ist, kann es zu einem verlangsamten Herzschlag kommen.

Es gibt verschiedene physiologische Ursachen, die zu einer Bradykardie führen können. Darunter sind Herzkrankheiten wie Entzündungen des Herzens, die koronare Herzkrankheit, Vorhofflimmern, Durchblutungsstörungen oder ein Herzinfarkt.

Darüber hinaus können auch andere Erkrankungen, die außerhalb des Herzens liegen, einen niedrigen Puls verursachen, etwa eine Schilddrüsenunterfunktion und Gelbfieber. Kaliummangel, die Einnahme bestimmter Medikamente sowie übermäßiger Drogen- oder Alkoholkonsum können ebenfalls die Herzfrequenz senken.

Shot-Glas mit Alkohol neben Bierglas.

Starker Alkoholkonsum kann zu einem zu niedrigen Puls führen. (c)  Rainer Fuhrmann / Fotolia

Was sind die Symptome einer Bradykardie?

In vielen Fällen verursacht die Bradykardie keinerlei Beschwerden – insbesondere wenn der Betroffene viel Sport macht. Menschen mit Sportlerherz bemerken oft nicht einmal, dass ihr Herzschlag in Ruhephasen niedriger ist als bei anderen Menschen. Vor allem für Kinder, ältere Personen und Schwangere ist ein niedriger Puls allerdings gefährlich: Es droht eine Sauerstoffunterversorgung des Gehirns, da zu wenig Blut in den Kreislauf gepumpt wird. Die Folgen können Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Bewusstlosigkeit sein. Auch Sehstörungen sowie eine kälteempfindliche, bläuliche Haut können auf eine Bradykardie hindeuten.

Bei Babys, insbesondere bei Frühgeburten, kann es zum sogenannten Bradykardie-Apnoesyndrom kommen, welches sich in Atempausen und einem Abfall der Sauerstoffsättigung äußert. Zeigen Kinder einen unregelmäßigen Herzschlag im Schlaf oder treten bei den Kleinen generell Herzrhythmusstörungen auf, kann ein angeborener Herzfehler dahinterstecken.

Von einer inspiratorischen Arrhythmie sprechen Fachleute, wenn es beim Einatmen zu Herzrhythmusstörungen kommt. Auch diese Form wird immer wieder bei Kindern beobachtet und sollte unbedingt untersucht werden.

> Brugada-Syndrom: Eine erblich bedingte Herzrhythmusstörung

Wie erkennt der Arzt eine Bradykardie?

Haben Sie bei sich selbst einen niedrigen Puls gemessen oder ertastet und können sportliches Training als Grund dafür ausschließen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Er wird Sie zunächst nach bekannten Grunderkrankungen und etwaiger Medikamenten-Einnahme fragen. Anschließend hört der Arzt das Herz ab und macht ein Elektrokardiogramm, das die Herzströme aufzeichnet.

Besonders aufschlussreich ist ein Langzeit-EKG, das die Veränderung des Pulsschlags innerhalb von 24 Stunden misst. Auf diese Weise können auch eine Bradykardie mit Pausen und eine nächtliche Bradykardie festgestellt werden. Unter Umständen ordnet der Experte auch ein Belastungs-EKG an, welches die Herzfrequenz während des Fahrradfahrens oder während des Laufens ermittelt.

Um die Ursache des verlangsamten Pulses zu finden, können sich weitere Untersuchungen anschließen. Denkbar sind ein Herzultraschall, eine sogenannte Echokardiografie, sowie eine Herzkatheteruntersuchung oder eine Kardiokernspintomografie. Gegebenenfalls kann der Arzt auch eine Blutuntersuchung veranlassen, um eine Stoffwechselerkrankung als Auslöser des niedrigen Pulses auszuschließen.

Wie wird eine Bradykardie behandelt?

Was hilft gegen einen niedrigen Puls? Grundsätzlich gilt: Nicht jede Form der Bradykardie ist behandlungsbedürftig – insbesondere bei Sportlern. Kann eine organische Schädigung ausgeschlossen werden, können verschiedene Hausmittel wie Wechselduschen den Kreislauf anregen. Fällt der Ruhepuls unter 40 Schläge pro Minute oder treten Symptome wie Schwindel, eine geringe Belastbarkeit oder Ohnmachtsanfälle auf, besteht Handlungsbedarf.

Die Therapie richtet sich dann nach der Ursache des niedrigen Pulses. Lösen beispielsweise Medikamente wie Betablocker oder Kalziumkanalblocker die Herzrhythmusstörungen aus, kann es sinnvoll sein, diese nach Rücksprache mit dem Arzt abzusetzen.

Stellt der Arzt bei der medizinischen Untersuchung eine Herzkrankheit fest, kann er einen Herzschrittmacher implantieren. Dieser überwacht den Puls des Patienten und gibt gegebenenfalls Impulse, um eine Kontraktion des Herzens auszulösen. Medikamente wie Atropin oder Adrenalin werden nur in Ausnahmefällen verabreicht, beispielsweise um einen gefährlichen Kreislaufstillstand zu behandeln.

Ein EKG kann Aufschluss über vorliegende Herzrhythmusstörungen geben. (c) Colourbox

Wie kann ich vorbeugen?

Die beste Vorbeugungsmaßnahme ist eine gesunde Lebensweise. Mit einer ausgewogenen Ernährung, ausreichend Bewegung und Entspannungstechniken gegen Stress, etwa Yoga, autogenem Training oder progressiver Muskelentspannung, können Sie das Risiko für Herzerkrankungen und damit für Herzrhythmusstörungen senken. Verzichten Sie außerdem auf Alkohol und Nikotin und suchen Sie einen Arzt auf, wenn Sie eine plötzliche Veränderung Ihres Ruhepulses feststellen.

Wie sind die Heilungschancen bei Bradykardie?

Tritt die Bradykardie in Zusammenhang mit sportlichem Training auf, hat sie in der Regel keinen Krankheitswert und bedarf keiner Behandlung. Ist eine Herzkrankheit die Ursache für den langsamen Herzschlag, kann ein Herzschrittmacher das Organ wieder in Takt bringen.

Problematisch ist ein dauerhaft erniedrigter Puls, der nicht auf ein vergrößertes Sportlerherz zurückzuführen ist. Unbehandelt drohen hier eine Herzschwäche oder andere Organschäden. Ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Bradykardie haben Menschen über 65 Jahren.

Auch eine bestehende koronare Herzkrankheit, die Einnahme bestimmter Medikamente und eine vorangegangene Herzoperation können die Entstehung eines zu niedrigen Herzschlags begünstigen. Wer zu einer dieser Risikogruppen gehört, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen, wenn er bei sich einen langsamen Herzschlag feststellt.

> Was ist ein Sportlerherz?