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Botulismus

Verunreinigte Wurst- und Fleischkonserven können zur lebensbedrohlichen Gefahr werden: Eine Vergiftung mit dem Bakteriengift Botulinumtoxin kann bis zum Atemstillstand führen. Lesen Sie hier, woran Sie Botulismus erkennen, wie Sie einer Erkrankung vorbeugen – und was das Gift mit dem Faltenkiller Botox zu tun hat.

Was ist Botulismus?
Was sind die Ursachen von Botulismus?
Was sind die Botulismus-Symptome?
Wie erkennt der Arzt Botulismus?
Wie wird Botulismus behandelt?
Wie kann ich Botulismus vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei Botulismus?

Was ist Botulismus?

Bei Botulismus handelt es sich um eine schwere Vergiftung durch das Bakteriengift Botulinumtoxin. Dieses wird von Bakterien namens Clostridium botulinum gebildet, welche sich insbesondere in proteinreicher Umgebung gut vermehren. Meist sind schlecht konservierte Fleisch-, Fisch- oder Wurstwaren der Auslöser der Lebensmittelvergiftung: Der Erreger Clostridium botulinum kann beispielsweise in Dosen, vakuumverpackten Lebensmitteln, Einmachgläsern oder geräuchertem Fisch stecken.

Der Begriff Botulismus leitet sich vom lateinischen Wort „botulus“ ab, welches „Wurst“ bedeutet. Umgangssprachlich wird die Erkrankung auch Fleischvergiftung genannt. In Deutschland kommt diese lebensbedrohliche Vergiftung glücklicherweise sehr selten vor. Botulismus unterliegt der Meldepflicht, pro Jahr werden weniger als zehn Fälle registriert.

Gut zu wissen: Von industriell gefertigten Konserven geht praktisch keine Gefahr aus. Durch Konservierungsstoffe wird das Fleisch steril gemacht, sodass sich darin keine Bakterien vermehren können. Hinter den Botulismus-Fällen in Deutschland stecken fast immer hausgemachte, nicht fachgerecht konservierte Nahrungsmittel wie Wildleberwurst, Räucherschinken und eingelegter Hering. Aber auch selbst hergestellte Gemüsekonserven, bei denen zum Beispiel Chilischoten, Bohnen oder Paprika in Öl gelagert werden, können einen Nährboden für das Bakterium bilden und stellen eine potenzielle Gefahr dar.

Was sind die Ursachen von Botulismus?

Botulismus ist eine Vergiftung, keine Infektion im eigentlichen Sinn. Das bedeutet, die Erkrankung wird nicht durch die Bakterien selbst ausgelöst, sondern durch ein Nervengift, das sie produzieren. Die Wirkungsweise ist wie folgt: Das Gift blockiert die Signalübertragung zwischen Nerven und Muskeln. Ursache für die Erkrankung sind meist verunreinigte Speisen, die unter unhygienischen Bedingungen hergestellt wurden.

Der Auslöser Botulinumtoxin ist einer der stärksten Giftstoffe, die in der Natur vorkommen. Wie viele andere Gifte kann Botulinumtoxin in sehr geringer Dosis und korrekt eingesetzt aber auch heilsam wirken. Unter dem Namen „Botox“ wird das Nervengift zur Glättung von Hautfältchen genutzt. Aber auch bei übermäßigem Schwitzen oder zur Linderung von Muskelkrämpfen kommt das Bakterienprodukt zum Einsatz. Bei einer Behandlung durch einen medizinischen Fachmann sind in diesen Fällen keine Vergiftungen zu befürchten.

Neben der Lebensmittelvergiftung gibt es noch andere Formen des Botulismus: den Säuglingsbotulismus und den Wundbotulismus. Bei Babys unter einem Jahr ist die Darmflora noch nicht voll ausgebildet, ihre Immunabwehr ist daher schwächer als bei älteren Kindern und Erwachsenen. In ihrem Verdauungstrakt können sich Krankheitserreger besser vermehren – auch der Botulismus-Auslöser Clostridium botulinum. Dieser kann zum Beispiel in Honig stecken, deshalb sollten Babys keinen Honig essen oder mit Honig gesüßten Tee trinken. Beim Wundbotulismus vermehrt sich der Erreger in offenen, nicht desinfizierten Wunden. Eine mögliche weitere Form ist der chronische Botulismus, eine schleichende Vergiftung mit Botulinumtoxin, welche bisher nur bei Rindern beobachtet wurde. Man vermutet, dass die Keime aus Biogasanlagen ins Futter gelangt sind und die Tiere auf diese Weise langsam vergiftet wurden. Eine Bestätigung dieser Theorie steht aber noch aus.

Was sind die Botulismus-Symptome?

Die ersten Symptome betreffen meist den Magen-Darm-Bereich. Es kommt zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchkrämpfen. Da das Gift die Funktion der Nervenzellen beeinträchtigt, folgen nach und nach Lähmungserscheinungen. Diese nehmen ihren Anfang im Bereich der Augen. Typische Anzeichen sind hängende Lider, erweiterte Pupillen, ein Flimmern von den Augen und das Sehen von Doppelbildern.

Später breiten sich die Lähmungserscheinungen auf den gesamten Kopf aus, es kommt zu einem trockenen Gefühl im Mund sowie zu Schluck- und Sprachstörungen. Greift die Lähmung auf die Atemmuskulatur über, verliert der Patient das Bewusstsein und es kommt zum Atemstillstand.

> Bei Atemnot richtig handeln

Unbehandelt führt der Botulismus dann zum Tod des Betroffenen. Die Inkubationszeit, also die Dauer von der Aufnahme des Giftes bis zum Ausbruch der Krankheit, beträgt in der Regel 12 bis 36 Stunden. Der zeitliche Verlauf hängt allerdings stark davon ab, auf welchem Weg das Botulinumtoxin in den Körper gelangte, wie hoch die Dosis war und wie schnell sich die Bakterien vermehren.

Mann hält sich den Magen.

Botulismus kann Krämpfe und Übelkeit auslösen. (c)  terovesalainen / Fotolia


Wie erkennt der Arzt Botulismus?

Starke neurologische Beschwerden wie Lähmungserscheinungen im Kopf- und Halsbereich können ein Hinweis auf Botulismus sein. Der Arzt fragt den Patienten oder dessen Angehörige, ob Nahrungsmittel aus Dosen bzw. selbst eingekochte, geräucherte oder konservierte Lebensmittel verzehrt wurden.

Das Nervengift Botulinumtoxin lässt sich im Mageninhalt bzw. im Erbrochenen, im Blut oder im Stuhl des Betroffenen nachweisen. Sollten Reste der verdächtigten Speise übrig sein, können auch diese untersucht werden. Lautet die Verdachtsdiagnose Wundbotulismus, lässt sich der Erreger durch eine Probe aus der Wunde nachweisen.

Weil nur wenige Speziallabors in Deutschland das hochgiftige Botulinumtoxin eindeutig nachweisen können, dauert es in der Regel mehrere Tage, bis das Ergebnis da ist. Da dem Patienten aber unter Umständen nicht mehr so viel Zeit bleibt, wird bei hinreichendem Verdacht auf Botulismus bereits vorher mit der Behandlung begonnen. Denn eine Lebensmittelvergiftung durch das Bakteriengift Botulinumtoxin kann lebensbedrohlich sein.

Wie wird Botulismus behandelt?

Leidet ein Patient an Botulismus, muss möglichst rasch mit der Therapie begonnen werden. Als Sofortmaßnahme kann der Arzt Speisereste der verunreinigten Lebensmittel aus dem Magen und dem Darm entfernen, beispielsweise mithilfe eines Abführmittels, eines Einlaufs oder einer Magenspülung. Darüber hinaus verabreicht der Arzt ein Gegengift, ein sogenanntes Antitoxin.

Ist das Nervengift bereits ins Gewebe gelangt, wirkt das Antitoxin nicht mehr. Das ist der Grund, warum es so wichtig ist, den Botulismus schnell zu erkennen und bereits vor Eintreffen der Laborergebnisse mit der Behandlung zu beginnen. Um die Lähmungserscheinungen zu lindern, kann der Arzt zusätzlich weitere Medikamente, sogenannte Muskelrelaxanzien, verabreichen. Ist die Atemmuskulatur von der Lähmung betroffen, muss der Arzt den Patient künstlich beatmen.

Bei starken Schluckbeschwerden wird der Betroffene künstlich ernährt, bei Beeinträchtigung des Herzmuskels wird möglicherweise ein Herzschrittmacher eingesetzt. Handelt es sich um Wundbotulismus, wird die Wunde chirurgisch gesäubert und der Patient bekommt Antibiotika, um eine zusätzliche Infektion zu vermeiden.

Wie kann ich Botulismus vorbeugen?

Beim Verzehr von konservierten, vakuumverpackten oder geräucherten Lebensmitteln ist Vorsicht geboten – insbesondere wenn diese aus eigener Herstellung stammen. Sie können Nahrungsmittelbotulismus vorbeugen, indem Sie keine Speisen aus aufgeblähten oder gewölbten Dosen zu sich nehmen. Die Gasbildung kann ein Hinweis auf Bakterien sein. Diese Vorsichtsmaßnahme gilt auch für Gläser mit Deckeln, die beim ersten Öffnen nicht knacken: Das fehlende Knack-Geräusch bzw. ein nicht fest aufliegender Deckel deuten darauf hin, dass kein Vakuum vorhanden war.

Abgelaufene Konserven sollten Sie grundsätzlich entsorgen. Nehmen Sie beim Öffnen einen unangenehmen Geruch oder Geschmack wahr, muss das Produkt ebenfalls weggeworfen werfen: Buttersäure, deren Geruch an Erbrochenes erinnert, entsteht häufig, wenn Nahrungsmittel mit Botulinumtoxin verunreinigt sind.

Bestehen immer noch Zweifel, sollten Sie eingeweckte oder eingekochte Speisen ausreichend erhitzen: Kochen Sie die entsprechenden Lebensmittel mindestens 15 Minuten lang, dadurch wird das Gift zerstört. Um Säuglingsbotulismus zu vermeiden, sollten Sie Kindern unter einem Jahr keinen Honig zu essen geben.

Wie sind die Heilungschancen bei Botulismus?

Botulismus ist eine schwere Vergiftung, die unbehandelt zum Tod führen kann. Denn es kann zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie Atemstillstand oder Herzstillstand kommen. Beginnt der Patient die Behandlung rechtzeitig, ist eine Heilung möglich: Über 90 Prozent der Patienten, die sich frühzeitig einer Therapie unterziehen, überleben den Botulismus. Ohne Behandlung steigt die Sterblichkeitsrate allerdings auf bis zu 70 Prozent.

Bis sich die Betroffenen komplett von der Lebensmittelvergiftung erholt haben, kann es mehrere Wochen oder Monate dauern. Oft fällt die Atmung anfangs noch schwer und auch die Lähmungserscheinungen bilden sich nur langsam zurück. Erst wenn die Signalverbindungen zwischen den Nerven und den Muskeln wieder einwandfrei funktionieren, ist der Botulismus vollständig ausgestanden. Dauerhafte Schäden sind aber nach einer erfolgreichen Therapie nicht zu befürchten.