Magen & Darm

Blinddarmentzündung

Nur Bauchweh oder ein kranker Blinddarm? Das weiß selbst der Arzt manchmal nicht genau, weshalb eine Entzündung des Blinddarm-Endes eine ziemlich tückische (weil versteckte) Erkrankung sein kann. Ist die Blinddarmentzündung aber erst einmal erkannt, lässt sie sich in aller Regel auch gut behandeln.

Was ist eine Blinddarmentzündung?

Im deutschen Sprachraum hat sich die Bezeichnung „Blinddarmentzündung“ durchgesetzt. Medizinisch ist sie jedoch recht ungenau, weil tatsächlich nur ein kleiner Teil des Darmabschnitts erkrankt. Von einer Appendizitis, so der fachlich korrekte Name, spricht man nur dann, wenn der etwa fingergroße Wurmfortsatz des Blinddarms – der Appendix – entzündet ist.

Der Blinddarm selbst ist das Anfangsstück des Dickdarms. Er ist an der Verdauung nicht beteiligt und liegt direkt dort, wo der Dünndarm in den Dickdarm mündet – in der rechten Unterbauchregion also. Sein schlauchförmiger Fortsatz hat nur einen Zugang, jedoch keinen Ausgang. Das macht ihn grundsätzlich anfällig für Entzündungen.

Ist das Blinddarm-Ende wirklich völlig funktionslos?

Mittlerweile gehen Experten davon aus, dass der Wurmfortsatz ein Rückzugsgebiet für nützliche Darmbakterien ist. Außerdem beherbergt er ganz viele Lymphfollikel, die zum körpereigenen Abwehrsystem gehören. Wahrscheinlich spielt er darum eine Rolle in unserem Immunsystem. Welche genau, ist noch nicht hinreichend geklärt. Auf die Gesundheit hat es allerdings keine negativen Auswirkungen, wenn das Blinddarm-Anhängsel operativ entfernt wird.

Häufigkeit der Blinddarmentzündung

Sieben Prozent der Bevölkerung haben einmal im Leben mit einer Blinddarmentzündung zu kämpfen. Jedes Jahr kommen in der westlichen Welt auf 100.000 Einwohner etwa 100 Fälle. Statistisch gesehen sind Kinder und junge Erwachsene zwischen 10 und 30 Jahren besonders häufig betroffen. Bei Kleinkindern und älteren Menschen tritt die Appendizitis dagegen seltener auf.

Was sind die Ursachen?

In der Regel entsteht die Blinddarmentzündung durch eine Verstopfung des Wurmfortsatzes. Dafür ist die schmale Blinddarmverlängerung von Natur aus anfällig, denn mit einem Innendurchmesser von 0,5 bis 2 Zentimetern ist sie recht eng. Darminhalte können ihre einzige Öffnung – die Verbindungsstelle zum Blinddarm – daher schnell verschließen. Speisereste sitzen fest, stauen sich im Säckchen und laden schädliche Bakterien geradezu ein, sich dort zu vermehren und Entzündungen hervorzurufen.

Manchmal führt schon ein einzelner Kirschkern zu solchen Engpässen im Wurmfortsatz. Genauso können auch Abknickungen, Kotsteine, Mandelentzündungen, Masern oder Magen-Darm-Infekte einen Verschluss verursachen. In seltenen Fällen lösen Tumore oder Würmer die Stauung aus. Außerdem können sich Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa bis zum Wurmfortsatz ausbreiten.

Nicht immer lassen sich eindeutige Ursachen für die Entzündung ausmachen. So ist es möglich, dass der Appendix ohne ersichtlichen Grund erkrankt.

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Was sind die Symptome?

Eine Blinddarmentzündung kann ganz unterschiedlich verlaufen und mit verschiedenen Beschwerden einhergehen, die nicht immer zweifellos zum Krankheitsbild passen – und genau darin liegt das große Problem bei der Diagnose.

Gerade zu Beginn der Erkrankung sind die Symptome meist unspezifisch und werden für harmlos gehalten. Dabei drängt im Ernstfall die Zeit. Denn wer mit einer Appendizitis zu lange wartet, riskiert einen Durchbruch und eine lebensgefährliche Bauchfellentzündung.

Darum gilt: Beschwerden im Auge behalten und beim ersten Verdachtsmoment sofort zum Arzt gehen. Krümmen sich die Betroffenen vor Schmerz, dann führt der Weg am besten direkt in die Notaufnahme, damit gegebenenfalls sofort operativ eingegriffen werden kann.

Die typischen Symptome für eine akute Blinddarmentzündung setzen überraschend ein und intensivieren sich in kürzester Zeit:

Wandernde Bauchschmerzen: Zuerst trifft es den Oberbauch bzw. die Magengegend, innerhalb weniger Stunden sind die Krämpfe meist in Richtung des rechten Unterbauchs gezogen. Die Bauchdecke ist unnatürlich angespannt und höchst druckempfindlich.

Bewegungsschmerzen: Beim Gehen, Husten oder Lachen nehmen die Schmerzen zu. Besonders schlimm wird es, wenn der Patient das rechte Bein anhebt, weshalb Betroffene häufig humpeln.

Magenprobleme: Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen begleiten die starken Bauchschmerzen.

Fieber: Die Körpertemperatur steigt auf bis zu 39 Grad Celsius. Dabei besteht ein Temperaturunterschied zwischen rektaler Messung und der an den Achseln von etwa einem Grad Celsius. Zusätzlich beschleunigt sich der Puls, manchmal kommt es auch zu Nachtschweiß.

Einschränkung der Darmfunktion: Die Arbeit des Verdauungstrakts ist gestört. Verstopfungen und Blähungen, aber auch Durchfall sind die Folge.

 

Mutter legt Hand auf die Stirn eines kranken Mädchens

Bei Kindern ist besondere Aufmerksamkeit gefragt: Ihre Beschwerden sind oft untypisch

Atypische Verläufe

Bei Kindern bleiben die klassischen Symptome oft aus. Manchmal haben sie sogar nur Husten. Außerdem klagen die Kleinen oft über Bauchweh. Da kann es schwer fallen, zu unterscheiden, wann die Schmerzen gefährlich sind und wann unbedenklich.

Bei älteren Patienten verläuft die Erkrankung hingegen meist ohne Fieber. Zudem sind die Symptome oft schwächer ausgeprägt. Diabetiker zum Beispiel haben teilweise besonders leichte (bis gar nicht vorhandene) Beschwerden.

Die Position des Wurmfortsatzes ist von Bauch zu Bauch verschieden. Das kann eine Diagnose mitunter erschweren, weil die Schmerzen an untypischen Stellen auftreten. Bei Schwangeren etwa ist der Appendix hochgerutscht und liegt im Ober- oder Mittelbauch – dort schmerzt es dann im Falle einer Entzündung besonders.

Wie erkennt der Arzt eine Blinddarmentzündung?

Der Fachmann stützt sich bei der Diagnose zum einen auf die individuelle Krankengeschichte (Anamnese) des Patienten. Dazu wird er in etwa folgende Fragen stellen:

  • Seit wann haben Sie die Beschwerden?
  • Wo sitzen die Schmerzen aktuell genau?
  • Leiden Sie an Fieber oder unter Übelkeit?

Zum anderen führt der Mediziner eine körperliche Untersuchung durch. Er wird den Bauch auf Verhärtungen abtasten und bestimmte Schmerzpunkte prüfen, die bei einer Blinddarmentzündung besonders empfindlich auf Berührung reagieren. Das können sein:

Der McBurney-Punkt: ein Druckschmerzpunkt, der sich auf der imaginären Linie zwischen Bauchnabel und rechtem Hüftknochen befindet.

Der Lanz-Punkt: liegt auf dem Ende des rechten ersten Drittels der Verbindungslinie zwischen den beiden Hüftknochen.

Das Rovsing-Symptom: ein deutlicher Schmerz, der entsteht, wenn der Dickdarm in Richtung des Blinddarms ausgestrichen wird.

Das Blumberg-Zeichen: der sogenannte „Loslassschmerz“, der sich bemerkbar macht, sobald auf der Gegenseite (also der linken Bauchregion) gedrückt und plötzlich wieder losgelassen wird.

Das Sitkowski-Zeichen: zunehmender Schmerz im rechten Unterbauch bei linksseitiger Lage.

Das Psoas-Zeichen: starker Schmerz im rechten Unterbauch, wenn das Bein gegen einen Widerstand angehoben wird.

Keines dieser Anzeichen allein deutet auf eine Blinddarmentzündung hin oder von einer Erkrankung weg. In Kombination können sie jedoch als verlässliche Hinweise gelten.

Wichtig vor der Untersuchung: Der Arzt muss unbedingt erfahren, ob schmerzlindernde Mittel eingenommen wurden, da sie das Schmerzbewusstsein trüben und den körperlichen Check verfälschen können.

Zusätzliche Sicherheit bietet ein Blutbild. Sind die weißen Blutkörperchen erhöht, lässt das auf eine Entzündung schließen. Auch eine Ultraschalluntersuchung stützt eventuell die Diagnose, da sich erkrankte und in der Folge verdickte Wurmfortsätze im Ultraschallbild erkennen lassen. In seltenen Fällen führt der Arzt zusätzlich eine Computertomographie (CT) durch.

Die gewonnenen Indizien helfen dabei, den Verdacht auf Appendizitis zu untermauern. Eine Garantie für eine zuverlässige Diagnose gibt es dennoch nicht. Auch der Mediziner kann erst dann mit Gewissheit sagen, dass der Wurmfortsatz entzündet ist, wenn er ihn bei der Operation sieht. Deshalb gilt im Zweifelsfall: Es wird operiert.

Wie wird die Entzündung behandelt?

Zwar sind Fälle von milden Blinddarmentzündungen bekannt, die erfolgreich mit der Verordnung von Antibiotika, Bettruhe und Nahrungskarenz behandelt wurden. An eine konservative Therapie ist allerdings nur unter strengster ärztlicher Kontrolle zu denken, da das Risiko besteht, dass sich die Krankheit verschlimmert.

In der Regel verhält es sich so: Ist der Wurmfortsatz schlimm entzündet, muss er raus. Denn bei einer akuten Blinddarmentzündung droht ein Durchbruch. Das heißt: Durch die Entzündung schwillt der Wurmfortsatz so sehr an, dass sein geschwächtes Gewebe reißen kann. Der mit Keimen versetzte Inhalt wird dann in den Bauchraum geschwemmt, und die Infektion weitet sich aus. Um das zu verhindern, wird der kranke Darmabschnitt operativ entfernt.

Der chirurgische Eingriff sollte innerhalb von 48 Stunden nach Auftreten der Beschwerden erfolgen. Es gibt zwei Möglichkeiten der Appendektomie – so der medizinische Begriff für die Operation: den endoskopischen Eingriff (Laparoskopie) und eine offene Bauchoperation. Beide Verfahren geschehen unter Vollnarkose in etwa 20 Minuten.

Bei der klassischen Blinddarmoperation öffnet der Chirurg den rechten Unterbauch mit einem etwa fünf Zentimeter langen Schnitt und entfernt den entzündeten Teil des Blinddarms. Dabei bleibt eine Narbe zurück.

Die laparoskopische Operation, auch Schlüssellochmethode oder Bauchspiegelung genannt, ist die schonendere Variante. Hier entfernt der Chirurg das entzündete Gewebe üblicherweise über drei winzige Schnitte, durch die chirurgische Instrumente und eine Kamera eingeführt werden. Der Vorteil dieser minimalinvasiven Technik: Die zurückbleibenden Narben sind kaum sichtbar.

Ist der Blinddarm durchgebrochen, bleibt oft weder Wahl noch Zeit. Der Chirurg öffnet den Unterbauch mit einem Schnitt. Jetzt reicht es nicht aus, nur das kranke Gewebe herauszuschneiden. Um einer Bauchfellentzündung vorzubeugen, muss der infektiöse Darminhalt ausgespült werden.

Wie gut sind die Heilungsaussichten?

Wird bei einer akuten Appendizitis zügig operiert, ist die Prognose sehr gut. In den meisten Fällen heilt die Wurmfortsatzentzündung ohne bleibende Schäden aus. Bei einem unkomplizierten Verlauf dürfen die Patienten das Krankenhaus nach wenigen Tagen verlassen. Bei einer Bauchfellentzündung kann sich die Regeneration mehrere Wochen hinziehen.

Blinddarm prophylaktisch entfernen?

Theoretisch ist es möglich, den Blinddarm vorsorglich entfernen zu lassen. Mediziner raten davon jedoch ab. Eine Operation birgt immer Risiken – egal, wie routinemäßig der Eingriff sein mag.


Videos zum Thema Blinddarmentzündung

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Weiterführende Informationen zum Thema Blinddarmentzündung

>Appendizitis bei Kindern

>Blinddarmentzündung – Unabhängige Patientenberatung