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Asperger-Syndrom: Eine Form des Autismus

Manche Kinder sind anders als andere. Sie finden keine Freunde, können kein Mitgefühl für andere empfinden und beschäftigen sich am liebsten mit sich alleine. Grund für das ungewöhnliche Verhalten könnte das Asperger-Syndrom sein, das den Betroffenen jeden sozialen Umgang mit Mitmenschen erschwert.

Was ist das Asperger-Syndrom?

Was sind die Ursachen des Asperger-Syndroms?

Was sind die Symptome?

Wie erkennt der Arzt das Asperger-Syndrom?

Wie wird das Asperger-Syndrom behandelt?

Wie kann ich vorbeugen?

Wie sind die Heilungschancen?

Was ist das Asperger-Syndrom?

Das Asperger-Syndrom ist eine Kontakt- und Kommunikationsstörung. Es gilt als eine abgeschwächte Form von Autismus und wird deshalb auch als Asperger-Autismus bezeichnet. Die Betroffenen sind nicht in der Lage, persönliche Bindungen zu knüpfen, Mimik und Gestik anderer Menschen oder ihre eigenen Gefühle zu deuten.

Der Name stammt vom österreichischen Kinderarzt Hans Asperger, der das Syndrom 1943 erstmals beschrieb. Geschätzt sind unter 1.000 Kindern zwei oder drei vom Asperger-Syndrom betroffen. Die Kommunikationsstörung tritt achtmal häufiger bei Jungen und Männern auf als bei Mädchen und Frauen.

Was sind die Ursachen des Asperger-Syndroms?

Die Ursachen des Asperger-Syndroms sind bisher nicht bekannt. Möglicherweise ist die Veranlagung genetisch bedingt, denn in manchen Familien tritt das Asperger-Syndrom gehäuft auf. Ebenfalls ein Risikofaktor ist ein höheres Alter des Vaters oder der Mutter. Außerdem kann eine Infektion der Mutter während der Schwangerschaft, beispielsweise mit Röteln, Auslöser für das Asperger-Syndrom sein, ebenfalls die Einnahme von bestimmten Medikamenten.

Vermutlich kommt es beim Asperger-Syndrom in einigen Bereichen des Gehirns zu einer Unregelmäßigkeit, die die Kommunikationsstörung auslöst. Betroffen sind vor allem der Cortex, also der Bereich, der für das Empfinden von Empathie verantwortlich ist, und der Mandelkern im limbischen System, der die Reaktion auf Emotionen steuert.

Was sind die Symptome?

Wenn ein Kind sich im Kindergarten oder in der Schule schwertut, Freunde zu finden oder in irgendeiner Form soziale Kontakte zu knüpfen, könnte das bereits ein Anzeichen für Asperger sein. Zusätzlich treten jedoch noch weitere Auffälligkeiten auf. Die Symptome des Asperger-Syndroms zeigen sich vor allem im Bereich des Sozialverhaltens, der Kommunikationsfähigkeit und der eigenen Interessen. Typisch sind:

  • Unfähigkeit, Tonfall, Mimik und Gestik anderer Menschen richtig zu deuten
  • monotone Sprache
  • kaum Mimik beim Sprechen
  • großer Wortschatz und Redegewandtheit
  • Unfähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen
  • Unfähigkeit, Gefühle zu deuten
  • durchschnittliche oder sogar überdurchschnittliche Intelligenz
  • Fokus auf ungewöhnliche Interessen, die intensiv verfolgt werden (z.B. Fahrpläne auswendig lernen, spezielle Gegenstände sammeln)
  • Einhalten gewisser Tagesabläufe oder Rituale
  • Probleme mit der Motorik
  • egozentrisches Verhalten
  • vermeiden von Blickkontakt

Asperger-Betroffene können sich zwar gut ausdrücken, jedoch wissen sie nicht, wann sie laut sprechen können oder wann es besser wäre, leise zu sein. Im Gespräch mit anderen kommt es vor, dass sie ihr Gegenüber nicht ausreden lassen und selbst direkt aussprechen, was ihnen durch den Kopf geht.

Junge, der alleine auf einem Sofa sitzt.

Menschen mit Asperger-Syndrom sind häufig einsam. (c) New Africa / Fotolia

Asperger-Symptome bereits bei Kleinkindern

Das auffällige Verhalten des Asperger-Syndroms zeigt sich bereits bei Kleinkindern. Vor allem die verzögerte Entwicklung von motorischen Fähigkeiten und Bewegungsabläufen ist ein erstes Indiz für die Erkrankung. Die genannten Symptome im sozialen Umgang treten oft erst bei Kindern ab drei Jahren auf.

Wegen der verschiedenen Störungen im Verhalten und in der Wahrnehmung scheinen Asperger-Betroffene wie in einer eigenen Welt zu leben, zu der Außenstehende schwer Zugang erhalten. Im Unterschied zum Autismus sind Menschen mit Asperger-Syndrom jedoch durchaus in der Lage, ein normales Leben zu führen und ihre Umwelt wahrzunehmen. Sind die Symptome nicht stark ausgeprägt, wirken die Betroffenen oft einfach nur etwas schrullig.

In schweren Fällen kann das Asperger-Syndrom jedoch zur Behinderung werden, die das Ausüben eines Berufs fast unmöglich macht. Bei Erwachsenen mit Asperger-Syndrom bleiben die Symptome zwar bestehen, sind meistens jedoch weniger ausgeprägt als im Kindesalter.

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Wie erkennt der Arzt das Asperger-Syndrom?

Bereits ab dem dritten Lebensjahr zeigen sich bei Kindern die ersten Symptome, wenn sie sich im Kindergarten oder später in der Schule in der Gruppe oder der Klasse sozial integrieren müssen. Verhält sich ein Kind auffällig, wird der Kinderarzt an einen Kinderpsychiater überweisen, der weitere Untersuchungen macht, die auf ein Asperger-Syndrom hinweisen.

In Deutschland gibt es eine Reihe von Autismus-Spezialisten, die sich besonders mit den verschiedenen Formen der Kommunikationsstörung auskennen. Zeigt ein Kind einige der typischen Anzeichen des Asperger-Syndroms, kann der Arzt anhand von speziellen Tests seine Diagnose stellen:

  • Die Australian Scale for Asperger’s Syndrome (ASAS) ist ein Fragebogen, der zur Beurteilung der Fähigkeiten und des Verhaltens des Kindes im Grundschulalter dient.
  • Beim Autism Diagnostic Observation Schedule (ADOS) werden hingegen Situationen nachgestellt und die Reaktion und das Verhalten des Kindes beobachtet.

Asperger-Diagnose oft schwierig

Allerdings können die verschiedenen Formen des Autismus nicht immer deutlich voneinander abgegrenzt werden. Inzwischen sprechen Ärzte von Autismus-Spektrum-Störungen (abgekürzt ASS), in denen die drei Bereiche frühkindlicher Autismus, Asperger-Syndrom und atypischer Autismus zusammengefasst werden.

Denn nicht alle der typischen Asperger-Symptome müssen gleichzeitig auftreten oder gleich stark ausgeprägt sein. Für die Asperger-Diagnose bei Kindern sind verschiedene Faktoren wichtig

  • Bericht der Eltern und Erzieher/Lehrer über das Verhalten des Kindes
  • Beobachtung des Kindes in speziellen Situationen
  • Test des Entwicklungsstandes und der Intelligenz des Kindes
  • Ausschluss anderer Krankheiten (z.B. Zwangsstörungen, ADHS, Schizophrenie)

Asperger und Autismus

Die Unterschiede zwischen dem Asperger-Syndrom und Autismus liegen hauptsächlich darin, dass die Symptome bei Asperger schwächer ausgeprägt sind. Asperger-Betroffene suchen den Kontakt zu anderen Menschen, sind nur im Umgang mit deren Emotionen unbeholfen.

Autisten hingegen können sich manchmal gar nicht über die Sprache ausdrücken oder nehmen ihre Umwelt gar nicht wahr.

Asperger und ADHS

Oft vermuten besorgte Eltern hinter dem Verhalten ihres Kindes eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), doch in Wahrheit verbirgt sich dahinter ein Asperger-Syndrom.

Die Unterschiede zwischen Asperger und ADHS sind nicht immer klar erkennbar, denn viele Asperger-Kinder lassen sich ebenso wie ADHS-Kinder leicht ablenken und sind wenig aufmerksam. Oft sind sie schlecht in der Schule, obwohl sie hochintelligent sind. Bei vielen Kindern treten beide Störungen sogar gleichzeitig auf.

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Asperger-Syndrom bei Erwachsenen

In der Regel wird Asperger bereits im Kindesalter festgestellt. Dennoch erhalten einige die Asperger-Diagnose erst im Erwachsenenalter. Meist sind die Betroffenen überdurchschnittlich intelligent, haben keine Freunde und oft auch keine Arbeit, da sie sich trotz hoher Intelligenz schwertun, sich in soziale Strukturen einzuordnen. Erwachsene mit Asperger-Syndrom haben häufig keine Beziehung oder Partnerschaft.

Im Erwachsenenalter treten bei vielen Betroffenen noch weitere psychische Erkrankungen auf. Oft leiden erwachsene Asperger-Patienten zusätzlich unter Depressionen, einer Bipolaren Störung oder Tourette-Syndrom. Essstörungen, Angststörungen und aggressives Verhalten mit Wutausbrüchen und wilden Beschimpfungen der Mitmenschen sind ebenfalls möglich.

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Wie wird das Asperger-Syndrom behandelt?

Wie und ob die Erkrankung behandelt wird, richtet sich nach der Ausprägung der Symptome. Manche Betroffene können trotz der Kommunikationsstörung ein geregeltes Leben führen und einem Beruf nachgehen. Bei anderen kann eine Therapie helfen, um im sozialen Leben zurechtzukommen.

Im Idealfall beginnt die Therapie bereits im Kindesalter. Dabei wird die soziale Wahrnehmung trainiert und die Begabung des Kindes gefördert. Beispielsweise lernt das Kind anhand von Fotos, die Emotionen der darauf abgebildeten Personen zu deuten. Ebenfalls werden gewisse Situationen nachgestellt, in denen das Kind lernt, sich richtig zu verhalten. Bei der Therapie des Asperger-Syndroms ist nicht nur der Therapeut gefordert, sondern auch die Eltern, um besser auf ihr Kind und dessen besondere Bedürfnisse eingehen zu können.

Eine medikamentöse Behandlung des Asperger-Syndroms gibt es in der Regel nicht. In Ausnahmefällen können Medikamente verordnet werden, wenn eine weitere Erkrankung diagnostiziert wird, beispielsweise ADHS.

Wie kann ich vorbeugen?

Es ist bisher nicht möglich, dem Asperger-Syndrom vorzubeugen, da die Ursachen nicht bekannt sind und die Veranlagung vermutlich angeboren ist.

Durch eine gezielte Therapie können Betroffene jedoch in gewisser Weise Sozialverhalten und Kommunikation erlernen, wodurch sie im Alltag und im Umgang mit anderen Menschen gut zurechtkommen können.

Wie sind die Heilungschancen?

Das Asperger-Syndrom ist nicht heilbar. Vielen Betroffenen gelingt es jedoch ganz gut, die eigenen Defizite vor anderen Menschen zu verbergen. Zusätzlich unterstützt eine lebenslang durchgeführte Therapie, dass sich die Betroffenen in der Gesellschaft zurechtfinden.

Wird die Therapie bereits im Kindesalter begonnen, können die Betroffenen später sogar ein ganz normales Leben führen.

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