Gesundheit kompakt

Anosmie

Der Duft von Rosen oder von frisch gebackenem Brot sind für an Anosmie erkrankte Personen nur noch vage Erinnerungen – und auch das Lieblingsessen schmeckt plötzlich nicht mehr. Welche große Rolle der Geruchssinn im Alltag spielt, bemerken Betroffene oft erst dann, wenn er wegfällt.

Die Anosmie stellt eine starke Beeinträchtigung dar und führt zu einem großen Verlust an Lebensqualität. In Deutschland sind etwa fünf Prozent der Bevölkerung von Anosmie betroffen. Bei den über 80-Jährigen leidet bereits jeder Zweite unter mehr oder weniger eingeschränktem Riechvermögen.

Was ist Anosmie?
Was sind die Ursachen der Anosmie?
Was sind die Symptome?
Wie erkennt der Arzt Anosmie?
Wie wird Anosmie behandelt?
Wie kann ich vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei Anosmie?

Was ist Anosmie?

Der Begriff Anosmie (an =Verneinungsartikel, osme= Geruch) stammt aus dem Griechischen und bezeichnet den Verlust des Geruchssinns. Diese Erkrankung kann in verschiedenen Formen auftreten und bezeichnet entweder eine starke Minderung des Geruchssinnes oder dessen kompletten Verlust. Handelt es sich um einen kompletten Verlust des Sinnes, spricht man von einer totalen Anosmie. Bei einer selektiven Anosmie hingegen fehlen nur gewisse Geruchseindrücke.

Sogenannte Riechzellen in der Nase leiten Informationen über den Riechnerv weiter ins Gehirn, wo Gerüche wahrgenommen und verarbeitet werden. Ein gesunder Mensch kann über 10.000 verschiedene Gerüche unterscheiden. Bei einer an Anosmie erkrankten Person ist dieser physiologische Prozess gestört. In Folge dessen können Gerüche gar nicht mehr oder nur sehr schwach wahrnehmen. Der genaue Vorgang, der Geruchsinformationen in Geruchswahrnehmungen umwandelt, ist bis heute noch nicht genau bekannt.

Da der Geschmackssinn eng an den Geruchssinn gekoppelt ist, wird auch dieser beeinträchtigt und es können nur noch grundlegende Geschmacksrichtungen erkannt werden. Der Gehirnteil, der für den Geruchssinn verantwortlich ist, ist zusätzlich auch eng mit dem Gefühlszentrum verknüpft und so kommt es auch nicht selten zu einer Gefühlsverflachung. Für Betroffene bedeutet dies einen großen Verlust an Lebensqualität. Manche Berufe können auch nicht mehr ausgeübt werden (Parfümeur, Koch, Elektriker, Gasinstallateur, Sommelier).

Wann Anosmie gefährlich wird

Gefährlich wird die Erkrankung dann, wenn Gas- und Rauchgeruch oder verdorbene Lebensmittel nicht erkannt werden können.

Was sind die Ursachen der Anosmie?

Die Erkrankung kann viele verschiedene Gründe haben. Die häufigste Ursache ist eine altersbedingte Degeneration von Nerven- oder Gehirnzellen. Dieser Prozess entwickelt sich schleichend über Jahre und wird häufig erst spät bemerkt. Nur in ganz seltenen Fällen ist eine Anosmie angeboren.

Doch auch eine krumme Nasenscheidewand, Allergien oder eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung können zum Verlust des Geruchssinnes führen. Rauchen, Antibiotika, gewisse Medikamente oder chemische Stoffe und Vergiftungen können die Ursachen der Krankheit sein.

Auch im Gehirn selbst kann die Ursache für die Anosmie liegen: Beispielsweise durch ein Schädel-Hirn-Trauma nach einem Unfall, durch einen Tumor, einen Schlaganfall, Hirnblutungen oder durch neurodegenerative Erkrankungen (Alzheimer, Demenz oder Parkinson). Teilweise kann die Erkrankung auch psychische Ursachen haben. Nicht selten kann der Verlust des Geruchssinns auf keine Ursache zurückgeführt werden. In diesem Fall sprechen Mediziner von einer idiopathischen Anosmie.

Was sind die Symptome?

Je nach Art der Erkrankung verliert die betroffene Person entweder den kompletten Geruchssinn (totale Anosmie) oder kann gewisse Gerüche nicht mehr wahrnehmen (selektive Anosmie). Durch den verminderten Geschmackssinn ist die Lebensqualität der Betroffenen oft stark eingeschränkt.

Als große Belastung empfinden Betroffene, dass sie den eigenen Körpergeruch nicht mehr wahrgenommen können. So entsteht eine ständige Angst vor unangenehmen Körpergeruch (besonders nach dem Sport) oder zu stark aufgetragenem Parfum. Auch zwischenmenschliche Beziehungen leiden unter dem Verlust des Geruchssinns, da Geruchsnuancen unterbewusst eine entscheidende Rolle bei der Auswahl von Freunden und Partnern spielen.

Auch Gewichtsverlust und Mangelernährung auf Grund von Appetitlosigkeit können die Folge sein. Ebenso kann es jedoch sein, dass Betroffene sehr viel Süßes zu sich nehmen, da dieser intensive Geschmack noch eher wahrgenommen werden kann. Dies hat eine Gewichtszunahme zur Folge und kann auch zu einer Insulinresistenz führen.

Wer den Geruchssinn verliert, kann dadurch depressiv werden. (c) De Visu / Fotolia

Depressionen durch fehlenden Geruchssinn

Auch geliebte Düfte und Parfüms, die mit schönen Erinnerungen verknüpft sind, können nicht mehr wahrgenommen werden. Obwohl die Behinderung durch die Anosmie von außen nicht direkt wahrgenommen werden kann, hinterlässt die Krankheit häufig dramatische Spuren bei den Betroffenen und kann eine starke Depression auslösen.

Wie erkennt der Arzt Anosmie?

Zunächst wird beim Arzt eine Nasenspiegelung (Rhinoskopie) durchgeführt, um den Zustand der Schleimhaut beurteilen zu können. Entzündungen und Nasenpolypen werden so gut erkannt. Außerdem führt der HNO-Arzt eine Riechprüfung durch, um den Ort der Störung lokalisieren zu können. Hierfür präsentiert der Spezialist dem Patienten charakteristische Duftstoffe wie Pfefferminze, Kaffee oder Menthol, in unterschiedlichen Konzentrationen. Der Patient wird gebeten, diese Gerüche zu identifizieren und liefert dem Arzt so Informationen darüber, ob die Duftstoffe erkannt werden können und in welcher Konzentration.

Auch eine elektrische Reaktionsolfaktometrie kann bei der Diagnose zum Einsatz kommen. Hierfür wird der Patient ebenfalls bestimmten Gerüchen ausgesetzt. Doch anders als die subjektiven Ergebnisse des Reichtests liefert die Reaktionsolfaktometrie objektive Ergebnisse. Denn die durch die Reizstoffe ausgelösten Hirnströme werden am Computer erfasst und ausgewertet. Bildgebende Verfahren, wie eine Computertomographie (ct) oder eine Magnetresonanztomographie (mrt) werden bei Verdacht auf eine Schädigung der zentralen Nervenstrukturen zusätzlich eingesetzt.

Bei einer angeborenen Anosmie erfolgt die Diagnose häufig recht spät, da diese Personen zunächst gar nicht bemerken, dass ihnen etwas fehlt und es für das Umfeld von außen schwer feststellbar ist.

Wie wird Anosmie behandelt?

Die Behandlung von Riechstörungen ist teilweise sehr langwierig und erfordert viel Geduld. Doch nicht selten verschwindet die Störung auch nach einer gewissen Zeit von ganz alleine wieder. Die Therapie der Anosmie richtet sich in der Regel nach der Ursache der Erkrankung. Wird diese behoben, kehrt in den meisten Fällen auch der Geruchssinn wieder zurück. Sogenannte Riechtrainings helfen bei der Heilung der Anosmie und werden häufig empfohlen, da davon ausgegangen wird, dass die Riechzellen durch konstantes Training wieder nachwachsen können.

Im Falle von Nasenpolypen oder einer schiefen Nasenscheidewand kann eine Operation das Riechvermögen wiederherstellen. Sind Entzündungen der Grund für die Erkrankung, kehrt der Geruchssinn häufig nach einem Abklingen der Entzündungen wieder zurück. Hier verschreibt der Arzt Kortison, um die Entzündung abklingen zu lassen. Allergien oder chronische Schleimhautentzündungen behandelt der Arzt mit abschwellenden Medikamenten. Bei postviralen Störungen werden neben Kortison aktuell unterschiedlichste Medikamente zur Behandlung erforscht.

Manche Formen der Anosmie lassen sich nur schwer behandeln

Waren Medikamente die Ursache des Verlustes des Geruchssinnes, sollten diese, wenn möglich durch ein anderes Präparat ausgetauscht werden, das individuell besser vertragen wird. Ist ein Schädel-Hirn-Trauma Grund für die Riechstörung, sind die Heilungschancen deutlich schlechter. Nur circa 20 Prozent erlangen in diesem Fall ihren Geruchssinn zurück. Es wird angenommen, dass bei einer posttraumatischen Anosmie die Riech-Fäden in der Nase gerissen sind und sich deshalb nicht mehr regenerieren können.

Ist die Anosmie die Folge einer degenerativen Erkrankung wie Alzheimer, Demenz oder Parkinson, sollte das Augenmerk auf der Behandlung der Grunderkrankung liegen. Die durch einen Viruseffekt ausgelöste Anosmie kann noch nicht erfolgreich medikamentös behandelt. Hier kann es zu einem dauerhaften Schaden an den Riechzellen kommen, der nicht therapiert werden kann.

Wie kann ich vorbeugen?

Der Verlust des Geruchsinnes kann prophylaktisch nicht verhindert werden. Um der altersbedingten Anosmie vorzubeugen, die sich sehr schleichend entwickelt, können jährliche Riechtests beim Facharzt durchgeführt werden. So kann der Verlust des Geruchssinnes frühzeitig erkannt und behandelt werden. Der Verzicht auf Alkohol und Nikotin mindert das Risiko einer durch Genussmittel ausgelösten Anosmie.

Wie sind die Heilungschancen bei Anosmie?

In vielen Fällen lässt sich Anosmie wieder heilen. Besonders die Spontanheilungsrate ist recht hoch und die betroffenen Personen erhalten ihren Geruchssinn zurück.

Betroffene, die an Riechtrainings teilnehmen, haben gute Chancen, ihren Geruchssinn vollständig oder zumindest teilweise zurück zu erlangen.

Hält die Anosmie allerdings länger als ein Jahr an oder wurde durch einen Virus oder einen Unfall ausgelöst, kann es sein, dass die Riechzellen schon so stark geschädigt sind, dass ein Wiedererlangen des Geruchssinns nahezu unmöglich ist.