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Achlorhydrie

Produzieren die Zellen der Magenschleimhaut nicht genügend Salzsäure, kann die Nahrung nicht richtig verdaut werden. Der daraus resultierende Nährstoffmangel führt zu schweren Gesundheitsproblemen. Lesen Sie hier, woran Sie eine Achlorhydrie erkennen und wie sie behandelt wird.

Achlorhydrie – Was ist das?
Was sind die Ursachen einer Achlorhydrie?
Was sind die Symptome einer Achlorhydrie?
Wie erkennt der Arzt eine Achlorhydrie?
Wie wird eine Achlorhydrie behandelt?
Wie kann ich vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei Achlorhydrie?

Achlorhydrie – Was ist das?

Wenn sich im Magensaft eines Patienten kaum oder keinerlei Salzsäure befindet, sprechen Mediziner von einer Achlorhydrie. Der Begriff setzt sich zusammen aus den griechischen Wörtern für “nicht”, “gelbgrün” und “Wasser”. Zum Hintergrund: Die Aufgabe des Magensafts ist es, die aufgenommene Nahrung zu zersetzen und für die Verdauung im Darm vorzubereiten. Bei gesunden Menschen ist der Magensaft eine wässrige Lösung mit etwa 0,5 Prozent Salzsäure.

Liegt eine Achlorhydrie vor, ist diese Zusammensetzung der Magensäure krankhaft verändert. Der Grund hierfür ist eine gestörte Salzsäuresekretion der sogenannten Parietalzellen. Dabei handelt es sich um große Drüsenzellen in der Magenschleimhaut, welche durch die Absonderung von Salzsäure für den niedrigen pH-Wert im Magen sorgen.

Es gibt verschiedene Formen von Achlorhydrie. In vielen Fällen steckt hinter den Beschwerden ein kompletter Funktionsverlust der Parietalzellen. Laut Definition liegt eine absolute Achlorhydrie vor, wenn die Produktion der Salzsäure nicht durch die Gabe von Pentagastrin angeregt werden kann. Pentagastrin ist ein synthetisches Peptid, das die gleiche Wirkung wie das körpereigene Peptidhormon Gastrin erzielt, welches natürlicherweise im Magen-Darm-Trakt vorkommt.

Bei der relativen oder chemischen Achlorhydrie sind die Drüsenzellen funktionstüchtig und die Salzsäure im Magen fehlt nur scheinbar. Dies kann zum Beispiel im Rahmen einer Pylorusinsuffizienz geschehen: “Pylorus” heißt auf Deutsch “Magenpförtner” und bezeichnet die ringförmige glatte Muskulatur zwischen dem Magen und dem Zwölffingerdarm. Kann dieser “Pförtner” seine Aufgabe nicht richtig erfüllen, fließt der Nahrungsbrei aus dem Zwölffingerdarm zurück in den Magen und die Zusammensetzung der Magensäure verändert sich. Die nun nicht-saure Eigenschaft des Magensafts wird auch Anazidität genannt.

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Was sind die Ursachen einer Achlorhydrie?

Dass die Parietalzellen scheinbar oder tatsächlich keine oder kaum Salzsäure produzieren, kann verschiede Ursachen haben. Meist liegt eine Grunderkrankung vor, beispielsweise eine Typ-A-Gastritis: In diesem Fall greifen Autoantikörper die magensäurebildenden Belegzellen an und zerstören diese. Die Gründe hierfür sind bisher nicht abschließend geklärt. Allerdings ist die Typ-A-Gastritis, die auch Autoimmungastritis oder atrophische Gastritis genannt wird, relativ selten. Nur fünf Prozent aller chronischen Magenschleimhautentzündungen entfallen auf den Typ A. Eine weitere Krankheit, die eine Achlorhydrie mit sich bringen kann, ist ein Magenkarzinom, also Magenkrebs.

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Darüber hinaus können verschiedene medizinische Behandlungen zu einem erheblichen Mangel an Salzsäure im Magensaft führen, etwa die Gabe von Protonenpumpenhemmern, die im Volksmund auch “Magenschutz” genannt werden. Auch eine Vagotomie, eine Operation zur Behandlung eines Magengeschwürs, kann eine Achlorhydrie nach sich ziehen.

Gut zu wissen: Neben dem Fachbegriff Achlorhydrie wird auch der Terminus Hypochlorhydrie verwendet. Während die Achlorhydrie einen Mangel an bzw. das komplette Fehlen von Salzsäure innerhalb der Magensäure bezeichnet, meint Hypochlorhydrie eine verminderte Produktion von Magensäure.

Eine Person mit Magenschmerzen

Die Magensäure ist essentiell für die Verdauung. (c) Colourbox

Was sind die Symptome einer Achlorhydrie?

Befindet sich im Magensaft keine oder zu wenig Salzsäure, kann der Patient die Nahrung nicht richtig verdauen. Dies führt zu zahlreichen gesundheitlichen Problemen, da wichtige Nährstoffe wie Vitamin B12 und Eisen vom Körper nicht vollständig aufgenommen werden können.

Die Folgen sind beispielsweise eine perniziöse Anämie, eine besondere Form der Blutarmut, die auf einen Vitamin-B12-Mangel zurückgeht. Diese Krankheit, die auch unter dem Namen Morbus Biermer bekannt ist, äußerst sich in verschiedenen Symptomen wie Müdigkeit, Blässe, Hautkribbeln, Gangunsicherheit und Koordinationsstörungen.

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Typisch für eine Achlorhydrie sind auch Verdauungsstörungen, wässriger Durchfall und Bauchschmerzen. Dazu können aufgrund des Eisenmangels psychische und kognitive Probleme hinzukommen, wie Konzentrationsschwäche, Psychosen und Depressionen, bis hin zu Selbstmordgedanken. Auch Haarausfall, Kurzatmigkeit und brüchige Nägel deuten auf einen Eisenmangel hin.

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Wie erkennt der Arzt eine Achlorhydrie?

Um seine Diagnose zu stellen, kann der behandelnde Arzt mehrere Untersuchungen durchführen. Durch Blutanalysen lassen sich die gesundheitlichen Folgen der Achlorhydrie feststellen, etwa die perniziöse Anämie und die kompensatorische Hypergastrinämie, also der übermäßige Gehalt an Gastrin im Blut.

Das Fehlen der Salzsäure kann durch eine pH-Analyse des Magensafts nachgewiesen werden. Dazu verwendet der Arzt in der Regel eine Magensonde. Ob sich die Parietalzellen stimulieren und zur Säureproduktion anregen lassen, testet man durch die Gabe von Pentagastrin.

Wird der Mangel an Salzsäure bzw. die Funktionsuntüchtigkeit der Drüsenzellen festgestellt, können sich weitere Untersuchungen anschließen, um die Ursache abzuklären und die Diagnose zu sichern. Möglich sind hier beispielsweise eine Ultraschall- oder Röntgenuntersuchung. Mitunter wird auch eine Magenspiegelung, fachsprachlich Gastroskopie genannt, durchgeführt.

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Wie wird eine Achlorhydrie behandelt?

Die Therapie hängt von der Ursache und der Ausprägung der Krankheit ab. Während bei der absoluten Achlorhydrie die Gabe von Pentagastrin keine Wirkung zeigt, kann sie bei der relativen bzw. unvollständigen Form durchaus zum Erfolg führen und die Parietalzellen zur Säureproduktion anregen.

Um den Nährstoffmangel auszugleichen und der perniziösen Anämie entgegenzuwirken, bekommt der Patient Vitamin B12 verabreicht. In einigen Fällen kann es auch angebracht sein, dem Betroffenen Eisenpräparate zu geben.

Um den Magen nicht zusätzlich zu reizen, sollten die Patienten auf besonders fette oder scharf gewürzte Speisen verzichten. Kaffee und Alkohol sollten ebenfalls vom Speiseplan gestrichen werden. Außerdem sollten die Betroffenen lieber mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt statt weniger großer Portionen zu sich nehmen und ausreichend Wasser trinken.

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Gemüse und Obst farblich sortiert angeordnet.

Viel Obst und Gemüse kann das Risiko der Erkrankung senken. (c) Colourbox

Wie kann ich vorbeugen?

Da der Achlorhydrie meist Erkrankungen wie Magenkrebs oder eine Typ-A-Gastritis zugrunde liegen, lässt sich diesem gesundheitlichen Problem nicht konkret vorbeugen.

Dennoch können Sie etwas tun: Um das Risiko für eine Magenkrebs-Erkrankung zu senken, empfiehlt die Deutsche Krebsgesellschaft eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse.

Frittierte, gegrillte, gepökelte oder geräucherte Nahrung sollten Sie nur in Maßen genießen, da diese im Verdacht stehen, krebserregende Stoffe zu enthalten. Vermeiden Sie außerdem den Kontakt mit Schimmelpilzen und rauchen Sie nicht.

Wie sind die Heilungschancen bei Achlorhydrie?

Wann sollten Sie zum Arzt gehen? Um die negativen Folgen der Krankheit schnell in den Griff zu bekommen, sollten Sie möglichst bald einen Mediziner aufsuchen, wenn Sie die entsprechenden Symptome bei sich bemerken.

Schon nach einer Woche der Behandlung stellt sich meist eine deutliche Besserung ein. Neben der Achlorhydrie muss aber unbedingt auch die zugrundeliegende Krankheit wie das Magenkarzinom oder die Typ-A-Gastritis therapiert werden.

Hat die Psyche unter dem Nährstoffmangel gelitten, den die Erkrankung verursacht, ist eine begleitende Psychotherapie empfehlenswert. Unbehandelt drohen bei Achlorhydrie schwere Komplikationen, etwa Organschäden.