Alternativmedizin & Naturheilkunde

Kokosöl: Das kann es wirklich

Mal ehrlich: Es gibt eine Menge Wellness- und Gesundheitstrends, die wir uns getrost in die Haare schmieren können. Beim vielgepriesenen Kokosöl ist das anders: Nicht nur in die Haare geschmiert erzielt es tolle Ergebnisse. Wir erklären Ihnen, was das Öl aus der Kokosnuss sonst noch alles kann – aber auch, was nicht.

Kokosöl spielt besonders in der veganen Küche eine wichtige Rolle. Auch für asiatische Gerichte wird es wegen seines mild-süßlichen Geschmacks gerne verwendet. In jüngster Zeit entstand ein regelrechter Hype um das Öl. Zum einen, weil es als besonders gesundes Nahrungsmittel – oder Neudeutsch: Superfood – gilt. Zum anderen, weil es auch außerhalb der Küche vielseitig einsetzbar ist – vor allem in der Körperpflege. Ist Kokosöl also ein Alleskönner oder gar ein Wundermittel?

Was ist drin im Kokosöl?

Kokosöl enthält eine große Menge an gesättigten Fettsäuren. Der Großteil davon sind sogenannte mittelkettige Triglyceride (MCT), die vor allem aus Laurinsäure bestehen. Diese soll eine antibakterielle Wirkung haben, das Immunsystem stärken und sogar erhöhte Cholesterinwerte und das Herz-Kreislauf-System günstig beeinflussen. Echte Kokosöl-Fans essen darum jeden Tag einen Löffel davon.

Gesättigte Fettsäuren: Fördern die nicht Herzkrankheiten und hohe Cholesterinwerte? Davon gingen Mediziner wie Ernährungsexperten jahrelang aus, doch diese Annahme muss relativiert werden – das zeigen aktuelle Studien. Sie ergaben, dass gesättigte Fettsäuren dem Körper nicht mehr schaden als ungesättigte Fettsäuren – zumindest nicht in dem Ausmaß wie bisher angenommen.

Auch die große Menge an Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen, Aminosäuren und Antioxidantien, die man Kokosöl gerne nachsagt, ist noch nicht eindeutig nachgewiesen. Für seine vermeintlich positive Wirkung auf den Stoffwechsel und die Blutzuckerwerte gibt es ebenso wenig ausreichende Belege.

Fazit: Viele gesundheitliche Vorzüge, die Kokosöl nachgesagt werden, sollte man mit Vorsicht genießen. Sie können zutreffen, aber wissenschaftliche Nachweise gibt es dafür nicht. Allerdings gilt auch: Schaden wird Ihnen Kokosöl Ihnen nicht – solange Sie nicht täglich ein ganzes Glas davon essen, versteht sich.

> Wie gesund ist Kokoswasser?

So können Sie Kokosöl nutzen

Kokosöl lässt sich so vielseitig einsetzen wie kaum ein anderes Öl.  Verwenden Sie aber nur hochwertiges, natives Öl, das so naturbelassen wie möglich ist. Diese Qualität finden Sie in Reformhäusern und Bioläden. Industriell hergestellte, raffinierte Produkte enthalten nur wenige wertvolle Inhaltsstoffe.

Für die Hautpflege

  • Kokosöl ist eine gute Alternative zu reichhaltigen Körperlotionen. Besonders die Lippen, aber auch raue und trockene Ellbogen, Füße oder Hände profitieren davon. Auch für ein Peeling eignet sich Kokosöl: 200 ml Öl mit 100 g braunem Zucker und 50 Gramm Honig mischen, in die Haut einmassieren und nach fünf Minuten abspülen.
  • Viele Anwender bemerken einen antibakteriellen Effekt von Kokosöl bei Pickeln oder kleineren Kratzern. In manchen Fällen soll es sogar Neurodermitis gelindert haben. Wissenschaftlich bewiesen ist diese Wirkung jedoch nicht.
  • Kokosöl kann Fältchen entgegenwirken – falls die Behauptung zutrifft, dass es viele Vitamine, Mineralien und Antioxidantien enthält. Seine Lipide (Fettsäuren) glätten die Haut aber in jedem Fall – also ruhig einmal ausprobieren.
  • Auch als Make-up-Entferner und Rasiergel hat sich Kokosöl bewährt.
  • Kokosöl kann auch als leichter Sonnenschutz dienen. Es blockt etwa 20 Prozent der UV-Strahlung, was einem Lichtschutzfaktor von vier bis fünf entspricht.
  • Auch als hautfreundliches Deodorant soll sich Kokosöl eignen. Entweder pur auf die Haut der Achselhöhlen auftragen oder vorher mit etwas Backpulver und Maisstärke vermischen – so hält die desodorierende Wirkung länger an.
  • Ein Löffel Kokosöl im Badewasser pflegt die Haut und macht die Feuchtigkeitslotion danach überflüssig. Der zarte Kokosduft ist ein schöner Nebeneffekt.
  • Mit Kokosöl soll sich Milchschorf bei Säuglingen leichter entfernen lassen. Auch an Stelle von Wundsalbe für den strapazierten Baby-Po wird es empfohlen.
Frau mit Kokosöl

Kokosöl ist in der Körperpflege vielseitig einsetzbar. (c) Africa Studio / fotolia

Für die Haarpflege

Trockene, spröde Haare lieben das reichhaltige Kokosöl. Lassen Sie es über Nacht einwirken oder verteilen Sie mit den Handflächen eine kleine Menge in die trockenen Spitzen. Bei regelmäßiger Anwendung erhält das Haar einen gesunden Glanz. Auch gegen Kopfschuppen soll Kokosöl helfen.

Für die Zahnpflege

In der ayurvedischen Heilkunde wird das sogenannte Ölziehen angewandt, um den Körper zu entgiften und Bakterien im Mundraum in Schach zu halten. Eine wissenschaftliche Studie ergab, dass Kokosöl, im Gegensatz zu anderen Ölen, Wirkstoffe enthält, die den Erreger von Karies bekämpfen.

> Eine Anleitung für das Ölziehen finden Sie hier

Gegen Fuß- und Nagelpilz

Die mittelkettigen Fettsäuren im Kokosöl haben einigen Studien zufolge eine fungizide Wirkung, das heißt: Sie töten Pilze ab und sind ein natürliches Mittel, um Fuß- und Nagelpilz vorzubeugen.

Gegen Zecken und Läuse

Tests ergaben, dass Zecken und Läuse die Laurinsäure im Kokosöl nicht ausstehen können. Von Körperstellen, die damit behandelt wurden, halten sie sich weitgehend fern. Diese Wirkung nutzen viele Tierhalter: Sie berichten, ihre Hunde und Katzen seien dank des Öls weniger von Zecken und Milben befallen.

Zum Abnehmen

Im Rahmen einer experimentellen Studie nahmen Frauen während einer Diät drei Monate lang täglich 30 Milliliter Kokosöl zu sich. Am Ende wurde bei ihnen weniger Bauchfett nachgewiesen als bei den Personen der Vergleichsgruppe, die kein Kokosöl gegessen hatten. Man geht davon aus, dass die im Öl enthaltenen mittelkettigen Fettsäuren eine besondere Wirkung auf den Fettstoffwechsel haben. Eindeutig nachgewiesen ist dies allerdings nicht. Hinzu kommt: Im Rahmen der Studie wurde nicht überprüft, wie viel Sport die Testpersonen während ihrer Diät machten.

Ob Kokosöl ein echter Abnehm-Helfer ist, ist also noch nicht geklärt. Einen Versuch ist es aber allemal wert. Aber denken Sie daran, dass 100 Gramm Kokosöl etwa 900 Kilokalorien (Kcal) enthalten und Sie deshalb nur winzige Portionen davon essen sollten – sonst ist die Diät futsch.

Kokosöl als Ergänzung, nicht als Allheilmittel

Wer langfristig gesund bleiben möchte, sollte auf eine ausgewogene Ernährung achten. Kokosöl kann dabei eine nützliche Zutat sein. Dass es allein einen großen Einfluss auf unsere Gesundheit hat, muss erst noch nachgewiesen werden. In der Haut- und Haarpflege ist es schon jetzt ein wertvoller Helfer, der in keinem Badezimmer fehlen sollte.