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Jugendliche: Schlechte Ernährung, wenig Bewegung

Die Jugend von heute … feiert, trinkt und raucht, urteilt manch Erwachsener voreilig. Dabei sind Zigaretten und Schnaps längst nicht mehr die größte Bedrohung für ihre Gesundheit. Das heißt aber nicht, dass Jugendliche jetzt gesünder leben. Pizza, Pasta, Burger und das Rumlungern auf dem Sofa fordern stattdessen ihren Preis, wie eine aktuelle WHO-Studie dokumentiert.

Erfreulich ist: Seit 2010 ist der Alkohol- und Zigarettenkonsum bei Jugendlichen zwischen 11 und 15 Jahren in Europa und Nordamerika deutlich gesunken. Kein Anlass zur Freude ist dagegen, dass ausgewogene Ernährung und Bewegung im Leben vieler junger Menschen keine große Rolle mehr spielen. Das zeigte ein Report über das Gesundheitsverhalten von Kindern im schulpflichtigen Alter (Health Behaviour in School-Aged Children oder kurz: HBSC), der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Auftrag gegeben wurde.*

Ungesund und unbewegt

Die Studie gibt Experten zu denken. Sie bemängeln den Lebensstil der Halbwüchsigen: Die jungen Leute achten kaum auf ihre Ernährung, die Zahl der Übergewichtigen unter ihnen steigt stetig, während es an sportlicher Aktivität mächtig mangelt.

In Europa und Nordamerika ist etwa ein Viertel der befragten Jungen übergewichtig oder adipös. Bei den Mädchen sind es etwas weniger. In Deutschland trifft die Aussage auf gut ein Fünftel der Jungen und 13 Prozent der Mädchen zu.

„Es ist viel einfacher, an Junkfood zu kommen, und es schmeckt ja auch viel besser als Obst und Gemüse“, sagt ein 15-jähriger Engländer und spricht damit offenbar für eine ganze Generation. Nur 29 Prozent der Jungen und 37 Prozent der Mädchen in dem Alter essen täglich Obst. Auch auf Frühstück oder gemeinsame Mahlzeiten mit der Familie legen sie wenig Wert und verzichten oft darauf.

Außerdem bewegen sich die Jugendlichen zu wenig. In allen Studienländern hält nur einer von fünf Jungs und eins von zehn Mädchen die Empfehlung einer körperlichen Aktivität von 60 Minuten am Tag ein. In Deutschland betätigen sich im Schnitt weniger als 13 Prozent täglich körperlich.

„Die Ergebnisse sollten Anlass für entsprechende Strategien der Gesundheitsförderung geben, die auf die körperliche Aktivität, die Ernährung und auch die psychosomatische Gesundheit fokussieren“, schlussfolgert Prof. Dr. Matthias Richter, Leiter des deutschen Teils der HBSC-Studie.

Weniger Zigaretten und Alkohol

Immerhin bedrohen Zigaretten die Gesundheit junger Menschen nicht mehr so sehr. Teenager zwischen 11 und 15 Jahren greifen erheblich seltener zum Glimmstängel, so der WHO-Report. Während 2010 beinahe jedes vierte Kind angab, im Alter von 13 Jahren erstmals geraucht zu haben, waren es 2014 nur noch 17 Prozent. Bei den Mädchen zeigte sich ein stärkerer Rückgang: Die Zahl sank von 22 auf 13 Prozent, bei den Jungs ging sie von 26 auf 22 Prozent zurück.

Auch das Trinkverhalten der Jugendlichen hat sich verändert. Der Anteil der unter 15-Jährigen, die angaben, wöchentlich Alkohol zu konsumieren, ging von 21 auf 13 Prozent zurück. Ein erstaunliches Ergebnis – besonders im Hinblick darauf, dass sogenannte Flatratepartys vor ein paar Jahren noch zu einer ausgelassenen Trinkkultur unter Jugendlichen in Deutschland führten. Großteils geht der erfreuliche Abwärtstrend auf die erhöhte Besteuerung und verbesserte Kennzeichnung von „Alkopops“ infolge des erschreckenden HBSC-Berichts von 2003 zurück.

 

*In der jüngsten Erhebung von 2014 nahmen 200.000 Schüler aus 42 Ländern teil. Die HBSC-Umfrage wird seit 1982 alle vier Jahre von der WHO initiiert.