Gesunde Ernährung

Insekten-Food – Eklig oder gesund?

Es krabbelt, kriecht und springt – und landet auf unseren Tellern. Während die einen beim Verzehr von Insekten an Mutproben aus dem Dschungel Camp denken, schätzen andere den jungen Food-Trend als kulinarisches Abenteuer und sehen darin die Zukunft der Ernährung. Doch inwiefern sollen Käfer, Larven und Co. eine Alternative darstellen und welche gesundheitlichen und ökologischen Vorteile bieten sie?

Seit Anfang 2018 dürfen laut der Novel-Food-Verordnung auch ganze Insekten deutschlandweit in Restaurants angeboten werden. Was für europäische Schleckermäuler zuerst skurril und ekelerregend klingt, gehört in vielen Ländern seit langer Zeit zum festen Speiseplan. In Asien, Afrika, Lateinamerika und Australien ist die Zubereitung von Insekten gang und gäbe. Besonders gerne werden Käfer, Raupen, Ameisen und Heuschrecken verzehrt und gelten teils als Grundnahrungsmittel.

Reich an Eiweiß, Vitaminen und Spurenelementen

Es gibt knapp 2000 essbare Insektenarten und die Forschung steht erst am Anfang, die Verzehrbarkeit zu bewerten. Im Allgemeinen gelten Insekten als sehr gesunde Proteinlieferanten, die über eine gute Nährstoffzusammensetzung verfügen. In den Krabbeltieren finden sich u.a. Magnesium, B-Vitamine, reichlich Spurenelemente und essenzielle Aminosäuren, die den menschlichen Organismus am Laufen halten. Mehlwürmer gelten als besonders gesund, da sie einen hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren enthalten und in ihrem Nährstoffangebot mit Fisch vergleichbar sind. Maden, Raupen und getrocknete Wanderheuschrecken haben einen ebenso hohen Eiweißgehalt wie Hühnerfleisch. Die essbaren Insekten passen zu einer proteinreichen Ernährung, bieten aber auch eine Alternative zu tierischen Eiweißquellen.

Dennoch gibt es wie bei jedem Lebensmittel ein allergenes Risiko. Insekten gehören wie etwa Garnelen zu den Gliederfüßlern. Wer also auf Schalentiere allergisch reagiert, sollte beim Verzehr von Insekten vorsichtig sein.

Insekten als Lösung für Welthunger und Umweltschutz

Auslöser für die Diskussion zu Insekten als alternative Proteinquelle ist das Welthungerproblem. Bis 2050 rechnet man mit einer Weltbevölkerung von neun Milliarden Menschen, die alle ernährt werden möchten. Da gerade tierisches Eiweiß ein essenzieller Bestandteil der Ernährung ist, drohen auf kurz oder lang Nahrungsengpässe. Denn für die konventionelle Viehzucht werden große Mengen an Ernteerzeugnissen wie Soja, Getreide oder Mais, sowie weite Nutzflächen benötigt, die an anderer Stelle fehlen und zu Nahrungsmangel führen. Zudem gehen mit der Massentierhaltung Umweltprobleme wie die Überfischung der Meere, eine hohe CO2-Produktion und die Verseuchung der Böden und Gewässer durch Pestizide und Düngemittel einher.

Die Insektenzucht hat eine gute Ökobilanz

Die Welternährungsorganisation FAO und die EU rücken deshalb Insekten als Fleisch- und Futterersatz immer mehr in den Fokus der Forschung. Einer der ausschlaggebenden Gründe ist ihre positive Ökobilanz: Insekten sind ideale Biomüllverwerter und benötigen weniger Futtermittel als Rinder oder Schweine. Sie haben eine schnelle Vermehrungsrate und nehmen nur eine geringe Nutzfläche in Anspruch. Auch der Ausstoß von Treibhausgasen ist vergleichsweise sehr gering und damit umweltschonend.

Verschiedene zubereitete Insekten auf einem Teller

In vielen Ländern gelten Insekten als Grundnahrungsmittel. (c) Colourbox


Insektenfarmen mit hohen Hygienestandards

Die Züchtung von Insekten unterliegt strengen Regelungen und wird stetig verbessert. In Insektenfarmen herrschen hohe Hygienestandards zur Fütterung und Haltung der Insekten, um mögliche Schadstoffbelastungen der Insekten oder Zoonosen – Erkrankungen von Insekten, die sich auf den Menschen übertragen – vorzubeugen. Als Endverbraucher müsste Sie daher nicht befürchten, dass die Krabbeltiere auf dem Teller im schmutzigen Hinterhof oder auf schadstoffbelasteten Feldern gefangen wurden.

Winterschlaf durch Schockfrosten

Die ethische Frage um den Tötungsprozess wurde ebenso diskutiert: Insekten produzieren ihre Körperwärme nicht selbstständig, sondern beziehen diese über ihre Umgebung. Sinkt die Außentemperatur unter eine Grenze, kommt der Organismus zum Stillstand. In der Massenzüchtung werden die Insekten schockgefrostet. Dadurch fallen sie sofort in einen Winterschlaf und sterben.

Kritik an der Eiweißalternative

Doch es gibt auch kritische Stimmen: So müsse man eine große Menge Insekten verzehren, um den Tagesbedarf an Eiweiß decken zu können. Kritisiert wird auch, dass der Nährstoffgehalt von Insekten vor allem bei Unterernährung hilfreich sei. Da jedoch die europäische Bevölkerung an Überernährung leide, wären Insekten auf dem Speiseplan nicht gesundheitsförderlich. Des Weiteren könne die positive Ökobilanz bei einer industriellen Züchtung nicht aufrechterhalten werden, da der Einsatz von Energie, Futtermitteln und Medikamente hoch ausfallen würde.

Insekten-Food bereits in deutschen Restaurants

Das Für und Wider zeigt, dass noch viele Antworten ausstehen, bevor Insekten ein relevantes Thema für die Welternährung werden. Dennoch spricht nichts dagegen, sich diesem kulinarischen Trend zu öffnen. Denn bereits seit mehreren Jahren haben Gastronomie und Lebensmittelproduktion Gefallen an dem gewagten, neuen Nahrungsmittel gefunden. So werden in Restaurants beispielsweise geröstete Heuschrecken, Mehlwurm-Muffins, gebratene Larven mit Gemüse und getrocknete Insekten als Topping für Salate und Eis angeboten.

Woher kommt der Ekel?

Wie kommt es, dass uns zwar bei einem Rindersteak oder Schweineschnitzel das Wasser im Mund zusammenläuft, aber bei dem Gedanken an Käfer und Würmern der Appetit vergeht? David Gordon, Autor des Kochbuchs „Eat-A-Bug“, vermutet, dass diese Abneigung gegen Insekten aus der Entwicklung der Agrarkultur herausstammt. Käfer und Heuschrecken sind in der Landwirtschaft vor allem Schädlinge, die den Ernteertrag beeinträchtigen können. Ein Ernteausfall bedeutet automatisch Ernährungsengpässe für den Menschen. Kurzum: Sie essen uns das Essen weg und stellen damit eine Gefahr dar.

Knusprige Insekten mit nussigem Aroma

Hat man den Ekel erst einmal überwunden, überrascht der Geschmack: Borkenkäfer etwa schmecken nach Pinienkerne, gegrillte Heuschrecken sind außen sehr knusprig, innen zart und haben einen nussigen Geschmack und Mehlwürmer haben ein feines Sesam-Aroma. Die Konsistenz wird oft mit Chips oder Cornflakes verglichen – besonders, wenn die Insekten gegrillt oder frittiert sind.

Wen die Neugier drückt, aber zu viel Ekel vor den ganzen Tierchen hat, kann sich an verarbeiteten Produkten versuchen. In Supermärkten oder in Internetshops wird etwa Pasta aus Insektenmehl angeboten, deren Aroma an Mandeln und Vollkorn erinnern. Es gibt auch Insektenburger, Madenschokolade, Mehlwurm-Energieriegel oder einfaches Proteinpulver aus Insekten.

Keine rohen, wild gefangenen Insekten verzehren

Auf den Verzehr von rohen, wild gefangenen Insekten oder Lebendfutter aus der Zoohandlung ist dringend zu verzichten. Da diese nicht den strengen Lebensmittelrichtlinien unterliegen, läuft man Gefahr, durch Bakterien, Parasiten- oder Pestizidbelastung zu erkranken. Daher stellen Sie vorab sicher, dass die Produkte für den menschlichen Verzehr geeignet sind. In Restaurants sind Sie hierbei auf der sicheren Seite und können sich getrost auf das kulinarische Abenteuer einlassen.