Gesund bleiben

Hörgerät kaufen: In vier Schritten zum idealen Modell

Wer schwer hört, hat’s auch schwer – denn gutes Hören ist ein Stück Lebensqualität und elementar für das Zusammenleben mit anderen. Wie gut, dass moderne Hörgeräte die verloren gegangene Kraft des Gehörs zum großen Teil wiederherstellen können. Was Sie beachten sollten, wenn Sie ein Hörgerät kaufen wollen.

Die Auswahl an Hörhilfen für jeden Anspruch und jeden Geldbeutel ist heute so groß wie nie. Was gleich geblieben ist: Der Kauf eines Hörgeräts erfordert intensive Beratung im Fachgeschäft und ist ein Prozess, der mehrere Schritte umfasst:

1. Ausgangsituation feststellen

Beim ersten Termin mit dem Hörakustiker (am besten immer vorher vereinbaren) geht es darum, herauszufinden, wann Ihnen das Hören im Alltag besondere Schwierigkeiten macht. Nur in Gesellschaft, wenn viele durcheinander sprechen? Oder auch beim Fernsehen und im Straßenverkehr? Außerdem holt der Fachmann medizinische Informationen ein: Sind sie allergisch gegen Kunststoffe? Leiden Sie an Tinnitus oder wurden Sie am Ohr operiert?

Für Hörgeräteakustiker Marius Kempf* darf auch die Frage nach Ihren persönlichen Bedürfnissen und Vorlieben nicht fehlen: „Geht der Kunde einem Beruf oder Ehrenamt nach, welche Hobbies hat er oder hört er gerne und viel Musik?“ Diese Informationen geben dem Hör-Experten schon einmal einen ersten Eindruck davon, welche Anforderungen Ihre Hörhilfe erfüllen muss, damit Sie später rundum zufrieden damit sind.

2. Hörleistung messen

Schwerhörigkeit ist ein komplexes Problem. Hörakustiker unterscheiden zwischen Hörverlust für Sprache und dem Hörverlust für Töne. Mit einem sogenannten Ton-Audiogramm wird die Lautstärke ermittelt, ab der für Sie Töne hörbar werden (Ton-Audiometrie). Bei Schwerhörigen liegt der Schwellenwert dabei höher als bei Menschen mit normalem Hörvermögen.

Mit einem Sprach-Audiogramm wird festgestellt, wie gut Sie Sprache verstehen. Ihr Gehör ist vergleichbar mit einem Radio, das auf vielen unterschiedlichen Frequenzen gleichzeitig empfängt, und sie zu einem Klangstrom zusammensetzt. Fallen einige davon aus, ist der Klang immer noch vorhanden, doch einige Komponenten, konkret: Frequenzen, fehlen. Bei Sprache können diese Frequenzen bestimmte Laute sein. Gehen sie dem Gehör verloren, ist es schwer, zum Beispiel zwischen „Zaun“ und „Baum“ zu unterscheiden.

Beide Tests werden mithilfe eines Computers durchgeführt und ausgewertet. Das Ergebnis sind metrische Werte, mit deren Hilfe der Hörakustiker die Grundeinstellung des Hörgeräts vornimmt.

Hörgerät kaufen: Eine Frau lässt sich beraten

Ein Hörgerät kaufen ist ein beratungsintensiver Prozess. (c) Colourbox


3. Anpassung

„Jede Hörbeeinträchtigung ist in Schwere und Frequenz-Bereich individuell“, sagt Marius Kempf. Das bedeutet, dass die Hörhilfe individuell angepasst werden muss. „In dieser Phase des Beratungsprozesses müssen sich die Kunden zum ersten Mal umstellen – von einer eingeschränkten Hörleistung auf ein optimiertes Hören“, weiß Heinz Meckler*, Hörakustiker aus Nürnberg. „Für den Kunden ist das neue Hören erst einmal ungewohnt und bereitet zunächst Probleme.“

Über einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten wird die Verstärkung und Veränderung des Schalls durch das Gerät darum Schritt für Schritt angepasst. In dieser Zeit sollten Sie auch die Möglichkeit haben, verschiedene Geräte zu testen und miteinander zu vergleichen – am besten zuhause, denn das Hörsystem soll ja in Ihrem Alltag optimal funktionieren, nicht nur im Hörgeräte-Geschäft. Auch die Handhabung der Geräte lässt sich am besten beurteilen, wenn man sie einige Tage lang in Ruhe testen kann.

4. Abschlusstest

Das optimale Gerät haben Sie dann gefunden, wenn es zum einen Ihre Schwerhörigkeit im Alltag optimal korrigiert. Mit einem Abschlusstest – sowohl durch den Hörakustiker als auch beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt – wird geprüft, ob das angepasste Hörgerät in technischer Hinsicht tatsächlich leistet, was es soll. „Wichtig ist aber vor allem das persönliche Empfinden“, sagt Heinz Meckler, sprich: Sie sollten das Tragen des Hörgerätes als angenehm empfinden und mit seiner Bedienung zurechtkommen.

Das sollten Sie anschließend beachten

Hörgeräte sind heute kleine High-Tech-Apparate. Sie verfügen über Mikrochip-Technologie, können den Schall auf mehreren Kanälen „feintunen“ und einige haben sogar eine Bluetooth-Ausstattung. Dennoch kann Ihnen auch das modernste Gerät Ihre natürliche Hörleistung nicht vollständig zurückgeben. In vielen Fällen ist zwar eine deutliche Verbesserung, aber keine 100-prozentige Wiederherstellung drin, sagt Meckler.

Wenn Sie auch mit Hörgerät noch Schwierigkeiten haben, zum Beispiel Gesprächen in der Gruppe zu folgen, fassen Sie sich also ein Herz und bitten Sie die anderen einfach, das Gesagte zu wiederholen. Ein selbstbewusster Umgang mit Ihrem Hördefizit gehört auch zum Leben mit Hörgerät dazu.

*Unsere Experten:
Heinz Meckler, Hörakustiker (Meister), Meckler Hörgeräte, Nürnberg
Marius Kempf, Produktmanager und Hörgeräteakustiker (Meister) bei KIND, Großburgwedel