Herz, Kreislauf & Stoffwechsel

Herzinfarkt bei Frauen: Verkannte Symptome

Auch heute noch wird ein Herzinfarkt bei Frauen häufig erst spät festgestellt – zum einen, weil er immer noch als „Männersache“ gilt. Zum anderen zeigen Frauen untypische Symptome, die selbst Ärzte missdeuten.

Die häufigste Todesursache von Frauen und Männern in Deutschland sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dafür war rund ein Drittel der 940.000 Todesfälle in 2018 verantwortlich. 46.200 Menschen starben an einem Herzinfarkt, davon 19.300 Frauen und 26.900 Männer.

Verzögerung bis zur Notaufnahme

Relativ betrachtet endet das Ereignis für mehr Frauen als Männer tödlich, nämlich 43 Prozent gegenüber 37 Prozent. Das liegt unter anderem daran, dass es bei Herzinfarkt-Patientinnen länger dauert, bis sie endlich in die Notaufnahme eines Krankenhauses kommen. Erleiden Frauen einen Myokardinfarkt, dauert es bis zum Anruf bei der Rettungsstelle mit durchschnittlich 108 Minuten fast eine halbe Stunde länger als im Fall eines Mannes, für den der Notruf innerhalb von 80 Minuten erfolgt.

Grund für die riskante Verzögerung sind untypische Herzinfarkt-Symptome. Männer spüren vor allem starke, stechende Schmerzen in der Brust, die in den linken Arm und den Hals ausstrahlen. Bei Frauen bleibt dieses Warnzeichen oft aus. Sie erleben häufiger Schmerzen im Oberbauch, Rücken, Nacken oder Kiefer. Oft ist ihnen übel und sie müssen sich erbrechen. Deshalb denken die Betroffenen und auch einige Ärzte eher an eine Magenverstimmung oder Lebensmittelvergiftung als an eine akut lebensbedrohliche Situation.

So entsteht ein Herzinfarkt

Zu einem Herzinfarkt kommt es, wenn ein Blutgerinnsel eines der Herzkranzgefäße verschließt. Kann der Blutfluss nicht schnell wiederhergestellt werden, sterben die Herzmuskeln durch den Sauerstoffmangel in zwei bis vier Stunden ab. Je länger der Infarkt unerkannt und unbehandelt bleibt, desto gravierender sind die Schäden. Viele Betroffene entwickeln in Folge eine chronische Herzschwäche.

Die typischen Symptome des Infarkts

Pro Jahr erleiden in Deutschland rund 280.000 Menschen einen Herzinfarkt. Die üblichen Anzeichen sind:

  • Sie spüren einen plötzlich einsetzenden, länger als fünf Minuten anhaltenden starken und stechenden Schmerz oder ein Druck- oder Schweregefühl hinter dem Brustbein.
  • Der Schmerz strahlt in den linken Arm (seltener in beide oder den rechten), in den Hals oder Kiefer aus.
  • Sie empfinden Enge in der Brust.
  • Es bildet sich kalter Schweiß.
  • Ihnen wird übel.
  • Sie leiden an Atemnot.
  • Unruhe und Angst überfallen Sie.

Die Anzeichen des Herzinfarkts bei Frauen

Frauen erleben seltener den starken, stechenden Schmerz im Brustkorb, sondern deutlich häufiger Druck oder Engegefühl. Das sind die wichtigsten Anzeichen:

  • Sie spüren Atemnot, Ihr Atem setzt aus.
  • Es plagen Sie Schmerzen im Oberbauch und im Magen.
  • Ihnen ist übel, und Sie müssen sich erbrechen.
  • Brennende Schmerzen in Ihrer Brust strahlen in die Arme, in Hals und Schultern aus.
  • Sie sind müde, fühlen sich wie zerschlagen.
  • Es bricht Ihnen der Schweiß aus.

Da die Symptome nicht als so typisch für den Herzinfarkt gelten, rufen Sie selbst und Angehörige erst spät oder gar nicht den Notarzt.

Frauen erleiden „andere“ Infarkte

Nicht nur Unkenntnis über die Andersartigkeit weiblicher Symptome führt dazu, dass Frauen öfter an Herzinfarkten und ihren Folgen sterben als Männer. Ein weiterer Grund dafür ist, dass Frauen „andere“ Infarkte erleiden: Zum Zeitpunkt des Vorfalls sind sie statistisch gesehen zehn Jahre älter und haben häufiger Begleiterkrankungen wie Diabetes.

Zudem werden Herzinfarkte bei Frauen seltener durch lokale Gefäßverengungen ausgelöst, die vergleichsweise leicht erweitert werden können. Stattdessen sind die Herzarterien häufiger diffus befallen. Lokale Dehnungsversuche sind in diesen Fällen wenig aussichtsreich.

Das gefährliche erste Jahr

Eine deutsche Herzinfarkt-Studie brachte das Ergebnis, dass die Sterblichkeit von Frauen in den ersten 365 Tagen nach dem Infarkt eineinhalbmal so hoch ist wie die von Männern. Als mögliche Gründe dafür vermutet der Kardiologe Georg Schmidt von der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin des TUM-Universitätsklinikums rechts der Isar, dass gesellschaftliche und psychische Gründe eine wichtige Rolle spielen:

„Im Alltag werden nach einem Herzinfarkt oft andere Anforderungen an Frauen gestellt als an Männer. Sie sollen schneller wieder ‚funktionieren‘ und sind dadurch größeren Belastungen ausgesetzt.“

Ein weiterer wichtiger Faktor sind depressive Erkrankungen. Studien haben gezeigt, dass diese nicht nur für sich genommen gefährlich sind, sondern auch einen Risikofaktor bei anderen Erkrankungen darstellen.

Die Risikofaktoren des Herzinfarkts

Für Frauen wie für Männer gelten im Prinzip die gleichen Risiken:

  • Rauchen
  • Diabetes
  • Bluthochdruck
  • Zu hoher Cholesterinspiegel
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Psychosoziale Faktoren (z. B. Stress)

Allerdings: Bis zu den Wechseljahren schützen die weiblichen Geschlechtshormone (Östrogene) Frauen gegen eine Verengung der Herzkranzgefäße (Arteriosklerose) und damit vor dem Infarkt. Die Ausnahme bilden Raucherinnen, die mit der Antibabypille verhüten. Sie haben ein erhöhtes Herzinfarkt-Risiko.

Vor allem die ersten vier Faktoren – Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck, zu hoher Cholesterinwert – beeinflussen das Herzinfarkt-Risiko entscheidend. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch, auf den keiner dieser Faktoren zutrifft, im Laufe seines Lebens einen Infarkt erleidet, liegt bei unter fünf Prozent. Schon einer der vier kann das normale Risiko auf das Vielfache steigern. Umgekehrt: Wer es schafft, die vier Faktoren zu vermeiden, kann sein persönliches Risiko fast ausräumen, an Herzinfarkt oder Schlaganfall zu sterben.

Dem Herzinfarkt vorbeugen

Wenn Sie Ihr Herzinfarkt-Risiko verringern wollen, gelingt Ihnen das durch einen gesunden Lebensstil. Dazu gehört:

  • Rauchen Sie nicht.
  • Praktizieren Sie eine gesunde, ausgewogene Ernährung.
  • Achten Sie auf Ihre Cholesterinwerte.
  • Halten Sie Normalgewicht.
  • Setzen Sie auf Ausdauertraining, am besten fünfmal die Woche für 30 Minuten.
  • Vermeiden Sie Stress und Überlastung.
  • Nehmen Sie regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wahr. Lassen Sie Ihren Blutdruck, die Blutzucker- und Cholesterinwerte regelmäßig prüfen.

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