Alternativmedizin & Naturheilkunde

Ginseng: Wie gesund ist die Wurzel?

Die fernöstliche Medizin schwört schon seit Jahrtausenden auf die Heilpflanze Ginseng. Die Wurzel soll das Immunsystem stärken sowie die Konzentration und das Gedächtnis fördern.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) setzt man die Heilpflanze “Panax ginseng”, so der botanische Name, schon seit mehr als 2000 Jahren als ein Allheilmittel ein.

Eine Zeit lang galt er in Asien als wertvoller als Gold. Lesen Sie hier, welche positive Wirkung man der Pflanze nachsagt, ob die Inhaltsstoffe ihrem Ruf gerecht werden und worauf Sie bei der Anwendung achten sollten.

Was ist Ginseng?

Der “Panax ginseng” ist eine mehrjährige Staudenpflanze, stammt aus Asien und wird vor allem in Korea, China und Japan angebaut. Aber auch in den USA und in Deutschland ist die Pflanze heutzutage zu finden. Wilder Ginseng aus China gilt als am wirkungsvollsten.

Zu medizinischen Zwecken verwendet man hauptsächlich die acht bis 20 cm langen Wurzeln. Ihr chinesischer Name „Jen Shen“ bedeutet übersetzt „Menschenwurzel“ und spielt auf ihre Form an, die an einen menschlichen Körper erinnern. Auch dem Ingwer ähnelt sie ein bisschen – und wie diesem sagt man auch der Ginseng-Wurzel allerlei positive Effekte auf unseren Körper und Geist nach. Anders als Ingwer schmeckt sie nicht scharf, sondern süßlich bitter – ein bisschen wie Süßholz bzw. Lakritze. 

Welche Formen gibt es?

Man unterscheidet zwischen dem Weißen und dem Roten Ginseng. Beim Weißen Ginseng handelt es sich um die getrockneten Wurzeln, beim Roten Ginseng dämpft man die Wurzeln, ehe man sie trocknet. Dadurch verlieren die Inhaltsstoffe an Wirkung. Daher verwendet man hauptsächlich den weißen, koreanischen Ginseng als Heilmittel, weniger den Roten Ginseng. Neben dem Panax ginseng ist weltweit am häufigsten der Amerikanische („Panax quinquefolius“) im Einsatz.

Wirkstoffe und Ginseng-Wirkung

Eines vornweg: Eindeutige, einheitliche wissenschaftliche Nachweise für eine gesundheitliche Wirkung der Heilpflanze Panax gibt es bisher nicht. Einige Tests weisen zwar durchaus darauf hin, andere kommen aber zum gegenteiligen Ergebnis.

Nach Maßstäben der westlichen Medizin ist der Panax ginseng nicht als Arzneimittel anzusehen. Er ist vielmehr ein Mittel, das man nehmen kann, um dem Nachlassen körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit vorzubeugen. Sie müssen allerdings Geduld mitbringen und mindestens drei Monate lang den Extrakt der Pflanze, etwa als Tee, einnehmen. Die erwünschte Wirkung ist auch dann jedoch nicht garantiert

Sind die Wurzeln wirklich gesund?

„Jen Shen“ bedeutet „Menschenwurzel“. (c) AdobeStock / leungchopan 

Die Hauptwirkstoffe der Wurzel sind die sogenannte Ginsenoside (genauer: Triterpensaponine). Sie sind zu einem geringen Prozentanteil enthalten. Weitere Inhaltsstoffe sind ätherische Öle, Polyacetylene und Peptidoglykane.

Folgende Wirkstoffe und Effekte sollen die Wurzeln laut TCM auf unseren Körper haben:

  • Regen den Stoffwechsel an. Diesen Effekt schreibt man den enthaltenen B-Vitaminen zu.
  • Wirken als Stärkungsmittel für das Immunsystem und beugen so u.a. Erkältungen vor.
  • Senken den Blutzucker
  • Regen den Kreislauf an und wirken so gegen Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit und beugen Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor.
  • Regulieren die Funktionen des Nervensystems
  • Harmonisieren bei Stress
  • Steigern die Konzentration und das Gedächtnisvermögen, ähnlich wie Ginkgo.
  • Antioxidantien wie das Spurenelement Selen sollen vor Freien Radikalen schützen. Aus diesem Grund gilt Panax auch als Mittel gegen Hautalterung.
  • Nährstoffe wie Zink, Eisen, Kalzium, Kupfer
  • Vitamin C und E

Anwendungsformen: Ginseng-Produkte

Präparate mit Ginseng-Extrakten erhalten Sie in Apotheken, Reformhäusern, Drogerien und Asialäden. Sie können die frische Wurzel sowohl des Weißen als auch des Roten Panax Ginseng verarbeiten, etwa als Ginseng-Tee, aber auch als Gewürz in einem Gericht verwenden.

Ansonsten gibt es die unterschiedlichsten Darreichungsformen: von Pulver über Tabletten, Bonbons, Ginseng-Kapseln bis zu Sirup oder Tonikum. Auch in Kosmetika finden sich Extrakte, etwa in Shampoo und Cremes.

Beim Einkauf sollten Sie darauf achten, dass die Produkte weitestgehend ohne Farb- und Zusatzstoffe auskommen. Um die optimale Wirkung zu erzielen, brauchen Sie Geduld. Denn wenn, dann entfaltet sich die gesunde Wirkung der Wurzel nur langsam.

Nebenwirkungen

Im Handel erhältliche Ginseng-Präparate enthalten in der Regel eine zu niedrige Menge an Ginsenosiden, um gemäß dem Deutschen Arzneibuch (DAB) medizinisch verwendet zu werden – die vorgeschriebene Mindestmenge wären 15 bis 30 mg.

Die Einnahme kann, insbesondere bei hoher Dosierung des Extrakts, zu Nebenwirkungen führen. Kinder sowie Diabetiker und Patienten mit Bluthochdruck sollten die Hände davon lassen.

Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen neben Magen-Darm-Beschwerden auch Schlafstörungen, da „Panax ginseng“ kreislaufanregend ist. Wenn Sie Kaffee oder schwarzen Tee getrunken haben, verstärkt die Einnahme die Wirkung des Koffeins.

Im Zweifelsfall klären Sie mit ihrem Arzt, ob Sie Ginseng einnehmen dürfen.