Knochen, Muskeln & Gelenke

Gelenkspiegelung – umfassende Untersuchung der Gelenke

Mithilfe einer Gelenkspiegelung lassen sich krankhafte Veränderungen in der Gelenkstruktur feststellen.

Die Gelenkspiegelung – auch Arthroskopie genannt – ist eines der bewährtesten medizinischen Verfahren, um Gelenke zu untersuchen und Gelenkschäden behandeln zu können. Angeordnet wird sie oftmals bei chronischen Gelenkschmerzen, Arthritis, Verschleiß der Gelenke oder Verletzungen infolge von Unfällen. Neben der Diagnose kann der Arzt mit minimal invasiven Verfahren auch an Ort und Stelle einen Eingriff vornehmen. Bei uns erfahren Sie, wie eine Gelenkspiegelung abläuft, welche Diagnosen am häufigsten vorkommen und welche allgemeinen Risiken bestehen.

> Studie belegt: Yoga lindert Schmerzen bei Arthritis

Wann wird eine Gelenkspiegelung durchgeführt?

Die Gelenkspiegelung stellt im Vergleich zur invasiven Chirurgie eine Möglichkeit dar, einen Überblick der Gelenkstruktur ohne viel Aufwand zu bekommen. Zu den häufigsten untersuchten Gelenken zählen Schultern und Knie. Eine Indikation für eine Arthroskopie besteht bei unklaren, anhaltenden Schmerzen, Einschränkungen der Bewegungen, Unfällen und Verdacht auf Arthritis.

Indem über einen winzigen Hautschnitt ein dünnes Rohr mit einer eingebauten Kamera in das Gelenk eingeführt wird, kann der Arzt Schäden an Knochen, Knorpel, sowie Sehnen und Muskeln feststellen. Zu den häufigsten Diagnosen zählen:

Falls ein Eingriff notwendig ist, werden zusätzlich Werkzeuge eingeführt, mit denen der Chirurg arbeiten kann. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten der Untersuchung, wenn der Arzt die Notwendigkeit bescheinigt. Verantwortlich für die Durchführung einer Gelenkspiegelung ist immer ein Facharzt für Orthopädie beziehungsweise ein Chirurg.

> Kniearthrose: Woher kommt sie? Und was hilft?

Eine Grafik, die eine Gelenkspiegelung an der Schulter zeigt.

Sehr oft findet eine Gelenkspiegelung an der Schulter oder am Knie statt. (c) bilderzwerg/Fotolia

Wie geht der Arzt bei einer Gelenkspiegelung vor?

Eine Gelenkspiegelung ist eine Operation, die entweder stationär unter Vollnarkose oder ambulant mit einer lokalen Betäubung durchgeführt wird. Der Ablauf ist jedoch fast immer gleich und sieht wie folgt aus:

1. Umfangreiche Voruntersuchung

Vor der Operation ist eine Anamnese erforderlich, um die Intensität der Beschwerden festzuhalten und über die Notwendigkeit der Untersuchung zu entscheiden. Möglicherweise werden die betroffenen Teile ebenfalls geröntgt, um Brüche und andere Anomalien festzustellen. Entscheidet sich der Arzt für eine Arthroskopie, wird der Patient über die Risiken aufgeklärt.

Darüber hinaus wird Blut abgenommen, um beispielsweise eine erhöhte Blutungsneigung festzustellen. 24 Stunden vor der Gelenkspiegelung sind der Tabak- und der Alkoholkonsum untersagt. Die Haut am Gelenk, die untersucht werden soll, sollte außerdem frei von Wunden und Entzündungen sein.

2. Heparinspritze zur Vermeidung von Blutgerinnseln

Am Tag der Untersuchung sollte der Patient im Fall einer Vollnarkose nüchtern erscheinen. Um die Bildung von Blutgerinnseln zu verhindern, erhält er eine subkutane Heparinspritze. Nach der Betäubung wird die Haut am Gelenk desinfiziert und enthaart.

3. Endoskopie

Der durchführende Arzt schneidet die Haut auf einer Länge von circa fünf Millimetern durch, und bläst ein Gas oder eine Flüssigkeit in die kleine Öffnung, um sie zu dehnen. Danach führt er den sogenannten „Trokar“ in das Gelenk hinein. Dabei handelt es sich um ein Führungsrohr mit einem Endoskop. Das Endoskop besteht aus einem biegsamen, dünnen Rohr, das mit einer Videokamera versehen ist, sodass der Operateur das Geschehen am Bildschirm verfolgen kann.

4. Instrumente einführen und Drainage legen

Bei einem Eingriff werden die notwendigen Instrumente wie Schere, Fräse und Messer eingeführt. Eine Drainage verhindert, dass sich am Gelenk Flüssigkeit und Blut ansammeln.

5. Entfernen der Instrumente, Verabreichung von Schmerzmitteln

Nach dem Eingriff beziehungsweise nach der Untersuchung werden die Werkzeuge und das Endoskop entfernt. Der Patient erhält Schmerzmittel und soll das betroffene Gelenk kühlen und schonen. Im Vergleich zu einer invasiven OP sind anhaltende, starke Schmerzen jedoch selten und Bewegungen bereits nach wenigen Stunden möglich.

Drei Tage nach dem Eingriff erfolgt eine Nachkontrolle seitens des durchführenden Arztes, um eventuelle Beschwerden festzustellen. Krankengymnastik und andere Rehabilitationsmaßnahmen werden je nach Bedarf verordnet.

Welche Risiken bestehen bei einer Gelenkspiegelung?

Bei einer Arthroskopie handelt es sich um eine Operation. Obwohl sie als risikoarm gilt, bestehen – wie bei allen Eingriffen – die allgemeinen Risiken einer Thrombose und einer Entzündung der betroffenen Stellen. Außerdem können sich am Gelenk während oder nach der Untersuchung Blutergüsse bilden. Eine Verletzung von Sehnen, Muskeln und Gefäßen ist selten, kann jedoch nicht ausgeschlossen werden.

> Was ist eine Thrombose?

Aus diesem Grund werden Patienten mit Gelenkbeschwerden immer häufiger einer Kernspintomografie (MRT) unterzogen. Hierbei handelt es sich um ein computerunterstütztes Verfahren, mit dem sich ebenfalls krankhafte Veränderungen der Gelenke feststellen lassen. Die Verbesserung dieser Untersuchungsmethode in den letzten Jahren hat dazu geführt, dass Gelenkspiegelungen seltener durchgeführt werden. Allerdings bietet die Gelenkspiegelung gegenüber einer MRT-Untersuchung den Vorteil, dass der Chirurg bei Bedarf sofort operieren kann. Eine sorgfältige Abwägung der Risiken erfolgt daher individuell.