Magen & Darm

Fuchsbandwurm: Der Parasit aus dem Wald

Vorbei die Zeiten, als man wilde Beeren im Grünen bedenkenlos ernten und sogar an Ort und Stelle naschen konnte. Fuchsbandwurm heißt die gesundheitliche Gefahr, die heute auf den Früchten lauern kann. Zwar ist seine Verbreitung auf bestimmte Regionen beschränkt, die Folgen einer Infektion sind dafür umso schwerwiegender.

Eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm ist sehr selten. Pro Jahr werden etwa 40 Fälle gemeldet, Experten schätzen jedoch, dass die Dunkelziffer der Erkrankungen mindestens dreimal so hoch ist.

Gleichzeitig geht man davon aus, dass das Ansteckungsrisiko wächst. Der Grund: Heute gibt es mehr Rotfüchse – sie sind der Hauptüberträger des Wurms – als früher, und: Sie leben heute auch in Städten – in öffentlichen Parks zum Beispiel. In manchen Gebieten Deutschlands sind über 70 Prozent der Füchse mit dem Bandwurm infiziert.

Der Erreger

Der „Kleiner Fuchsbandwurm“ genannte Parasit (Fachbegriff: Echinococcus multilocularis) hat es eigentlich gar nicht auf den Menschen abgesehen. Sein bevorzugter Wirt ist der Fuchs, in dessen Dünndarm er sich im Erwachsenenstadium aufhält. Dort wird er etwa drei bis vier Millimeter lang.

Vorher – als Larve – macht er in den Organen sogenannter Zwischenwirte Station. In Deutschland sind dies vor allem Wühlmäuse, aber auch Schafe kommen als Zwischenwirte infrage. Im Larvenstadium oder als Eier können die Tiere auch Menschen infizieren und dort weiterwachsen. Die Krankheit, die sie bei ihm verursachen, wird Echinokokkose genannt.

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Die Ansteckung

Die Wege, sich mit dem Fuchsbandwurm anzustecken, sind vielfältig. Das Naschen von rohen Waldfrüchten wie Beeren ist zwar riskant, aber nicht die einzige Möglichkeit, sich den gefährlichen Parasiten einzufangen:

  • Wurmeier gehen über den Kot infizierter Tiere auf den Boden über. Kommt der Mensch damit in direkten Kontakt, können die Eier über die Hände in den Mund und damit in den Körper gelangen.
  • Im Fell des infizierten Fuchses bleiben Eier kleben. Wer die kontaminierten Haare berührt, kann sich wiederum über den Mund infizieren.
  • Gemüse und Früchte, die in Bodennähe wachsen, werden durch den Fuchs-Kot verunreinigt. Wer sie in rohem Zustand ist, nimmt die Eier auf und steckt sich an.

Wichtig: Werden die Eier über den Darm ausgeschieden, bleiben sie lange infektiös – vor allem bei Kälte. Sie sind außerdem sehr widerstandsfähig gegenüber Desinfektionsmitteln.

Das Risiko einer Fuchsbandwurm-Infektion ist regional sehr unterschiedlich: Die Mehrheit der Erkrankungen (60 Prozent) der letzten Jahre trat im Südwesten Deutschlands auf, vor allem auf der schwäbischen Alb, in der Alb-Donau-Region, in Oberschwaben und im Allgäu.

Die Erkrankung

Wer sich angesteckt hat, bemerkt lange nichts – sehr lange sogar: Zwischen Infektion und ersten Symptomen können 10 bis 15 Jahre vergehen. Oft wird die Echinokokkose erst bemerkt, wenn Schmerzen im Oberbauch auftreten, die durch Zysten in der Leber ausgelöst werden.

Die Bandwurmlarven befallen vor allem die Leber. Dort bilden sie ein schwammartiges Gewebe aus Bläschen. Daher wird die Echinokokkose durch den Fuchsbandwurm auch mit dem Zusatz „alveolär“ (Alveole = Bläschen) versehen. Die betroffenen Menschen haben dadurch lange keine Beschwerden. Irgendwann stellen sich dann jedoch Krankheitssymptome ein:

Die Larven können auch andere Organe wie Lunge oder Gehirn sowie Bauch- oder Brustfell befallen und dort für Beschwerden sorgen. Bleibt die alveoläre Echinokokkose unbehandelt, kann sie zu tödlichem Leberversagen führen.

Fuchsbandwurm

Walderdbeeren oder -heidelbeeren können mit dem Fuchsbandwurm belastet sein.

Die Behandlung

Auch wenn die ersten Beschwerden da sind, bleibt der Fuchsbandwurm lange unentdeckt. Diffuse Symptome wie Bauchschmerzen oder Müdigkeit können auf unzählige andere Krankheiten hindeuten.

Krankhafte Veränderungen der Leber können schließlich durch Ultraschall nachgewiesen werden. Eine Untersuchung des Blutes kann ebenfalls Hinweise geben – negative Testergebnisse können allerdings fehlerhaft sein, geben also keine hundertprozentige Sicherheit.

Steht die Diagnose, sollten Betroffene in einem Spezialzentrum behandelt werden. Dort werden befallene Organe unter Umständen operiert. Die Menschen erhalten zudem eine medikamentöse Behandlung – oft über einen langen Zeitraum oder (zum Beispiel wenn keine Operation mehr möglich ist) ein Leben lang.

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Fuchsbandwurm vorbeugen

Auch wer sich gerne im Wald aufhält, Waldfrüchte mag oder Haustiere hat, braucht eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm nicht fürchten. Die Ansteckung lässt sich mit diesen Maßnahmen gut vermeiden:

  • Alles Obst und Gemüse, das am Boden oder in Bodennähe wächst, vor dem Essen oder Verarbeiten immer gründlich waschen
  • In Gebieten, die besonders gefährdet sind, sollten wild wachsende Früchte oder Pilze nie roh gegessen werden. Es gilt: Speisen immer kurz aufkochen lassen (30 Sekunden reichen schon), das macht die Eier unschädlich. Auch Trockenheit überstehen sie nicht. Wer mag, kann Pilze also ruhig trocknen.
  • Nach dem Arbeiten oder dem Spielen im Freien die Hände gründlich waschen und dabei die Fingernägel bürsten.
  • Haustiere regelmäßig entwurmen.
  • Wildtiere nie berühren. Hatten Hauskatze oder -hund Kontakt zu Wildtieren (oder deren Kadavern), müssen sie gründlich abgeseift und geduscht werden.
  • Spielsachen, die außerhalb der Wohnung (zum Beispiel am Spielplatz) benutzt werden, regelmäßig reinigen. Dafür reichen heißes Wasser und Spülmittel.

Keine Panik, aber Vorsicht

Für Eltern, deren Kinder viel in der Natur spielen, besteht kein Grund zur Sorge. Fuchsbandwurm-Erkrankungen bei Kindern oder Jugendlichen mit gesundem Immunsystem sind extrem selten. Die meisten Betroffenen sind zwischen 50 und 60 Jahren alt. Wer mit Hygienemaßnahmen und dem richtigen Verhalten in der Natur vorbeugt, kann dem gefährlichen Bandwurm gut aus dem Weg gehen und den Aufenthalt in Wald und Flur unbeschwert genießen.

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