Blut & Immunsystem

Hilfe bei Krebs oder Rheuma: Enzyme in der Medizin

Auch wenn die Forschung teilweise noch in den Anfängen steckt: Enzyme in der Medizin stellen eine vielversprechende neue Behandlungsmöglichkeit bei vielen Krankheiten dar. Sie beschleunigen zum Beispiel die Heilung von Entzündungen oder bringen das Immunsystem auf Touren. Das hilft bei Rheuma und sogar bei Krebs. Die natürlichen Helfer können aber noch mehr. 

Enzyme in der Medizin sind keine Entdeckung der letzten Jahre. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts veröffentlichten Ärzte erstmals Ergebnisse über Enzymbehandlungen von Krebspatienten. Seit etwa 50 Jahren werden die Auswirkungen von Enzymen aus Pflanzen, Tieren und Pilzen auf den Körper systematisch untersucht. Doch was sind Enzyme eigentlich?

Enzyme sind körpereigene Eiweißstoffe, die auf Prozesse im Organismus wie Katalysatoren wirken: Sie leiten Reaktionen ein oder beschleunigen sie. Vor allem für das Immunsystem sind Enzyme von zentraler Bedeutung: Sie regulieren die Prozesse, mit denen der Körper auf Keime oder Verletzungen reagiert.

Die Patienten nehmen die Enzyme als Kapseln oder Tabletten ein oder erhalten sie als Injektion. Experten empfehlen Kombinationspräparate: Wenn drei oder mehr Enzyme gleichzeitig verabreicht werden, ergänzen sie sich in ihrer Wirkung und es kann sogar zu Synergieeffekten kommen.

Enzyme in der Medizin: Behandlung von Entzündungen

Im Fokus der Enzymforscher stehen unter anderem Entzündungen. Eine Entzündung ist das sichtbare Zeichen einer Immunreaktion. Der Körper versucht damit, zum Beispiel Gewebeschäden oder schädliche Keime in den Griff zu bekommen. Enzyme können den Verlauf einer Entzündung beschleunigen und gleichzeitig die dabei auftretenden Schmerzen und Schwellungen verringern.

Enzyme können in der Medizin unter anderem in folgenden Bereichen eingesetzt werden:

  • Entzündungen bei Rheuma oder rheumatischen Erkrankungen
  • Entzündungen der Haut
  • Entzündungen nach Verletzungen
  • Entzündungen im Bereich Hals, Nase, Ohren
  • Entzündungen der Harn- und Geschlechtsorgane
  • Entzündungen der Lymphgefäße und Venen

Eine Enzymtherapie führt normalerweise nach zwei Wochen zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden. Schwellungen klingen ab, Schmerzen lassen nach.

Enzymtherapien bei Rheuma und Arthrose

Enzyme haben sich als Begleittherapie bei chronisch rheumatischen Beschwerden und Arthrose bereits bewährt. Der Grund: Sie fördern den Blutfluss und verbessern dadurch die Versorgung der Gelenke. Auch die Muskeln werden wieder besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Die Entzündungssymptome in den Gelenken nehmen dadurch nachhaltig ab.

Mittelfristig sorgen Enzyme dadurch dafür, dass die Dosis der Antirheumatika (zum Beispiel NSAR) verringert werden kann – mit dem Effekt, dass die teils schweren Nebenwirkungen einer Langzeittherapie deutlich schwächer ausfallen.

Enzyme in der Medizin wirken bei vielen Therapien unterstützend.

Enzyme in der Medizin wirken bei vielen Therapien unterstützend. (c) Colourbox


Enzyme in der Medizin: Krebserkrankungen

Therapieerfolge durch Enzyme versprechen sich Forscher und Ärzte auch bei der Behandlung von Krebserkrankungen. Eine Tumorerkrankung schwächt das Immunsystem des Körpers. Doch für eine Therapie ist ein möglichst gut funktionierendes Immunsystem immens wichtig.

Enzyme helfen ganz konkret dabei, das Wachstum und die Verbreitung von Krebszellen im Organismus zu bremsen. Krebszellen wenden verschiedene Strategien an, um einer Vernichtung durch die Immunabwehr des Körpers zu entgehen. Sie tarnen sich zum Beispiel mit einer Hülle aus einem körpereigenen Stoff und können so unerkannt in andere Körperregionen wandern. Enzyme erkennen diese getarnten Zellen und zerstören sie. Dadurch können Metastasen wirkungsvoll verhindert werden.

Eine weiteres Täuschungsmanöver der Krebszellen wird ebenfalls durch Enzyme unterlaufen: Die Krebszellen produzieren Strukturen, die von der Immunabwehr als schädlich eingestuft und angegriffen werden. Noch lebende Krebszellen bleiben unbehelligt und haben freie Bahn für ihre Vermehrung. Ein Enzym ist in der Lage, die täuschenden Strukturen zu spalten.

Darüber hinaus kann ein weiteres Enzym verhindern, dass Krebszellen überhaupt Tarnmethoden entwickeln können. Studien konnten bis dato schon zeigen, dass der Einsatz von Enzymen (vor allem in Form von Kombipräparaten) bei der Behandlung von Dickdarmkrebs und Brustkrebs erfolgreich ist. Die Lebenszeit der Patienten verlängerte sich, das Auftreten neuer Tumore konnte verzögert werden.

Enzyme für die Diagnose

Enzyme in der Medizin helfen auch, Krankheiten frühzeitig zu erkennen. Eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse kann zum Beispiel durch eine erhöhte Aktivität der Enzyme Lipase und Pankreas-Amylase nachgewiesen werden.

Diabetiker können mithilfe von Enzymen ihren Blutzucker messen. Ein auf einen Teststreifen für Diabetiker befindliches Enzymsystem ermöglicht die Bestimmung des Blutzuckerspiegels. Der Vorteil: Diese Messungen sind unkompliziert und preisgünstig.

Enzyme in der Medizin: Weitere Forschungen nötig

Der Einsatz von Enzymen in der Medizin ist ein viel beachtetes Forschungsgebiet. Große Hoffnungen wecken vor allem die Therapiemöglichkeiten im Bereich der Krebsbekämpfung und rheumatischer Beschwerden, aber auch bei Entzündungen im Allgemeinen: Neuere Studien legen nahe, dass entzündliche Prozesse bei vielen Krankheiten eine größere Rolle spielen als bisher angenommen. Es ist also noch viel Forschungsarbeit nötig, um die ganze Vielfalt der Möglichkeiten einer Enzymtherapie auszuloten.