Kopf & Psyche

Die wichtigsten Fakten zu Gabapentin

Gabapentin entfaltet seine Wirkung im Nervensystem. Der Arzneistoff konnte seit 40 Jahren vielen Patienten helfen. Die Schwierigkeit besteht in der Dosierung: Der Arzt muss sie für jeden Fall individuell festlegen. Erfahren Sie hier mehr über den Wirkstoff, seine Einsatzgebiete und möglichen Nebenwirkungen.

Gabapentin gehört zur Gruppe der Antikonvulsiva. Ärzte verordnen sie, um damit Epilepsie (Krampfleiden) und Neuralgien zu behandeln. Neuralgien sind langanhaltende Schmerzen, die geschädigte Nerven verursachen. Übliche Schmerzmittel helfen nicht gegen Neuralgien.

So wirkt Gabapentin

Bestimmte Botenstoffe steuern Ihr Nervensystem. Ihr Gehirn schüttet sie aus, damit Ihr Körper auf äußere Umstände wie Stress, Ruhe oder Verletzungen angemessen reagiert. Manche Erkrankungen, genetische Vorbelastungen oder Verletzungen des Gehirns stören das Gleichgewicht der Botenstoffe. Dann sind Ihre Nerven beispielsweise verstärkt erregt.

Gabapentin wirkt an Ihren Nervenbahnen, indem es dort die Reizweiterleitung verringert. Das geschieht zum einen, weil es verhindert, dass Ihr Gehirn aktivierende Botenstoffe ausschüttet. Zum anderen fördert der Arzneistoff indirekt, dass Ihr Organismus diese Botenstoffe abbaut. Dadurch senkt er deren Konzentration im Nervensystem.

Das ist das Einsatzgebiet des Arzneistoffs

Medikament bei Epilepsie

Das Haupteinsatzgebiet von Gabapentin ist die Epilepsie. Dafür ist das Arzneimittel 1976 ursprünglich patentiert worden. Er wirkt als Antiepileptikum und beugt Anfällen vor. Der Begriff Epilepsie (Krampfleiden, Fallsucht) beschreibt eigentlich keine einzelne Krankheit. Er bezeichnet die Folge einer Vielzahl von Hirnerkrankungen. Gemeinsames Merkmal ist eine erhöhte Neigung zu epileptischen Anfällen.

Diese Anfälle zeigen sich ganz unterschiedlich: Manche bleiben fast unbemerkt. Sie äußern sich etwa als leichtes Muskelzucken, Kribbeln oder kleine Bewusstseinspause. Andere halten über ein bis zwei Minuten an. Sie zeigen sich mit Bewusstseinsverlust, heftigen Krämpfen und unkontrollierbaren Zuckungen.

Neuropathie

Verschiedene Erkrankungen wie Diabetes, Gürtelrose oder Herpes können periphere neuropathische Schmerzen auslösen, die vorwiegend in den Armen und den Beinen auftreten. Der Schmerz kann heiß, brennend, pochend oder stechend sein. Manchmal wirkt er auch krampfartig, muskelkaterartig, nadelstichartig oder kribbelnd. Oder er ist mit Taubheitsgefühl verbunden. Der Wirkstoff Gabapentin hilft zur Besserung dieser Symptome.

> Erfahren Sie hier mehr über Polyneuropathie

Restless-Legs-Syndrom

In einigen Ländern (z. B. USA) ist Gabapentin auch zur Behandlung des Restless-Legs-Syndrom (ruhelose Beine) zugelassen.

Off-Label-Use

Im Off-Label-Use setzen Ärzte den Wirkstoff ein gegen Spastik im Rahmen der Multiplen Sklerose, Juckreiz, Wallungen und nozizeptive Schmerzen (eine bestimmte Form chronischer Schmerzen). Off-Label-Use bedeutet, dass Ärzte ein Medikament verordnen außerhalb des durch die Arzneimittelbehörden zugelassenen Gebrauchs.

Die richtige Dosis

Medikamente mit dem Arzneistoff wird Ihr Arzt über Wochen einschleichend verordnen. Das heißt, er wird sich langsam an die richtige Dosierung herantasten. Dadurch will er die für Sie individuelle Dosierung finden, die eine ausreichende Wirkung, aber auch möglichst wenige Nebenwirkungen verspricht. Es kann wiederum Wochen dauern, bis das Medikament seine volle Wirkung entfaltet.

Die Nebenwirkungen von Gabapentin

Sehr häufig (das heißt bei mehr als zehn Prozent der Behandelten) leiden Patienten infolge der Einnahme an Virusinfektionen, Schläfrigkeit (Somnolenz), Müdigkeit und Schwindel.

Selten, also ein bis zehn Prozent der Patienten, klagen über Nebenwirkungen wie verändertes Essverhalten, Veränderungen im Blutbild, Verhaltensauffälligkeiten (vor allem von Kindern), Krämpfe, Schlaflosigkeit, Bluthochdruck (Hypertonie), Erkrankungen der Atemwege, Übelkeit und Erbrechen, Muskelschmerzen, Impotenz und Hautauschlag.

Noch seltener (bei weniger als einem Prozent der Behandelten) kommt es zu Wasseransammlungen im Körpergewebe (Ödemen).

Wann darf das Medikament nicht verwendet werden?

Gabapentin darf nicht verwendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Akuter Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung). Treten währen der Behandlung Beschwerden auf, die auf eine beginnende Bauchspeicheldrüsenentzündung hinweisen können (wie Oberbauchbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen), muss der Arzt in der Regel die Behandlung mit dem Medikament abbrechen.

Nur unter strenger ärztlicher Kontrolle darf der Arzneistoff eingesetzt werden bei:

  • verminderter Nierenfunktion
  • chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • Psychosen (in der Vorgeschichte des Patienten)
  • gemischten (allgemeinen und herdförmigen) epileptischen Anfällen einschließlich Absencen.