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Denkleistung: Morgens ist der Geist noch wach

Frühe Vögel bekommen Zuspruch aus der Wissenschaft: Morgens ist die beste Zeit für Schultests, Bewerbungsgespräche oder andere komplizierte Aufgaben, die besonders viel Konzentration erfordern. Das legt eine dänische Studie nahe.

Schlechte Nachrichten für alle, die herausfordernde Arbeiten gerne schieben (Stichwort: Prokrastination), denn: Je später am Tag etwas Schwieriges (und oft Wichtiges) erledigt wird, desto schlechter ist wahrscheinlich das Ergebnis.

Unsere geistige Leistungsfähigkeit bleibt nicht den lieben langen Tag auf gleich hohem Niveau. Das Gegenteil ist der Fall: Sie nimmt von Stunde zu Stunde rapide ab. Konkret heißt das: Morgens sind wir klar im Kopf und in der Lage, komplexe Sachverhalte zügig zu erfassen. Mit der Zeit ermüdet der Geist, unser Konzentrationsvermögen nimmt ab und die Aufmerksamkeitsspanne verkürzt sich. Nicht die besten Voraussetzungen, Reden zu schreiben, Zahlen zu analysieren oder Meetings vorzubereiten, geschweige denn, sich über Kurvendiskussionen den Kopf zu zerbrechen.

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Je jünger der Tag, desto besser die Noten

Forscher des Danish National Centre for Social Research in Kopenhagen verglichen 2 Millionen Ergebnisse standardisierter Tests von Schülern zwischen acht und 15 Jahren miteinander. Dabei zeigte sich, dass nach 8 Uhr die Leistung der Schüler pro vergangene Stunde so weit abfiel, als hätten sie ganze zehn Tage Unterricht im Jahr verpasst. Konkreter: Schüler, die ihre Prüfung um 9 Uhr morgens ablegten, schnitten um gute fünf Prozent besser ab als Schulkinder, die nachmittags schrieben.

Die Begründung der Forscher: Die geistige Erschöpfung zeigt sich im Laufe des Tages mehr und mehr in allen Situationen, die Köpfchen fordern.

Junger Geschäftsmann, der mit geschlossenen Augen auf einer Wiese liegt.

Eine kurze Pause kann die Denkleistung fördern. (c) Cara-Foto / Fotolia

Pausen laden wieder auf

Muss jetzt jeder (ob Schüler oder nicht) bei Tagesanbruch an den Schreibtisch hetzen, um beste Denkleistungen zu vollbringen? Die Wissenschaftler um Studienautor Hans Henrik Sievertsen sehen noch einen anderen Weg, der auch Langschläfern gefallen dürfte. Bei ihrer Analyse der Testergebnisse fiel nämlich auf: Erholungsphasen von 20 bis 30 Minuten vor einer Prüfung verbesserten die Ergebnisse der Schüler im Schnitt um ungefähr zwei Prozent. Danach waren sie in etwa auf derselben geistigen Höhe wie zwei Stunden zuvor. Das legt nahe: Regelmäßige Pausen helfen unserem Gehirn auf die Sprünge.

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Kinder (noch) früher in die Schule zu schicken, halten die Wissenschaftler für wenig sinnvoll. Ein später Unterrichtsbeginn – das belegen anderer Studien – wirkt sich positiv auf Benehmen, Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit aus. Die Dänen schlagen darum vor, Klausuren an allen Schulen stets zu ähnlichen Zeiten und am besten direkt nach einer Pause schreiben zu lassen – das würde die Ergebnisse nicht nur verbessern, sondern auch den Vergleich der Schüler über die Schulpforten hinaus ermöglichen.

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Zusammengefasst heißt das für Schüler und Studenten im Prüfungsstress wie für Fleißige im Beruf: Schwierige Aufgaben zuerst erledigen – das erspart unnötigen Stress und verhindert ärgerliche Fehler.

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