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Dekubitus – Wundliegen vorbeugen und behandeln

Gerade ältere und vor allem pflegebedürftige Menschen sind von Gewebeschäden, die durch zu langes Liegen hervorgerufen werden, betroffen. Mit den folgenden Informationen können Sie Dekubitus (Wundliegen) vorbeugen und richtig behandeln.

Dekubitus beschreibt den Zustand, der entsteht, wenn auf eine bestimmte Hautstelle ein besonders lang anhaltender Druck ausgeübt wird. Da dieser Bereich infolgedessen keine ausreichende Durchblutung mehr erhält, kommt es zu Gewebe- und Hautschäden. Doch nicht nur bettlägerige Menschen sind stark von Dekubitus betroffen, auch Rollstuhlfahrer und an Lähmungen erkrankte Personen betrifft dieses Problem.

Dekubitus: Wenn die Haut unter Druck steht

Einen besonders hohen Druck übt langes Liegen und Sitzen auf die Hautpartien am Rücken, dem Hinterkopf, den Ellbogen, Fersen und Schultern aus. Genau an diesen Stellen ist der Knochenanteil besonders hoch, der von wenigen Schutzpolstern in Form von Weichteilen bedeckt ist.

Müssen die Patienten nun lange auf dem Rücken liegen, wirkt sich ihr komplettes Körpergewicht auf diese Bereiche aus und die Haut wird generell schlechter durchblutet, da die Blutgefäße dadurch zusammengedrückt werden. Könnten sich die Betroffenen bewegen, würden sich diese Körperstellen schon bald wieder erholen und die Durchblutung nimmt ihren normalen Lauf. Doch in vielen Fällen ist dies eben nicht möglich.

Ursachen für Wundliegen

Neben allgemeiner Bettlägerigkeit oder extrem langem Sitzen gibt es noch weitere Faktoren, die Dekubitus begünstigen können:

  • Prothesen, die nicht richtig sitzen
  • Hautfalten
  • Gipsverbände, die zu eng sind
  • Infusionsschläuche oder Katheter
  • Zu enge oder faltige Kleidung

Hinzu kommen außerdem bestimmte Umstände, die ein erhöhtes Dekubitus-Risiko mit sich bringen:

  • Diabetes
  • Fortgeschrittenes Alter
  • Durchblutungsstörungen
  • Anderweitige Erkrankungen
  • Unterernährung
  • Austrocknung
  • Abgeheilte Stellen durch Wundliegen
Auch Rollstuhlfahrer können von Dekubitus betroffen sein.

Auch Rollstuhlfahrer können von Dekubitus betroffen sein. (c) asbe24 / Fotolia

Woran Sie einen Dekubitus erkennen

Dekubitus wird generell in vier verschiedene Stadien unterteilt. Es sind zu Beginn sowohl leichte Hautveränderungen in Form von Rötungen als auch schwerwiegende Schäden an Gewebe, Sehnen, Muskeln und Knochen möglich.

Dekubitus Stadium 1

Im ersten, noch recht harmlosen Stadium ist die Haut meist dauerhaft gerötet. Einen drohenden Dekubitus erkennen Sie anhand eines kurzen Tests: Drücken Sie mit dem Finger auf die gerötete Stelle. Verfärbt diese sich unter Druck nicht weiß, könnte es sich um einen anfänglichen Dekubitus handeln. Auch leichte Schwellungen, warme Stellen oder eine Verhärtung der Haut sind in diesem Stadium möglich.

Dekubitus Stadium 2

Im zweiten Stadium ist die Haut meist schon beschädigt. Man erkennt das unter anderem durch Bläschen, Schürfwunden oder offene Stellen an der Hautoberfläche.

Dekubitus Stadium 3

Bei Dekubitus dritten Grades ist die Haut schon insofern geschädigt, dass sie über tief sitzende Wunden verfügt und das Gewebe deutlich verletzt wurde.

Dekubitus Stadium 4

Im letzten und schlimmsten Stadium des Dekubitus sind bereits Schädigungen an Knochen, Sehnen oder Muskeln entstanden.

Behandlung von Dekubitus

Damit sich die wunden Stellen der Haut nicht noch weiter entzünden und gegebenenfalls sogar von Bakterien befallen werden, die ernste Infektionen auslösen können, ist eine richtige und sorgfältige Behandlung erforderlich. Besonders bettlägerige und unter Medikamenten stehende Patienten sind auf die Hilfe und Aufmerksamkeit der Pflegekräfte angewiesen. Auch eine drohende Blutvergiftung (Sepsis) ist bei fehlender Behandlung keine Seltenheit.

Dekubitus richtig behandeln

Ist es bereits zu einem Dekubitus gekommen, ist es wichtig, dass die entstandenen Wunden entsprechend fachmännisch versorgt werden. Zudem müssen die betroffenen Stellen entlastet werden, was durch eine regelmäßige Umlagerung bzw. durch Umbetten gewährleistet werden kann. Dies beugt gleichzeitig auch die Entstehung von Wundliegen vor.

Hinzu kommt eine frühzeitige Erkennung des Dekubitus, damit die Heilungschancen möglichst gut stehen und sich die Symptome nicht noch weiter verschlechtern. Hilfsmittel wie Wechseldruckmatratzen helfen bei einer gezielten Behandlung und verhindern, dass die Haut zu sehr beansprucht wird.

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Dekubitus-Behandlung durch den Arzt

In jedem Fall sollte ein Arzt hinzugezogen werden, sobald der Verdacht des Wundliegens besteht. Dieser entscheidet dann, je nach Beschwerden und Symptomen, welche Therapiemaßnahmen ergriffen werden. Handeln Sie keinesfalls in Eigenregie, wenn Sie Ihre Angehörigen zu Hause pflegen. Bei kleinen Wunden kann ein lockerer und steriler Verband ausreichen, bei nässenden Wunden kann eine sterile Kochsalzlösung erforderlich sein.

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Bei offenen Wunden durch Dekubitus wird außerdem in vielen Fällen ein spezieller Hydrokolloidverband angelegt, der dafür sorgt, dass die Wunde nicht mit dem Pflaster verklebt und dennoch optimal abheilen kann. In einigen Fällen kann es auch sein, dass bereits abgestorbenes Gewebe operativ entfernt und die Wunde auf Infektionen untersucht werden muss.

Dekubitus vorbeugen

Damit Patienten sich gar nicht erst wund liegen, müssen sie in regelmäßigen Abständen umgebettet und ihre Haut kontrolliert werden. Sofern es die jeweilige Erkrankung zulässt, kann ein gewisses Maß an Bewegung dazu beitragen, dass die Symptome gelindert werden oder gar ausbleiben.

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