Gesunde Frau

Das Hellp-Syndrom – Lebensgefahr für Mutter und Kind

Das Hellp-Syndrom ist eine lebensbedrohliche Schwangerschaftskomplikation. Da die Symptome unspezifisch sind, diagnostizieren Ärzte sie oft falsch oder zu spät.

Beim Hellp-Syndrom handelt es sich um die schwerste Form der Schwangerschaftsvergiftung (Gestose). Es trifft etwa drei bis sechs von 1000 Schwangeren. Teils ist es die sehr schwere Folge einer sogenannten Präeklampsie. Allerdings kann es sich auch davon unabhängig entwickeln.

Der Name Hellp setzt sich zusammen aus den Anfangsbuchstaben der englischen Begriffe für

  • H für Haemolysis (Zerfall der roten Blutkörperchen)
  • EL für elevated liver enzymes (erhöhte Leberwerte)
  • LP für low platelet count (niedrige Zahl der Blutplättchen)

Symptome des Hellp-Syndroms: Nicht eindeutig

Folgende Anzeichen des Hellp-Syndroms sollten Sie kennen. Sie können, müssen aber nicht alle zusammen auftreten:

  • Starke Schmerzen im Oberbauch
  • Übelkeit/Erbrechen
  • Durchfall
  • Deutlicher Bluthochdruck (über 140/90 mmHg)
  • Eiweißausscheidungen im Urin
  • Schwellungen in Armen, Beinen und Gesicht
  • Sehstörungen
  • Gelbfärbung der Haut

Das Hellp-Syndrom kann sehr plötzlich auftreten und sich rasant verschlimmern. Innerhalb einer Stunde kann Ihr Blutdruck extrem ansteigen und sich Ihr Zustand rapide verschlechtern. Komplikationen sind akutes Versagen Ihrer Nieren und eine vorzeitige Ablösung der Plazenta. Das größte Risiko für Sie besteht in einer Leberruptur. Durch sie kann es zu inneren Blutungen mit Todesfolge kommen.

Frauenarzt untersucht werdende Mutter

Regelmäßige Untersuchung helfen Mutter und Kind. (c) Colourbox

Die Ursachen: Bis heute nicht eindeutig geklärt

Früher bezeichneten Ärzte das Hellp-Syndrom als Schwangerschaftsvergiftung (Gestose). Sie glaubten, dass es sich dabei um eine Überschwemmung mit giftigen Stoffen handelte, die der Organismus in der Schwangerschaft freisetzt. Allerdings bestätigte sich diese Vermutung nicht. Bis heute konnte die Medizin die Ursachen der verschiedenen Krankheitsbilder nicht klären, die zu einer Gestose führen. Nach wie vor besteht die Vermutung, dass die Erkrankung eine Folge der Überbelastung des mütterlichen Organismus durch die Schwangerschaft ist.

Diagnose: Erschwert durch diffuse Symptome

Zur Erkennung des Hellp-Syndroms fragt der Arzt die Patientin nach ihren Symptomen und ihrer Krankheitsgeschichte. Besteht der Verdacht auf ein Hellp-Syndrom, liefert er sie sofort in die Klinik ein. Dort unternehmen die Mediziner verschiedene Laboruntersuchungen:

  • Blutdruckmessung: mit fortlaufender Aufzeichnung über einen längeren Zeitraum
  • Urinuntersuchung: Eiweiß im Urin, Kreatininbestimmung, die Auskunft über die Nierenfunktion geben.
  • Bluttests: Sie geben Auskunft über die Nieren- und Leberwerte, die Zahl der Blutkörperchen und Blutplättchen, die Funktion des Gerinnungssystems.

Therapie: Schlimmstenfalls wird die Geburt eingeleitet

Die Behandlung des Hellp-Syndroms hängt von der Schwere der Symptome und dem Stadium der Schwangerschaft ab.

  • Sind die Krankheitszeichen noch nicht stark ausgeprägt, liegt also nur eine geringe Störung der Blutgerinnung vor und ist der Blutdruck nur leicht erhöht, können Medikamente helfen. Die Schwangere wird engmaschig überwacht.
  • Besteht die Schwangerschaft weniger als 32 Wochen, versuchen die Ärzte das Ungeborene im Mutterleib zu belassen, damit seine Lungen ausreifen können. Medikamente helfen dann, die Symptome der Schwangerschaftskomplikation im Griff zu behalten.
  • Nach der 34. Schwangerschaftswoche leitet der Geburtshelfer die Entbindung ein.

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Vorbeugung: Vorsorgeuntersuchungen helfen

Sie können dem Hellp-Syndrom nicht vorbeugen. Schwangere sollten aber die Symptome kennen: heftige Schmerzen im Oberbauch und starke Schwellungen. Zudem ermittelt der Gynäkologe in den Vorsorgeuntersuchungen die entscheidenden Werte in Blut und Urin.