Haut, Haare & Nägel

Was ist was? Das kleine Haarpflege-Einmaleins

Wenn Menschen in Drogerien ratlos vor dem Regal mit Shampoo, Spülung, Kur und Co. stehen, ist das kein Wunder. Angesichts der großen Auswahl an Fläschchen und Döschen fällt die Entscheidung eben schwer. Was brauchen Haare wirklich und worin unterscheiden sich die Produkte eigentlich? Wir helfen durch das Haarpflege-Allerlei.

Geht es um den Schopf, ticken alle Menschen gleich: Jeder wünscht sich schönes gesundes und volles Haar, das sich geschmeidig anfühlt und dennoch widerstandsfähig ist. Der Schlüssel dazu ist die richtige Pflege, oder etwa nicht?

Haare schön und gesund pflegen – geht das?

Rund drei Milliarden Euro investieren die Deutschen jedes Jahr in ihre Mähnen. Und wahrscheinlich haben sie alle dieselbe Hoffnung: endlich weniger Spliss und Frizz, dafür Volumen, Kraft und Geschmeidigkeit. Doch Produkte, die wie Medizin für unsere Haare sind, sie von innen „reparieren“ oder „gesünder“ machen, gibt es so nicht. Um Haare von Grund auf aufzupäppeln, muss man woanders ansetzen − am Vitamin- und Mineralienhaushalt oder an der Kopfhaut.

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Haarpflege bringt also gar nichts? Doch, denn jedes Haar hat eine äußere Schicht aus Schuppen. Ist sie beschädigt, liegt die innere Haarsubstanz frei. Spülungen, Kuren und Masken tragen dazu bei, die Oberfläche zu glätten und das Haar so vor Schädigungen von außen zu bewahren. Doch die Produktpalette ist riesig. Mit unserem Haarpflege-Einmaleins behalten Sie den Überblick.

1. Die Basis: Shampoo

Gute Haarpflege beginnt bei der Reinigung. Ob das Shampoo cremig oder eher flüssig ist oder nach Kokos oder Mandel duftet, ist eine Frage des Geschmacks. Welche pflegenden Substanzen zusätzlich enthalten sind (für feines, schnell fettendes, glanzloses oder trockenes Haar), bestimmen die Bedürfnisse des Haares. Der grundlegende Nutzen eines Shampoos aber ist immer derselbe: Das Haarwaschmittel öffnet die Schuppenschicht, löst Ablagerungen heraus und befreit die Kopfhaut von Schmutz und Fett.

Für den reinigenden Effekt verantwortlich sind Tenside (sogenannte waschaktive Substanzen), die durch ihre chemische Zusammensetzung die Löslichkeit von Schmutzpartikeln und Fett im Wasser erhöhen.

Experten raten, die Haare höchsten dreimal wöchentlich zu shampoonieren, weil die Talgdrüsen der Kopfhaut sonst immer rascher Fett nachproduzieren. Gerade feine Haare wirken dann umso schneller wieder strähnig. Wer vier Waschgänge oder mehr pro Woche braucht, sollte zwischendurch einfach mal eine Shampoo-Pause einlegen und die Haare nur mit Wasser waschen.

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Tipp: Ein kleiner Klecks von der Größe einer Centmünze reicht für kurzes Haar aus, längere Haare benötigen eine Portion so groß wie ein Eineurostück. Es genügt völlig, das Shampoo zunächst nur auf der Kopfhaut zu verteilen und leicht einzumassieren. Nach der Einwirkzeit gelangt beim Ausspülen genug Schaum in die Längen und Spitzen.

2. Im Nachgang: Spülung

Nach dem Waschen ist die Oberfläche der Haare aufgeraut. Hier setzt die Wirkung von Haarspülungen an: Durch ihren leicht sauren pH-Wert zieht sich die Schuppenschicht der Haare wieder zusammen. Außerdem enthalten sie pflegende Substanzen, wie Proteine, Öle oder synthetisches Keratin, die sich um das Haar legen, es glätten und kleine Unebenheiten oder Risse versiegeln.

Das Ergebnis: Die Haare sind leicht zu kämmen, robuster, griffiger und glänzen, weil die geglättete Schuppenschicht das Licht besser reflektiert.

Was ist ein Conditioner? Hierzulande hat er seit Markteinführung Verwirrung gestiftet und sich den Ruf erworben, „das letzte Rätsel der Haarpflege“ zu sein. Des Rätsels unspektakuläre Lösung: Conditioner ist das englische Wort für Haarspülung.

Tipp: Ist das Shampoo ausgewaschen, wird die Spülung in Längen und Spitzen verteilt, denn diese Partien sind die ältesten und damit pflegebedürftigsten. Der Balsam wirkt einige Minuten ein und muss dann wegen seines Säureanteils gründlich ausgespült werden. Ansatz und Kopfhaut hingegen können gut auf die Pflege verzichten. Dort haben Spülungen sogar den unangenehmen Nebeneffekt, Haare platt und matt wirken zu lassen.

Wer braucht’s?

Besonders lange, trockene und spröde Haare sind auf eine Spülung angewiesen. Vor allem, wenn ihnen ein ausgiebiges Stylingprogramm (föhnen, glätten, sprayen) bevorsteht. Ob Spülungen bei jeder Wäsche zum Einsatz kommen müssen, hängt vom individuellen Haartyp ab.

Pflege macht Haare nicht gesünder, kann sie aber vor Schäden schützen

Pflege macht Haare nicht gesünder, kann sie aber vor Schäden schützen.

3. Verwöhnendes Extra: Haarkur

Im Prinzip unterscheiden sich Kuren und Spülungen nur in einem entscheidenden Detail: Kuren müssen nicht direkt wieder ausgespült werden, weil sie im Gegensatz zu Spülungen das basische Milieu der Kopfhaut bedienen. Das heißt: Es lohnt sich, die pflegenden Bestandteile höher zu konzentrieren, weil sie länger in den Haaren bleiben und nicht direkt im Abfluss landen. Kuren bieten daher langfristige, reichhaltige und intensive Pflege für Haare und Kopfhaut.

Kuren in Form von Emulsionen und Cremes müssen üblicherweise wieder ausgespült werden, weil ihre reichhaltigen Substanzen die Haare sonst beschweren. Die Einwirkzeit der Ausspül-Kuren (auch „Rinse-Off“ genannt) variiert von Produkt zu Produkt. Manche Packungen können ihre pflegende Wirkung den ganzen Tag oder eine Nacht lang unter einem Handtuch entfalten.

Daneben gibt es sogenannte Leave-In-Sprays und -Fluide, die dank ihrer besonders leichten Zusammensetzung im Haar bleiben können. Leave-In-Kuren eignen sich besonders für fettiges und feines Haar, das empfindlich auf reichhaltige Pflege reagiert und schnell platt herunterhängt.

Haarmaske, Kur oder Intensivkur? Die Unterschiede sind minimal und betreffen allenfalls die Konzentration der Pflegestoffe und die Einwirkzeit.

Tipp: Einmal wöchentlich nach der Haarwäsche und statt der Spülung anwenden. Das Extra an Pflege kann die Haare sonst beschweren und ihnen Volumen wie Beschwingtheit nehmen.

Wer braucht’s?

Menschen mit trockener oder fettiger Kopfhaut können von regelmäßigen Kuren profitieren. Ansonsten empfiehlt sich das Pflegeextra für spröde, strapazierte, trockene und brüchige Spitzen. Wer sein Haar regelmäßig färbt oder eine Dauerwelle trägt, kann mit Kuren die Haaroberfläche kräftigen und Spliss vorbeugen.

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4. Für Schnelle: Haaröl

Pflegeöle fürs Haar haben in den letzten Jahren einen Stammplatz im Badezimmer erobert. Die praktischen Haarpfleger für zwischendurch enthalten Öle aus Nüssen, Blüten oder Samen. Beliebt sind Arganöl (für dickes Haar), Marulaöl (für feines Haar) und Rosenöl (für trockene Kopfhaut). Dank der speziellen Formeln lassen sich die Pflegeöle leicht auf dem Haar verteilen und werden schnell aufgenommen, sodass niemand Angst vor fettigen Strähnen haben muss.

Das Öl legt sich als dünner Fettfilm um das Haar, schließt Feuchtigkeit ein und schützt die Haarsubstanz vor äußeren Einflüssen. Ein großer Vorteil ist die einfache Anwendung: kein Einwirken, kein Ausspülen und im Nu geschmeidige, glänzende Haare, die sich dank des besseren Griffs auch leichter frisieren lassen.

Tipp: Anwendbar als kleine Anti-Spliss-Kur vor dem Waschen, im nassen oder auch trockenen Haar.

Wer braucht’s?

Alle, die ihr Haar auf die Schnelle verwöhnen wollen. Außerdem: Die Haarpflege mit Öl hilft beim Bändigen von krausen Locken und schützt Spitzen vor Spaltereien.

Gibt es überpflegte Haare?

Ganz klar: ja. Wer es mit Spülungen, Kuren und Masken übertreibt, dazu noch ständig Haarspray und Schaumfestiger verwendet, kleistert seine Haare irgendwann mit Pflege- und Stylingstoffen regelrecht zu. Die Folge: Sie wirken stumpf und schwer. Ein einfaches Shampoo reicht dann unter Umständen nicht mehr aus, die Rückstände zu lösen. Sogenannte Tiefenreinigungs- oder Peelingshampoos säubern intensiver und befreien die Haare von Altlasten.

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