Alternativmedizin & Naturheilkunde

Blutegel – tierisches Heilverfahren

Bereits vor tausenden von Jahren wurden Blutegel eingesetzt, um verschiedene Krankheiten zu heilen. Als alternatives Heilverfahren werden die kleinen Blutsauger noch heute verwendet.

Schon im Mittelalter waren Blutegel ein wichtiger Bestandteil der angesehensten Ärzte. Mit speziellen Wirkstoffen, die die Egel unter die Haut und ins Blut abgeben, soll es möglich sein, Entzündungen und andere Erkrankungen zu heilen. Wir zeigen Ihnen, in welchen Bereichen Blutegel eingesetzt werden und wie genau sie wirken.

Behandlung mit Blutegeln: natürliches Ausleitungsverfahren

Eine Blutegeltherapie kann mit einem Aderlass oder dem blutigen Schröpfen verglichen werden. All diese Behandlungsverfahren gehören zu den sogenannten Ausleitungsverfahren, die dazu dienen sollen, Schadstoffe über das Blut auszuleiten und so den Körper zu entlasten. Einen gewissen Unterschied zu den anderen Methoden gibt es allerdings und das ist der Speichel des Blutegels. Er besitzt gewisse Stoffe, denen eine positive Wirkung zugeschrieben wird. Laut Wissenschaftlern enthält der Blutegel-Speichel insgesamt etwa 20 bis 30 verschiedene Inhaltsstoffe, darunter auch Eglin und Hirudin. Beide Stoffe wurden dabei etwas genauer untersucht:

Eglin

Diese Substanz im Blutegel-Speichel wird vor allem für ihre schmerzstillende Wirkung geschätzt. Eglin soll auch die Eigenschaft besitzen, Enzyme zu blockieren, die für entzündliche Prozesse im Körper zuständig sind.

Hirudin

Soll beispielsweise die Blutgerinnung hemmen können, was unter anderem die Entstehung von Thrombosen und ein damit verbundenes Embolie-Risiko verringern kann. Auch bestehende Thrombosen soll Hirudin auflösen können. Hinzu kommt die krampflösende Wirkungsweise, die man dem Speichel des Blutegels aufgrund dieser Substanz zuschreibt. Die Bildung der weißen Blutkörperchen wird durch Hirudin gefördert, die besonders für ein gut funktionierendes Immunsystem wichtig sind. Außerdem soll sich Hirudin positiv auf den Lymphfluss auswirken, was die Ausscheidung von Schadstoffen aus dem Körper unterstützen und die Entgiftung beschleunigen kann.

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Blutegel saugen Blut

Blutegel werden an der Stelle eingesetzt, wo Ihre Wirkstoffe benötigt werden. (c) Colourbox

Blutegel: medizinische Anwendungsgebiete

Nicht nur in der alternativen Medizin wird der Blutegel gerne eingesetzt, um den Patienten Linderung zu verschaffen. Auch die plastische Chirurgie macht sich die Blutegel-Behandlung zunutze. Immer öfter kommen die Blutegel hier nach Replantationen zum Einsatz, um die Durchblutung wiederherzustellen. Doch auch laut einer Studie konnte die Behandlung mit Blutegeln bei symptomatischer Arthrose positive Ergebnisse erzielen. Außerdem wird bei den folgenden Erkrankungen oft auf Blutegel als alternative Therapieform zurückgegriffen:

  • Durchblutungsstörungen
  • gestörte Wundheilung
  • Entzündungen der Venen
  • Krampfadern
  • nach Thrombosen
  • bei Nervenschmerzen
  • bei Rheuma oder Gicht

Es gibt jedoch auch Bereiche, die sich nicht für eine Therapie mit Blutegel eignen. Dazu gehören vor allem Patienten, die Blutverdünner einnehmen oder zu starken Blutungen neigen. Zusätzlich sollte während einer Schwangerschaft, bei Magenblutungen oder diversen Gefäßerkrankungen auf eine Blutegeltherapie verzichtet werden.

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Wie läuft die Therapie mit Blutegeln ab?

Wie viele Blutegel vom Therapeuten eingesetzt werden, hängt immer vom Krankheitsbild des Patienten und dessen Alter ab. Damit die Blutegel auch genau an der Stelle ihre Arbeit verrichten, an der sie benötigt werden, werden sie mit einem umgestülpten Glas auf die Haut gesetzt. Dort suchen sie sich dann einen geeigneten Ort zum Blutsaugen. Da Blutegel sehr sensibel sind, ist es wichtig, die Haut vor der Anwendung etwas zu wärmen, da Blutegel Wärme bevorzugen. Lärm und hektische Bewegungen mögen Blutegel nicht, was dazu führen kann, dass sie nicht „anbeißen“. Der Biss der Blutegel tut in der Regel nicht mehr weh als ein Mückenstich. Sobald er die für sich passende Stelle gefunden hat, bohrt der Blutegel seine kleinen Zähnchen in die Haut und sondert seinen Speichel während der gesamten Therapiesitzung ins Blut des Patienten ab.

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Blutegel dürfen keinesfalls während der Behandlung abgerissen werden. Haben sie ausreichend Blut gesaugt, fallen sie immer von alleine ab. Das kann in der Tat zwischen 30 und 90 Minuten dauern. Werden Blutegel unfreiwillig entfernt, kann ein Teil von ihnen in der Haut stecken bleiben, was eine Entzündung auslösen kann.

Blutegel: Blutungen nach Behandlung normal?

Nach abgeschlossener Behandlung durch Blutegel ist es völlig normal und auch erwünscht, dass eine leichte Nachblutung eintritt. Dieser Effekt soll die Wirksamkeit der Therapie unterstützen und mögliche Keime ausschwemmen. Die Nachblutung kann dabei bis zu 12, in Ausnahmefällen auch bis zu 24 Stunden dauern. Im Anschluss erhalten sie einen lockeren Verband, der regelmäßig gewechselt werden sollte.