Schon gewusst?

Wie gefährlich ist Bisphenol A (BPA)?

Obwohl Bisphenol A als gefährliche und möglicherweise gesundheitsschädigende Chemikalie gilt, wird es insbesondere bei Verpackungen weiterhin eingesetzt.

Ab 2020 wird Bisphenol A in Thermopapier wie Kassenbons EU-weit verboten sein. Bereits 2016 forderte das EU-Parlament außerdem auf, Bisphenol A in Lebensmittelverpackungen vollständig zu verbieten – leider nur mit mäßigem Erfolg. Zwar wurden die Grenzwerte gesenkt, komplett verboten wurde es jedoch nicht.

Dabei sind die gesundheitlichen Gefahren des hormonellen Schadstoffes schon lange bekannt. Wir klären auf, worin sich Bisphenol A befindet, wie gefährlich es ist und welche Alternativen es gibt.

Was ist BPA und worin kommt es vor?

Bisphenol A – kurz BPA – ist eines der Grundstoffe für die Herstellung von Polycarbonat (Kunststoff). Hierbei handelt es sich um einen Weichmacher, der in Kombination mit anderen chemischen Stoffen auch für die Produktion von Kunststoffharzen eingesetzt wird. Zu finden ist der Stoff erschreckend oft in Alltagsgegenständen, wie zum Beispiel:

  • Thermopapier Kassenbons, Kontoauszüge, Fahrkarten, Parkscheine
  • Getränke- und Konservendosen
  • Trinkflaschen
  • Zahnfüllungen aus Kunststoff
  • Schnullern
  • Plastikverpackungen
  • Spielzeug aus Plastik
  • Frischhaltedosen
  • Brutkästen für Frühgeborene
  • CDs, DVDs und Blu-Rays

Seit 2011 ist zumindest bei Babyflaschen und Schnabeltassen der Einsatz von Bisphenol A EU-weit verboten. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass sich nun gar kein Bisphenol mehr darin befindet. Die Industrie setzt seit dem Verbot verstärkt auf den Ersatzstoff Bisphenol S – eine ähnlich schädliche Chemikalie aus derselben Gruppe.

Das gefährliche an BPA ist, dass es sich beim Kontakt mit Lebensmitteln aus dem Verpackungsprodukt herauslösen kann und dann in die Lebensmittel übergeht. Dabei reichen bereits geringe Mengen von BPA aus, um unseren Hormonhaushalt angreifen zu können.

Ein Kassenbon.

Kassenbons dürfen in der EU ab 2020 kein BPA mehr enthalten. (c) Petra Beerhalter / Fotolia

Ist BPA gesundheitsschädlich?

Die größte Gefahr, dass BPA in unseren Organismus gelangt, besteht immer dann, wenn Verpackungen bzw. der Behälter erhitzt werden. Bereits bei geringer Wärme löst sich BPA aus dem Kunststoff und geht in den Inhalt über. Die normale Körperwärme eines Babys reicht somit schon aus, um die Substanz im Schnuller zu lösen. Auch Wasserflaschen, die bei Hitze im Auto liegen bleiben, können BPA freisetzen und ins Wasser übergehen.

Wie schädlich der Stoff für uns sein kann, machen einige Studien deutlich. Da Bisphenol das weibliche Östrogen imitiert, steht es in Verdacht, als sogenannter endokriner Disruptor für einige negative gesundheitliche Auswirkungen (mit-)verantwortlich zu sein:

  • verringerte Fruchtbarkeit
  • Verhaltensstörungen
  • Frühreife
  • Diabetes
  • Fehlbildungen des männlichen Genitals
  • niedriges Geburtsgewicht
  • Herzkrankheiten
  • Leberprobleme
  • Fettleibigkeit
  • Kreidezähne

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Eine gesundheitsschädliche Wirkung von Bisphenol A nachzuweisen, ist leider nicht einfach. Toxikologen sind sich zwar einig, dass der Stoff Auswirkungen auf unsere Gesundheit hat, können dieses jedoch aktuell nicht zu einhundert Prozent nachweisen.

Gibt es BPA-freie Alternativen?

Bisphenol gehört zu den Chemikalien, die sich im täglichen Leben extrem schwer komplett vermeiden lassen. In beinahe jedem Alltagsprodukt findet man BPA. Während die USA, Kanada, Dänemark und Frankreich bereits seit einigen Jahren auf BPA-freie Kunststoffe umsteigen, tut sich in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern dagegen leider immer noch sehr wenig.

Auch viele Hersteller sind offensichtlich nicht oder fast gar nicht bereit dazu, sich um Alternativen zu kümmern. Es gibt hierzulande nur wenige Unternehmen, die gänzlich oder zumindest in Teilbereichen auf Bisphenol A verzichten.

Immerhin wird zumindest bei vielen Produkten aus dem Bereich „Baby und Kleinkind“ reagiert. Diese sind inzwischen auf der Verpackung mit der Aufschrift „BPA frei“ gekennzeichnet.

Zusätzlich können Verbraucher jedoch selbst darauf achten, Bisphenol A möglichst zu vermeiden:

  • Lebensmittel, Getränke und Babynahrung in Behälter aus Glas, Keramik oder Edelstahl umfüllen, lagern und erhitzen.
  • Verpackungen mit dem Recyclingcode 7 (abgekürzt RE 7) vermeiden. Häufig verbirgt sich Bisphenol A dahinter.
  • Verpackungen auf denen Polycarbonat (Abkürzung PC) angegeben ist, vermeiden. Auch hier könnte BPA enthalten sein.
  • Achten Sie beim Kauf von Produkten auf das Dreieckssymbol mit einer 2, 4 oder 5. Die Verpackungen wurden definitiv ohne gesundheitsgefährdende Stoffe hergestellt.

Leider gibt es insbesondere bei Konserven keine Sicherheit, weshalb Lebensmittel in Metalldosen mit Bedacht gekauft werden sollten. Bei Kleinkindern sollten Sie gänzlich auf Konservennahrung verzichten.

Auch viele Zahnfüllungen aus Kunststoff werden mit dem Weichmacher Bisphenol A hergestellt. Fragen Sie Ihren Zahnarzt gezielt nach Alternativen, sofern sich BPA in den Dentalstoffen befinden sollte.

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