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Benzodiazepine – unentbehrliche Arznei mit hohem Suchtrisiko

Benzodiazepine lindern schnell und zuverlässig die Symptome bei innerer Unruhe, Epilepsie sowie Schlaf- und Angststörungen.

Benzodiazepine werden meist in Tablettenform ausgegeben, fallen häufig unter das Betäubungsmittelgesetz und können schnell süchtig machen. Das verschreibungspflichtige Arzneimittel besitzt eine angstlösende, sedierende und muskelentspannende Wirkung und wird aufgrund ihrer schnellen Wirkung insbesondere bei Patienten mit Angst- oder Schlafstörungen sowie bei Epileptikern eingesetzt. Erfahren Sie bei uns, was Benzodiazepine sind, für wen sie sich eignen, wie sie wirken und ob es Nebenwirkungen gibt.

Was sind Benzodiazepine?

Benzodiazepine – auch kurz Benzos genannt – wurden anfangs in der Narkosemedizin verwendet und gehören inzwischen zu den am häufigsten verschriebenen Psychopharmaka.

1957 ließ der amerikanische Chemiker und Pharmazeut Leo Henryk Sternbach die erste Verbindung aus der Gruppe der Benzodiazepine synthetisieren und brachte 1960 das Medikament Librium mit dem Wirkstoff Chlordiazepoxid auf den Markt. Weitere drei Jahre später entwickelte Sternbach das Arzneimittel Diazepam, welches ursprünglich unter dem Namen Valium® vermarktet wurde. Alle darauffolgenden Substanzen aus der Gruppe der Benzodiazepine leiten sich bis heute von den ersten beiden Verbindungen Chlordiazepoxid und Diazepam ab.

Eine grafische Darstellung der Wirkung von Benzodiazepinen

Benzodiazepine können die Stimmung aufhellen. (c) Colourbox

Wie wirken Benzodiazepine?

Alle Benzodiazepine enthalten ein System aus zwei ringförmigen Strukturen, Benzolring und Diazepinring, die miteinander verbunden sind. Beide Strukturen haben eine eigene Wirkung: Während Benzol narkotisch wirkt, gilt Diazepin als Hypnotika. Benzodiazepine haben also alle eine beruhigend-sedative und zeitgleich hypnotisch-schlafauslösende Wirkung.

Die Wirkung fällt jedoch, je nachdem wie empfindlich jemand auf die jeweilige Substanz reagiert oder wie hoch die Dosis ist, unterschiedlich aus.

So können Medikamente mit Benzodiazepinen folgende Wirkung haben:

  • Angstlösend
  • Krampflösend
  • Muskelentspannend
  • Beruhigend
  • Erregungsdämpfend
  • Aggressionsdämpfend
  • Schlafanregend
  • Berauschend
  • Stimmungsaufhellend
  • Hypnotisch
  • Amnestisch
  • Euphorisierend
  • Anti-eleptisch

Oftmals treten gleich mehrere der oben genannten Wirkungen auf. So wirkt zum Beispiel das Medikament Tavor® (Arzneistoff Lorazepam) beruhigend, angstlösend, hypnotisch, schlaffördernd, schmerzlindernd, betäubend und Muskelentspannend zugleich.

Wie schnell und wie lange wirken Benzodiazepine?

Benzodiazepine wirken schnell. Bei Tabletten tritt bereits nach ca. 15 Minuten die volle Wirkung und bei Injektionen nach ca. 30 Minuten ein. Die Halbwertzeit dagegen ist abhängig vom jeweiligen Präparat sowie der Erkrankung und dem Alter des Patienten. So liegt die Wirkungsdauer von Benzos gegen Schlafstörungen bei rund 6-8 Stunden, während bei Medikamenten gegen Angststörungen die Halbwertzeit durchaus auch mal bei mehreren Tagen liegen kann.

Bestimmte Benzodiazepine, wie z.B. Diazepam, wirken insbesondere bei älteren Menschen drei bis viermal länger, als das bei jüngeren Menschen der Fall ist.

Nebenwirkungen, Risiken und Langzeitfolgen

Genauso stark wie die Wirkung von Benzodiazepinen können auch die Nebenwirkungen ausfallen. Die aber wichtigste und schwerwiegendste Nebenwirkung ist das sehr hohe Risiko, von Medikamenten mit Benzodiazepinen abhängig zu werden. Neben der Gefahr medikamentensüchtig zu werden, können Benzos auch zu verschiedenen physischen und psychischen Nebenwirkungen führen:

  • Benommenheit
  • Hohe Müdigkeit
  • Verwirrtheit
  • Sehstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Atemstörungen
  • Vermindertes Reaktionsvermögen
  • Verminderte Konzentrations- und Merkfähigkeit
  • Libido Verlust
  • Emotionale Abstumpfung
  • Persönlichkeitsveränderungen

Benzodiazepine gänzlich ohne Nebenwirkungen gibt es leider nicht, da alle Substanzen direkt im zentralen Nervensystem agieren und dort die Reizweiterleitung hemmen.

In manchen Fällen ist es ratsam, Benzos über einen längeren Zeitraum einzunehmen – selbstverständlich unter stetiger ärztlicher Beobachtung. Hier entsteht ein weiteres Risiko, denn genauso risikoreich wie der Dauerkonsum ist auch das abrupte Absetzen der Substanzen mit erheblichen Risiken verbunden. Neben Schlafstörungen, starke innere Unruhe und Angstzuständen, werden oftmals auch Suizidgedanken hervorgerufen.

Die Einnahme sowie das Absetzen von Benzodiazepinen sollten also ausschließlich unter ärztlicher Begleitung erfolgen.

Benzodiazepine machen schnell abhängig

Benzodiazepine machen bereits nach einem kurzen, aber regelmäßigen Konsum über einen Zeitraum von ungefähr 4 bis 8 Wochen, körperlich und psychisch abhängig. Wer einmal in die Abhängigkeit von Medikamenten mit Benzos gekommen ist, kommt nur schwer wieder heraus. Der Entzug braucht viel Geduld und Zeit. Zudem sind die Entzugssymptome extrem heftig:

  • Zwänge
  • Paranoia
  • Schmerzen
  • Taubheitsgefühle
  • Zittern
  • Juckreiz und Hautausschlag
  • Wut und Aggression
  • Schwächeanfälle
  • Vermehrtes und starkes Schwitzen
  • Mundtrockenheit
  • Krampfanfälle
  • Muskelzuckungen und Tics
  • Verschwommenes sehen und Doppelsehen
  • Starke Stimmungsschwankungen
  • Neurologische Ausfälle

Hinzu kommt, dass häufig der sogenannte Gewöhnungseffekt eintrifft, sodass Medikamente bei regelmäßiger Einnahme ihre Wirkung verlieren können.

Depression

Benzos kommen u,a. bei Depressionen und bipolare Störungen zum Einsatz. (c) hikrcn / Fotolia

Anwendung bei welchen Krankheiten?

Alle Medikamente mit Wirkstoffen aus der Gruppe der Benzodiazepine sind rezeptpflichtig und werden für unterschiedlichste Anwendungsgebiete und Krankheiten verordnet:

  • Stressbedingte Störungen (Erschöpfung, Nervosität, Schlafstörungen)
  • Bipolare Erkrankungen
  • Epilepsie
  • Depressionen
  • Angststörungen

Zudem werden Benzodiazepine als Beruhigungsmittel vor operativen Eingriffen, bei Tetanus sowie bei Fieberkrämpfen und anderen Muskelspannungen eingesetzt.