Schon gewusst?

So funktioniert das Belohnungssystem unseres Gehirns

Jeder Mensch kennt dieses wohltuende Gefühl, ein (Zwischen-) Ziel erreicht zu haben und damit eine Belohnung. Es kann sich dabei um Geld, Essen, Lob oder viele andere Dinge handeln. Diese Belohnung löst im Gehirn einen regelrechten Motivationsschub aus. Wer versteht, was hierbei in den Neuronen passiert, kann das Belohnungssystem gezielt austricksen.

Wer einen Menschen oder ein Tier zu einer gewissen Handlung bewegen möchte, hat zwei Optionen zur Auswahl: Er kann eine Bestrafung androhen oder mit einer Belohnung locken. So wurde beispielsweise unlängst bewiesen, dass bei Hunden die Strafe negative Effekte nach sich ziehen kann bis hin zu unheilbaren Traumata. Schnellere, nachhaltigere sowie schonendere Ergebnisse lassen sich hingegen durch die Arbeit mit dem Belohnungssystem erzielen. Die Belohnung bedient dabei gewisse Grundbedürfnisse und besteht in der Regel aus Futter, aber auch Streicheleinheiten oder Spielzeug werden gerne eingesetzt.

Dies mag bei Menschen nicht in derselben Weise funktionieren, aber das Belohnungssystem ist durchaus ähnlich.

Das Dopamin als „Glückshormon“

Auch das menschliche Gehirn arbeitet nämlich bewusst oder unbewusst mit einem solchen Belohnungssystem. Es wird als mesocortikolimbisches Belohnungssystem bezeichnet. Es handelt sich dabei um ein verzweigtes Netz von Neuronen in einem Hirnareal, in welchem der höchste Wert an Dopamin entsteht. Dopamin ist ein Botenstoff im Gehirn, der auch als „Glückshormon“ bezeichnet wird, ähnlich wie das Serotonin. Der Unterschied liegt darin, dass das Serotonin eher kurzfristige Glücksgefühle hervorruft, wohingegen das Dopamin längerfristig wirkt.

Es entstehen also positive Gefühlserlebnisse, die über einen längeren Zeitraum anhalten und in dieser Zeit eine Steigerung von Motivation und Antrieb nach sich ziehen. Empfunden wird dieser Mechanismus als eine Art „Belohnungseffekt“, der einen regelrechten Motivationsschub auslöst.

Die Grundbedürfnisse als Belohnung?

Dieses Dopamin wird vom Gehirn aber nicht automatisch ausgeschüttet, sondern es benötigt einen „Trigger“. Und ähnlich wie bei Hunden kommen dabei die Grundbedürfnisse ins Spiel. Köstliches Essen wird von den meisten Menschen – bewusst oder unbewusst – ebenso als Belohnung wahrgenommen wie körperliche Nähe oder eine Beschäftigung, die Spaß macht, beispielsweise das Shopping oder ein Treffen mit Freunden.

Von Person zu Person gibt es also Unterschiede, wie stark das Belohnungssystem bei unterschiedlichen Dingen aktiviert wird, doch aktiv ist dieses in jedem Fall.

Ein Hund wird trainiert mittels Belohnung

Positive Ereignisse wie Belohnungen steigern die Motivation. (c) Adobe Stock / melounix

Gefährliche Belohnungen

Leider gibt es auch schädliche Substanzen wie Drogen, welche das Belohnungssystem aktivieren. An dieser Stelle wird ein Mechanismus besonders deutlich: Es regt zur Wiederholung an. Unwillkürlich tendieren Menschen also dazu, die Tätigkeit auszuführen beziehungsweise das zu konsumieren, wodurch der Dopaminspiegel erhöht wird und somit die positiven Gefühle hervorruft – wieder und wieder. Im Fall einer Drogensucht ist dieser Effekt als negativ zu bewerten, doch er kann auch ins Positive gewendet werden.

Belohnung führt zu Wiederholung

Denn diese freiwillige Wiederholung im Erwarten einer Belohnung ist der grundlegende Treiber, welcher als Motivation bezeichnet wird. Wer also „richtig“ mit Belohnungen arbeitet, kann seine eigene Motivation ebenso erhöhen wie jene seiner Mitmenschen oder sogar des Hundes. Die Belohnung ist also ein mächtiges Werkzeug, wenn es um die Motivation geht, und die Grundlage dafür, dass diese überhaupt entstehen kann.

Motivation in der Wirtschaft

Wirtschaftlich hat die Motivation heutzutage eine große Bedeutung. Jeder Arbeitnehmer wünscht sich motivierte Mitarbeiter. Jeder Verkäufer muss in Kunden die Motivation zum Kauf wecken. Werbung versucht, die Zielgruppe zu einer gewissen Aktion zu motivieren. Diese sind nur einige von vielen Beispielen, wie die Motivation in der Wirtschaft gezielt genutzt wird – und zwar durch die Belohnung. Die Werbung verspricht beispielsweise, dass sich der Käufer durch das Produkt besser fühlt. Oder der Arbeitgeber lockt für gute Leistungen mit einer Gehaltserhöhung.

Wer einmal genau hinsieht, wird merken, dass die Motivation im Sinne einer Aktivierung des Belohnungssystems beinahe in allen Bereichen des menschlichen Lebens eine tragende Rolle spielt. Das gilt auch für die Wirtschaft, aber eben nicht nur.

Schon Kinder spielen mit (der) Motivation

Hierbei handelt es sich nicht um eine neue Entwicklung, sondern seit jeher ist die Motivation der Treiber und Antreiber für die Menschen und die Tiere. Jede Handlung lässt sie eine gewisse Belohnung erwarten. Sie gehen beispielsweise jagen, um etwas zum Essen zu haben und somit ein Grundbedürfnis zu decken. Sie schlafen, um sich anschließend besser zu fühlen. Sie interagieren, um soziale Bestätigung oder Schutz zu finden. Auch hier ist die Liste an Beispielen lang.

Eine Frage, welche die Wissenschaftler jedoch lange Zeit beschäftigt hat, ist jene, weshalb die Menschen spielen – vor allem im Kindesalter? Auch hier hat die Forschung mittlerweile spannende Erkenntnisse gewonnen: Das Spielen macht Spaß und ruft positive Emotionen hervor, die wiederum als Belohnung wahrgenommen werden.

Spielen macht glücklich

Ein Mechanismus, der längst nicht nur bei Kindern greift, sondern auch viele Erwachsene spielen auf die eine oder andere Art und Weise noch gerne. Manche wählen hierfür das Brettspiel mit der ganzen Familie, andere zocken Online-Games mit Fremden und wieder andere versuchen sich im Glücksspiel.

Letzteres triggert das Belohnungssystem zusätzlich durch den sogenannten Jackpot, da der Spieler hier von einem größeren Gewinn ausgehen kann und somit das Denkorgan von Botenstoffen durchflutet wird und Glücksgefühle auslöst. Dabei macht es durchaus einen Unterschied, um welche Art von Jackpot es sich handelt, sprich wie groß die zu erwartene Belohnung ist. Selbiges lässt sich natürlich auf jedes andere Spiel übertragen. Das Belohnungssystem kann also ganz bewusst angesteuert werden, um die Motivation zusätzlich zu erhöhen.

Sofortige vs. zukünftige Belohnungen

Wie sie bei anderen Personen das Belohnungssystem aktivieren und somit die Motivation steuern beziehungsweise fördern können, wissen also viele Menschen und zwar längst nicht nur Marketing-Experten oder Spieldesigner. Nicht aber, wie sie ihr eigenes Gehirn „austricksen“ können, um ihre Motivation zu steigern sowie über einen langen Zeitraum aufrecht zu erhalten. Denn allzu häufig haben wir das Problem, dass die Motivation schnell nachlässt und wir somit gewisse Ziele nicht erreichen, beispielsweise den gewünschten Gewichtsverlust.

Hierfür ist ein anderer Mechanismus im Gehirn zuständig: Die sofortige Belohnung wird immer jener in der Zukunft vorgezogen. Somit wirkt die Schokolade verlockender als die eventuelle Traumfigur irgendwann in einigen Monaten. Aus diesem Grund ist es wichtig, mit gewissen psychologischen Tricks zu arbeiten. Hierbei geht es auch um das Belohnungssystem.

Eine Frau hat einen Motivationsschub

Sport kann als Belohnung wahrgenommen werden. (c) Adobe Stock / coldwaterman

Das Belohnungssystem aktivieren – aber wie?

Auch bei sich selbst ist es also möglich, gezielt einen neuronalen Motivationsschub herbeizuführen und langfristig aufrecht zu erhalten. Wie bereits erwähnt, gibt es aber individuelle Unterschiede, was ein Mensch als Belohnung empfindet. Wir müssen schlussendlich also selbst herausfinden, auf welchen „Jackpot“ unser Belohnungssystem am besten reagiert. Dadurch, dass im Gehirn ein Verlangen ausgelöst wird, verfolgen wir also motiviert ein Ziel, bis wir die gewünschte Belohnung erhalten.

Im Job könnte das die Gehaltserhöhung sein, im Alltag die Tafel Schokolade, beim Sport die Traumfigur oder beim morgendlichen Aufstehen die Vorfreude auf ein Hobby. Die Liste an Möglichkeiten ist beinahe endlos. Jeder Mensch hat dabei einen eigenen Antrieb und genau diesen gilt es zu finden.

Wenn wir das Belohnungssystem aktivieren möchten, müssen wir also

  • gewisse Ziele stecken – beispielsweise die Beförderung, der Verlust von zwei Kilogramm Körpergewicht, ein gewisses Level in einem Spiel oder so ähnlich.
  • dieses Hauptziel in kurz-, mittel- und langfristige Zwischenziele unterteilen.
  • jedem Zwischenziel eine gewisse Belohnung zuschreiben.

In der Theorie klingt das ganz einfach: Das Belohnungssystem muss in regelmäßigen Abständen „nachgefüttert“ werden, damit das Dopamin und damit auch die Motivation auf einem hohen Level bleiben. Was genau hierbei als Belohnung eingesetzt wird, kann jeder selbst entscheiden. Beim Lernen auf eine Prüfung könnte das System beispielsweise so aussehen, dass immer zwei Stunden effektiv gelernt wird und dafür darf anschließend eine halbe Stunde ein Online-Game gespielt werden – oder so ähnlich.

Fazit: Zwischen Höchstleistungen und Suchtgefahr

In der Praxis kann und sollte hierbei jeder sein eigenes System finden, dann wird die Motivation plötzlich zu einem steuerbaren Instrument. Allerdings dürfen diese Belohnungen nicht zu einer schädlichen Gewohnheit werden. Denn die Hirnforschung konnte an Experimenten mit Tieren herausfinden, dass das Belohnungssystem zugleich die Grundlage für eine Sucht darstellen kann. Umso wichtiger ist es, dass wir „richtig“ mit Belohnungen umgehen, damit sie ihre volle Macht entfalten können – und zwar positiv.