Alternativmedizin & Naturheilkunde

Artemisia annua und andere, heilkräftige „Unkräuter“

Immer mehr Menschen interessieren sich für die Heilkraft der Pflanzen, die auch als Phytotherapie, eine der alternativen Behandlungsmethoden, bekannt ist. Dabei geht es darum, sich die heilenden Kräfte der Natur zunutze zu machen. Immer mal wieder gerät eine Pflanze in den Fokus, wie etwa Artemisia annua.

Die Chinesin Youyou Tu hat 2015 den Medizin-Nobelpreis erhalten, weil sie aus der Pflanze das Artemisin extrahierte, das nachweislich gegen Malaria helfen kann. Diese Pflanze spielt in der Traditionellen Chinesischen Medizin schon seit Tausenden Jahren eine wichtige Rolle.

Artemisia annua ist der einjährige Beifuß. Er unterscheidet sich von Artemisia vulgaris, der auch als Gewöhnlicher Beifuß, Gewürzbeifuß oder Gemeiner Beifuß bekannt ist. Beide Pflanzen werden in Deutschland eher als „Unkraut“ gesehen. Im aktuellen Zusammenhang mit Covid 19 wird untersucht, ob Artemisia annua ebenfalls helfen kann.

Dabei gibt es immer wieder Diskussionen, ob die Pflanze allein heilkräftig genug (gegen Malaria) ist, oder ob man besser auf Medikamente zurückgreifen soll, die aus den Wirkstoffen gewonnen wurden. Manche Tropenmediziner schwören auf den Artemisia annua Tee, andere bestehen darauf, lieber Medikamente einzusetzen.

Wie stark ist die Kraft der Pflanze?

Es ist nicht nötig, in diese Diskussion einzusteigen, weil es sich um Fragen handelt, die mit großer Wahrscheinlichkeit nicht abschließend beantwortet werden können. Selbst wenn bestimmte Studien zeigen, dass Medikamente wirksamer sind, wird es doch immer Anwender geben, die mit dem Tee die besten Ergebnisse erzielen. Die Frage lautet schlussendlich: Was ist Heilung, und wodurch wird sie ermöglicht?

Ist Heilung etwas, das von außen zugeführt wird? Oder entsteht sie im Inneren, sind also die sogenannten Selbstheilungskräfte des Körpers maßgeblich dafür verantwortlich? Es gibt vieles, das darauf hinweist.

Gesund bleiben mit Artemisia

Wenn es darum geht, gesund zu leben, wollen wir in erster Linie verhindern, überhaupt krank zu werden. Das erreichen wir einerseits durch einen gesunden Lebensstil und andererseits, indem wir die „Apotheke“ an unserem Gartenzaun aktiv in unser Leben und unsere Ernährung einbauen.

Hierfür können wir einerseits ein Kräuterbeet in unserem Garten anlegen oder einige der Pflanze auf dem Balkon oder der Terrasse ziehen, andererseits jedoch auch in die Natur gehen und sie dort einfach sammeln. Das gilt für Artemisia und viele andere Pflanzen. Den einjährigen Beifuß kann man leicht im Garten oder sogar im Haus anpflanzen. Das gelingt recht einfach, indem man ihn aus Samen zieht. Hat man ihn einmal im Garten etabliert, überwintern die Samen im Boden und keimen im Frühjahr aufs Neue.

Das kann Artemisia annua für uns tun

Die Wirkung der Pflanze ist vielfältig, bis heute wurden 245 verschiedene Wirkstoffe isoliert und nachgewiesen. Bei einer Erkältung oder einem Infekt kann man mit einjährigem Beifuß sehr schnell wieder gesund werden. Artemisia annua hat viele Bitterstoffe, die in unserer Ernährung meistens fehlen, und regt dadurch die Leber und Galle an.

Man kann einmal im Monat eine einwöchige Kur machen und täglich ein bis zwei Tassen Artemisia Tee trinken. Diesen Tee kann man aus den eigenen Pflanzen gewinnen. Dafür erntet man die grünen Blätter, bevor die Pflanze zu blühen beginnt, und trocknet sie. Bewahrt man sie kühl und trocken auf, hat man einen schönen Vorrat an Tee, der lange haltbar ist. Artemisia annua soll nicht mit Eisen zusammen eingenommen werden, weil das seine Wirksamkeit einschränken kann.

Welches „Unkraut“ ist noch besonders heilkräftig?

Beschäftigt man sich einmal mit der Wirkungsweise und der immensen Potenz einheimischer Pflanzen, wird der Begriff „Unkraut“ schnell zu einem „Unwort“. Es ist geradezu erstaunlich, welche Inhaltsstoffe und Wirkungen einheimische Kräuter aufweisen, wobei sie doch direkt vor unserer Nase wachsen, kostenlos zur Verfügung stehen und meistens sehr widerstandsfähig sind – was jeder Gärtner leicht bestätigen kann.

frisch gepflückte Brennnesseln

Bei der Brennnesselsuche wird man meist schnell fündig. (c) nurfe / pixabay.com

Die Brennnessel

Die Brennnessel wächst gern auf kalkhaltigem und humusreichem Boden und dient als Anzeigepflanze. Sie enthält sehr viele Proteine und trug früher den Beinamen: Das Fleisch des kleinen Mannes. Wer sich kein Fleisch leisten konnte, stillte seinen Proteinbedarf eben mit den richtigen Wildpflanzen und Kräutern.

Brennnesseln verlieren ihre brennenden Eigenschaften, wenn man einmal mit der geschützten Hand in die Wuchsrichtung der Brennhärchen streicht. Dann kann sie als Tee, im Smoothie, im Salat oder als frittierte Leckerei auf den Tisch kommen und die Gesundheit unterstützen. Sie enthält sehr viele Vitamine und Mineralstoffe und wirkt entwässernd. Ihre Samen können ebenfalls verwendet werden, zum Beispiel im Müsli oder im Salat. Dafür können sie nach der Ernte einfach getrocknet und dann lange aufbewahrt werden.

Tipp: Eine Jauche oder ein Tee aus der Brennnessel unterstützt auch die Pflanzen im heimischen Garten. Sie dient als natürlicher Dünger, der die Pflanze stärkt und Schädlingen keine Chance lässt.

Der Giersch

Der Giersch ist der Schrecken vieler Gärtner. Er zeigt einen stickstoffreichen Boden an und bleibt unter Kontrolle, wenn er regelmäßig geerntet wird. Man kann sagen, dass es sich beim Giersch um ein wertvolles, einheimisches Gemüse handelt, das zu Unrecht so verhasst ist. Er enthält Vitamin A, Eisen, Kalzium und Magnesium und ist auch als Gichtkraut oder Zipperleinkraut bekannt. Giersch kann zu Smoothie, Kräutersalz oder Smoothie verarbeitet werden und gilt als Alternative zu Spinat.

Damit es nicht zu Verwechslungen beim Sammeln kommt, kann man sich folgenden Spruch merken: „Drei, drei, drei – ist beim Giersch dabei.“ Der Giersch hat einen dreieckigen Stiel, der sehr prägnant ist. Außerdem wachsen aus einem Stengel drei Blätter, die wiederum drei Spitzen haben.

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