Krankheiten & Therapien

Amnesie – Die verschüttete Erinnerung

Amnesie bedeutet das komplette oder teilweise Unvermögen, Ereignisse zu erinnern, die Sekunden, Tage oder Jahre zurückliegen. Körperliche, aber auch seelische Aspekte können den Gedächtnisverlust verursachen.

Immer wieder geraten spektakuläre Fälle in die Schlagzeilen, wie der des Mannes, der auf einer Parkbank gefunden wurde und sich weder an seinen Namen, noch an sein gesamtes bisheriges Leben erinnern konnte. Solche schweren Ausprägungen des Gedächtnisverlusts sind allerdings sehr selten. Viel häufiger kommt es dagegen vor, dass wir einen Filmriss, also eine kurzzeitige Gedächtnislücke haben.

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Da an Ihrer Fähigkeit, sich zu entsinnen, viele Gehirnregionen beteiligt sind, kann beinahe jede Hirnschädigung zu einer Amnesie führen. Allerdings kann auch ein Gedächtnisverlust ohne körperliche Ursachen entstehen, etwa durch besonders belastende Ereignisse.

Häufige Ursachen der Amnesie

  • Schädel-Hirn-Trauma nach Unfällen
  • Gehirnerschütterung
  • Epilepsie
  • Meningitis (Hirnhautentzündung)
  • Enzephalitis (Gehirnentzündung)
  • Hirnschlag
  • Hypoxie des Gehirns (Sauerstoffmangel)
  • Demenz
  • Migräne
  • Alkoholmissbrauch
  • Drogensucht
  • Medikamente (Barbiturate, Psychopharmaka)
  • Stress

Verschiedene Formen des Gedächtnisverlusts

Retrograde, anterograde und kongrade Amnesie

Im Fall der retrograden (rückwirkenden) Form betrifft der Gedächtnisverlust die Zeit vor dem Ereignis, das Ihr Gehirn geschädigt hat.

Im Fall der anterograden (vorwärtswirkenden) Form können Sie sich nicht mehr an Begebenheiten erinnern, die nach dem schädigenden Vorfall passiert sind.

Die kongrade Amnesie verhindert, dass Sie sich an das Ereignis erinnern, dass Ihrem Gehirn Schaden zugefügt hat. Was davor oder danach passierte, ist Ihnen noch präsent.

Frau, die sich an den Kopf langt, im Hintergrund Autounfall.

Ein Verkehrsunfall kann der Grund für eine Amnesie sein. (c) Paolese / Fotolia

Transiente globale Amnesie

Die transiente (vorübergehende) globale Amnesie vereint die Symptomatik der retrograden und der anterograden Form. Sind Sie betroffen, können Sie sich an nichts erinnern und können nichts Neues in Ihrem Gedächtnis abspeichern. Zudem treten Orientierungsstörung und Verwirrtheit auf. Die Betroffenen können allerdings im Moment komplexe Handlungen ausführen, beispielsweise Radfahren oder ein Mobiltelefon bedienen. Diese Form des Gedächtnisaussetzens sollte laut Definition nach 24 Stunden vorbei sein.

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Infantile Amnesie

Die kindliche Form beschreibt die Tatsache, dass Sie sich nicht mehr an frühkindliche Erlebnisse vor einem Alter von zwei bis drei Jahren erinnern können.

Dissoziative oder psychogene Amnesie

Diese Form tritt ohne körperliche Ursachen auf. Vielmehr lösen psychische oder psychosomatisch hervorgerufene Stresszustände, also besonders belastende Ereignisse, den Gedächtnisverlust aus. Dann können Sie die schlimmen Erinnerungen nicht mehr abrufen, Ihr Gehirn „verschließt“ sie vor Ihnen.

Genau wie organisch bedingte, treten dissoziative Amnesien plötzlich auf – jedoch meist ohne andere kognitive Beeinträchtigungen. Die Störung befällt Frauen häufiger als Männer und betrifft normalerweise Personen, die traumatische Situationen durchgemacht haben oder Zeuge davon wurden. Sie erlebten beispielsweise sexuellen Missbrauch, Gewaltverbrechen, Unfälle, Naturkatastrophen oder den Tod einer geliebten Person.

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Die Diagnose der Erinnerungslücke

Gespräch mit dem Arzt

Ihr Arzt fragt Sie, wann Sie Gedächtnislücken bemerkt haben und in welchem Zusammenhang sie auftraten. Er möchte wissen, ob Sie einen Unfall hatten, an bestimmten Krankheiten leiden oder Medikamente einnehmen. Ihre Aussagen geben ihm Hinweise, ob eine Amnesie vorliegt und um welche Form es sich handelt.

Gedächtnistests

Mit verschiedenen standardisierten Aufgaben prüft der Arzt Ihr Kurz- und Langzeitgedächtnis. Für ersteres müssen Sie beispielsweise immer länger werdende Zahlenreihen nachsprechen.

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Technische Verfahren

Ein bildgebendes Verfahren kann eventuelle Schädigungen Ihres Gehirns aufdecken. Die Kernspintomografie oder die Computertomografie zeigen, ob etwa ein Schlaganfall oder ein Tumor bestehen. Eine Messung der Gehirnströme gibt Hinweise auf eine Epilepsie. Weitere Verfahren können Hinweise etwa auf Demenz oder Alzheimer-Demenz geben.

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Mit diesen Therapien kommt das Erinnern in Schwung

Die Therapie und ihre Erfolgschancen hängen von ihrer Ursache ab. Ist es eine Verletzung des Gehirns, eine Epilepsie oder ein Schlaganfall werden diese behandelt. Liegen Demenz oder Alzheimer-Demenz vor, können Gedächtnisübungen helfen, die kognitiven Fähigkeiten zu erhalten oder zu verbessern.

Sind seelische Traumata die Ursache, kann eine Psychotherapie dem Gedächtnis auf die Sprünge helfen. Wenn Stress Auslöser des Gedächtnisverlusts ist, dann helfen Entspannungsmethoden wie Autogenes Training oder Meditation.

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