Gesunde Ernährung

Die Detox-Diät: Abnehmen und dabei entgiften?

Gut für die Gesundheit, gut für die Figur – Detox-Diäten versprechen das Rundum-Paket an Vorteilen für den Körper. Das Prinzip dahinter: Schadstoffe und Gifte raus aus dem Organismus, Vitamine, Mineralien und alles, was sonst noch gut tut, rein – vor allem durch bestimmte Lebensmittel oder sogenannte Detox-Drinks. Wir haben Sinn und Unsinn des Diät-Trends hinterfragt.

Das Wort für „giftig“ (englisch: toxic) ist der begriffliche Ursprung der Detox-Diät. Die Vorsilbe „de“ ist dabei der entscheidende Zusatz: Wer detoxt, der will entgiften – und zwar seinen Körper. Obwohl ein aktueller Gesundheitstrend, ist diese Idee nicht neu. Schon 1935 verbreitete der deutsche Arzt Otto Buchinger die Idee, dass der menschliche Organismus von Zeit zu Zeit gereinigt werden müsse.

Voraussetzung dafür: extrem wenige Kalorien und keine feste Nahrung, dafür viele frische Fruchtsäfte, Gemüsebrühe und Tee. Damit ist Buchingers Vorstellung von einer körperlichen Reinigung nicht so weit weg vom aktuellen Konzept der Detox-Diät. Das geht davon aus, dass sich im Laufe der Zeit sogenannte Schlacken und Giftstoffe im Körper ansammeln und diese durch bestimmte Maßnahmen ausgeschleust werden können.

Erhoffter Effekt dieser vermeintlichen Entgiftung: Beschwerden wie körperliche Funktionsstörungen, allgemeine Abgeschlagenheit oder Magen- und Hautprobleme werden gelindert, das Energielevel steigt, man fühlt sich fitter und leistungsfähiger. Regelmäßig ist auch zu lesen, dass eine Detox-Diät die Entgiftungsorgane des Körpers entlaste oder sogar „erneuere“.

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Der Körper entgiftet sich selbst

Das Entgiften des Körpers, sprich: die „Entsorgung“ von Stoffen, die für den Organismus schädlich sind, ist von Natur aus der Job von Leber und Nieren. Sie nehmen sich zum Beispiel giftiger Abfallprodukte des Stoffwechsels an, bauen Alkohol ab oder neutralisieren Umweltgifte, die mit der Nahrung aufgenommen wurden. Bis zu 1.500 Liter Blut reinigen unsere Nieren täglich. Auch die Leber wandelt permanent Schadstoffe um oder sorgt dafür, dass sie über den Darm ausgeschieden werden. Sind unsere Entgiftungsorgane gesund, findet die Beseitigung von Schadstoffen aus dem Körper fortwährend statt.

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So läuft eine Detox-Diät ab

Es gibt unterschiedliche Varianten einer Detox-Diät. Allen gemeinsam ist jedoch, dass die Energiezufuhr in Form von Nahrung stark gedrosselt wird. Durchschnittlich werden nur 400 Kalorien (kcal) pro Tag aufgenommen. Das macht die Detox-Diät zu einer Variante des Heilfastens.

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Fokus auf Flüssigem

Anstatt fester Nahrung wird vor allem Flüssiges konsumiert: frische Obst- und Gemüsesäfte, Gemüsebrühe, Wasser und Tees – insgesamt mindestens 2,5 Liter (maximal 3 Liter) täglich. Gezuckerte Limonaden, Milchprodukte, Kaffee und alkoholische Getränke sind tabu. Der Verzicht auf richtige Mahlzeiten soll die Verdauungs- und Entgiftungsorgane entlasten. Gleichzeitig sollen Getränke auf pflanzlicher Basis durch ihren Vitamin- und Mineralstoffgehalt dafür sorgen, dass die Vitalstoff-Speicher des Körpers aufgefüllt werden.

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Detox Diät: Karottensaft

Gemüsesäfte stehen bei der Detox-Diät täglich auf dem Programm. (c) Colourbox.de

Entspannung und Massagen

Die zweite Säule der Detox-Diät ist Entspannung. Während der ersten Tage einer Detox-Diät sinkt die körperliche Leistungsfähigkeit stark ab, die Fastenden fühlen sich schlapp, müde und kraftlos. Hat sich der Stoffwechsel angepasst, lassen diese Beschwerden wieder nach.
Körperliche Höchstleistungen sollten während der gesamten Diät dennoch vermieden werden. Ein gemütlicher Spaziergang ist allerdings drin und soll die Detox-Wirkung der Diät sogar fördern. Zur Unterstützung des Stoffwechsels empfehlen Detox-Fans außerdem Bürstenmassagen oder Wechselduschen.

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Ist die Fasten-Phase schließlich vorbei, sollten sich Detox-Fans langsam und schrittweise wieder an normale Mahlzeiten gewöhnen – zum Beispiel mit Suppen oder leichten Gemüsegerichten. Nach einer Woche des Übergangs ist dann wieder normales Essen ohne Verzicht möglich.

Abnehmen durch Entgiften?

Weniger auf der Waage – das ist nur ein Nebeneffekt der kalorienreduzierten Detox-Diät, für viele aber ein besonders positiver. Tatsächlich ist die Detox-Diät aber keine gute Methode, um der Traumfigur näher zu kommen – dafür ist sie zu extrem. Nachhaltiges Abnehmen gelingt nur durch eine dauerhafte Ernährungsumstellung, die schrittweise eingeleitet wird und dadurch nachhaltig ist. Dafür ist die Detox-Diät jedoch gar nicht ausgelegt.

Außerdem droht durch die enorme Umstellung der Ernährung und damit des Stoffwechsels der gefürchtete Jojo-Effekt. Das heißt:  Nach der Diät bunkert der Körper die Kalorien noch besser und man wiegt in Kürze genauso viel wie zuvor – oder sogar mehr.

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Kritik an der Detox-Diät

Bei Ernährungsexperten und Medizinern steht das Konzept Detox seit langem in der Kritik. Zum einen, weil wissenschaftlich nicht belegt ist, dass der Körper Schlacken ansammelt und entgiften muss. Vielmehr neutralisieren Nieren und Leber aufgenommene Gifte oder Schadstoffe innerhalb weniger Stunden und scheiden sie dann aus. Dieser Prozess lässt sich durch äußere Einflüsse nicht beschleunigen oder intensivieren.

Mediziner kritisieren außerdem an der Detox-Diät, dass sie den Eindruck vermittelt, über lange Zeit angesammelte Gifte könnten durch eine Diät von wenigen Tagen neutralisiert werden. Sie raten vielmehr dazu, Genussgifte wie Nikotin oder Alkohol dauerhaft zu meiden.

Ein positiver Effekt, der Detox-Diäten zugestanden wird, ist, dass sie unter Umständen das Bewusstsein für gesunde Ernährung und die Bedeutung der Körperfunktionen fördern können. Wer nach drei Tagen Detox insgesamt mehr Lust hat, sich gesund zu ernähren, der hat tatsächlich viel für seinen Körper getan.

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